Buch 
Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Autographenschicksale.

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paar Wochen, nachdem er seine Wohnung am Mornington Place,Hampstead , aufgegeben hatte, schrieb er von der Insel Wight ausan seinen Freund Patmore, er könne seinBuch der Elegien, eindickleibiges Manuskript, nicht finden; er erinnere sich dunkel, erhabe es ihm, Patmore, geliehen.

Wenn Dus noch hast, schloß er,ist mirs recht. Wenn nicht,so gehe bitte in meine alte Wohnung und forsche nach seinemVerbleib.

Patmore hatte das Buch nicht und erfuhr bei seinem Besuch inTennysons alter Wohnung, daß auch die Wirtin ein derartigesManuskript nicht gefunden hatte. Patmore bestand jedoch darauf,die einstigen Wohnräume die Dichters selber durchsuchen zu dürfen.Hier fand er tatsächlich das langvermißteBuch der Elegiennämlich die Urschrift vonIn memoriam in, einem Schränk-chen, wo Tennyson Brot, Butter und Tee aufzubewahren pflegte!

Das Durchstöbern handschriftlicher Nachlässe, Akten, Tage-bücher, Urkunden, Briefsammlungen usw. führt sehr häufig zueinem lohnenden, manchmal sogar zu einem überraschenden Er-gebnis, namentlich dann, wenn die Papiere aus dem Besitz einerin der Literatur-, Kunst- oder politischen Geschichte bekanntenPersönlichkeit stammen. Erich Schmidt erhielt während seinerDirektion des Goethe-Schiller-Archivs die Mitteilung, ein Großneffeder weimarischen Hofdame Fräulein von Goechhausen in Dresden habesehenswerte Goethe-Papiere gefunden. Die Blätter ent-haltenanscheinend nicht viel Neues, dürften aber dennoch eineflüchtige Durchsicht lohnen. Erich Schmidt sah die Papiere durch tatsächlich nichts Neues: Abschriften von Gedichten und ähn-licher, längst bekannter Arbeiten. Schon glaubte Erich Schmidt erzählt sein Freund Otto Brahm von einer weiteren Durch-sicht absehen zu sollen da trifft sein Blick auf etwas völlig Un-geahntes, Unerwartetes: Szenen aus demFaust , die von der be-kannten Form abweichen. Bei eingehender Nachforschung stelltees sich heraus, daß hier eine Abschrift der größten GoetheschenDichtung vorlag der Urfaust! Fräulein von Goechhausenpflegte sich alle Goetheschen Dichtungen, die ihr im Original vor-