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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Echtheit und Fälschung.

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Isographie war es gelungen, ein Rotrou -Autograph behufs Repro-duktion aufzutreiben. Trotz des befremdlichen Stils zweifelteniemand an der Echtheit der Rotrou -Briefe, die Chasles angeblichseiner umfangreichen Autographensammlung entnahm. Schonvorher hatte Chasles der Königlich Belgischen Akademie der Wissen-schaften zwei Briefe KaiserKarlsV. an Rabelais zum Geschenkgemacht, welche ihr Präsident, Queletet, unter einer Dankeskund-gebung an den Spender veröffentlichte. Aber leider: beide. Briefewaren falsch. Vor ihrer Veröffentlichung war von einer Korrespon-denz des Kaisers mit Rabelais nichts bekannt. Erst die Schenkungführte zu näheren Nachforschungen, aus denen .sich ergab, daßschon die einzige BezeichnungMaitre stattFrere dieBriefe zu einer Fälschung stempelten. Außerdem trug einer der inRede stehenden Briefe den Vermerk von Rabelais Hand:Lettre deFEmpereur Charles-Quint. Nun wurde Karl V. zeitlebens nichtanders alsder Kaiser bezeichnet: nur die Geschichte überliefertseinen Namen alsKarl der Fünfte. Also gleichfalls ein Beweis fürdie Unechtheit der beiden angeblich von ihm herrührenden Briefe.

Die Sache blieb auf sich beruhen. Chasles war mit dem Nachweisbeschäftigt, daß der Ruhm, das Gravitationsgesetz entdeckt zuhaben, nicht Newton, sondern Blaise Pascal zukomme. Die Fragewurde in der Öffentlichkeit lebhaft erörtert. In jener Sitzung derAkademie vom 8. Juli 1867, wo Chasles die Rotrou -Briefe vorlegte,wurde Chasles vom Präsidenten um nähere Einzelheiten über denStand der Newton-Pascal-Frage ersucht.

Acht Tage später unterbreitete Chasles zwei Briefe Pascals anBoyle. ln der nächsten Sitzung, am 22. Juli, verteidigte das Akade-miemitglied Duhamel den großen Engländer, indem er die Echtheitder von Chasles vorgelegten Dokumente bestritt. Als Antwortlegte Chasles eine ganze Korrespondenz zwischen Pascal undNewton vor, die freilich zu einer Zeit geführt wurde, als Newtonnoch Schuljunge in Grantham war und kaum elf Jahre zählte!Nunmehr lieferten auch andere Gelehrte, z. B. Sir David Brewster und der feinsinnige Pascal-Kenner Faugere, Beweise für die Un-echtheit der Chaslesschen Dokumente: die Schriftzüge der vor-