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Zwölftes Kapitel.
zu ändern, und ich muß die Trennung von den alten Freunden(d. h. den Autographen! Der Verf.) geduldig verschmerzen.“
Während die genannte Briefausgabe den Vermerk trägt: „Ausder Sammlung von Karl von Holtei und Robert Weigelt “, ließ sichder Dichter bald bestimmen, dem Photographen noch bei Leb-zeiten die ganze Sammlung auszuliefern. Da nun Weigelt selberin wirtschaftliche Bedrängnis geriet, so hat er die gemeinsameSammlung abteilungsweise verpfändet und verkauft, so daß wederdie Stadtbibliothek noch die Vaterländische Gesellschaft die ihnenzugesicherten Autographen erhielten. Im Frühjahr 1884 kam einTeil der Holteischen Sammlung bei Marquardt (Berlin ) unter denHammer.
Für jeden seiner Korrespondenten hatte Holtei ein eigenesAktenstück angelegt, in welches er die Briefe in chronologischerReihenfolge einheftete. Als echter Autographensammler bewahrteer die Stücke vor jeglicher Beschädigung, besserte sie aus, ohneSiegel und Text zu versehren. Vor mir liegt ein in dieser Weisebehutsam behandelter Brief — ohne welterschütternden Inhalt —aber sorgfältig in Schriftzügen und Erhaltung. Anastasius Grün schreibt da:
Verehrter Freund 1
Vor allem anderen ein herzliches Willkommen dem glücklich undvielbekränzt Zurückgekehrten!
Nach Empfang Ihrer lieben Zeilen wiederholte ich gestern nachmittagsmeinen Versuch, Sie zu treffen, aber leider wieder erfolglos. Da ich nocham äußersten Ende der Grazerwelt wohne, so kann ich Ihnen nicht zu-muten, mich hier aufzusuchen und werde — wenn die Stunde Ihnensonst genehm ist — morgen (Montag) vormittags circa 10 —11 Uhr anIhre Pforten anklopfen.
Herzlich grüßend, auf baldiges Wiedersehen!
Ihr aufrichtigst ergebener
A. Auersperg.
Am Rosenberg, 20. 10. 1861.
Wenn eine bedeutende Autographensammlung unter denHammer kommt, stimmt die urteilslose Außenwelt eine beweglicheKlage an: die Sammlung wird in alle Winde hin verstreut, statt