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Zwölftes Kapitel.
händler kaufte die Schriftstücke als Makulatur. Max Kalbeck ,der bei diesem seine erste Gedichtsammlung verlegte, erhielt Kennt-nis von dem Funde und versprach, ihn nach Beendigung seinerStudien wissenschaftlich auszubeuten. Am meisten interessiertenihn die Briefe von Merck an Wieland, welche später Gustav Frey tag in der Zeitschrift „Im neuen Reich“ herausgab. Ehe noch Kahl-beck sich ans Werk gemacht hatte, war der Müllnersche Nachlaß —wahrscheinlich auf Gustav Freytags Veranlassung — in den Besitzdes Herzogs Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha übergegangen,der ihn der Staatsbibliothek in Gotha überwies. Ein paar auserleseneStücke behielt sich der Herzog für seine eigene Autographen-sammlung auf der Veste Koburg zurück.
Ein besonders glücklicher Fang glückte einmal einem Engländer.
Im Jahre 1840 kaufte ein Autographensammler bei einem Fisch-händler in Yarmouth ein Pfund Seezunge, die ihm in ein breitesStück steifen Papiers eingewickelt wurde. Bei näherer Betrach-tung — zu Hause — entpuppt sich das Einpackpapier als ein Stückvon Rechnungen über Lebensmittel für die im Tower untergebrach-ten Gefangenen. Das Blatt trägt die Unterschriften von Ministernaus der Zeit Jakobs II. Spornstreichs kehrt der Käufer in denFischladen zurück und ersteht diesmal einen Schellfisch, den ihmder Händler in ein großes Stück Papier aus einem Foliobande ein-wickelt. Kurz und gut: der Kenner kehrt mit Schellfisch, Stock-fisch, Makrelen, Dorsch und allen vorhandenen Fischarten heimund — natürlich — mit einem gewaltigen Bündel Makulatur, das,nach Aussage des Fischhändlers, aus dem Summerset-House stammte.Als er die Blätter zu Hause auseinanderfaltet, was sieht er da?Rechnungen des Schatzkanzleramtes mit den eigenhändigen Unter-schriften Heinrichs VII. und Heinrichs VIII., Garderoben-rechnungen der Königin Anna, Gehaltsquittungen, unterzeichnetvon Pope, Newton, Dryden und dem Baumeister Sir Chri-stopher Wren, eine Abhandlung über das Abendmahl in der kind-lichen Handschrift Eduards VI. , eine Entscheidung in Sachen desHosenbandordens, von der Hand der Königin Elisabeth.