Autographenschicksale.
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lassenen Papiere von Ludwig Tieck ankaufte, ward Holtei mitihrer Sichtung und Herausgabe betraut. Im Jahre 1864 ließ er hier-aus eine vierbändige Ausgabe der „Briefe an Ludwig Tieck “ er-scheinen. Als Honorar überließ ihm der Verlag die Originale dieserBriefe.
Wirtschaftliche Sorgen minderten Holteis Sammelfreudigkeit, sodaß er sich im Herbst 1869 entschloß, seinen Bestand an Auto-graphen einem Sammelkollegen, dem Photographen Robert Weigelt in Breslau , zu verkaufen.
„Meine Sammlung ist vor zehn Tagen,“ schrieb Holtei am29. Oktober I869 an den Breslauer Germanisten Karl Weinhold ,„durch gerichtlich abgeschlossenen Verkauf in den Besitz des ehe-maligen Photographen Robert Weigelt übergegangen, unter derBedingung, daß dieselbe in meinen Händen verbleibt, bis ich sterbe,und daß sie dann mit Weigelts sehr ausgewählter Kollektion ver-schmolzen, durch diesen im ganzen der hiesigen Stadtbibliothek(oder der Vaterländischen Gesellschaft in Breslau ) testamentarischhinterlassen wird. Ich erreiche dadurch den Zweck, daß sie bei-sammen bleibt, und genieße zugleich das Benefizium, die Summevon beinahe tausend Talern in monatlichen Raten zu empfangen,deren Abtrag, wofern ich früher sterbe, an die Meinigen stattfindenmuß.“
Obwohl dieser Dichter bei aller Liebenswürdigkeit seines Wesensdoch eine recht oberflächliche Natur war, so trauerte er doch demverlorenen Eden lange nach. Eine Ausgabe, „Briefe aus zweiJahrhunderten“, die er 1872 an der Hand seiner einstigen hand-schriftlichen Kostbarkeiten veranstaltete, riß die Wunde aufs neueauf; und als er im November 1874 mittels gedruckter Enzyklikavon seinen Freunden Abschied nahm, versah er diese am 2. Januar1876 mit einer handschriftlichen Bemerkung, die seine Auto-graphensammlung betraf: „Ich habe dieselbe — schweren Herzenswahrlich — verkaufen müssen, weil ich durch die Kriegsjahre undderen Nachwehen, durch den plötzlichen Tod meines Verlegers,durch die Abnahme geistiger Kräfte und manche dahin gehörigeKalamitäten in Not geraten war. Da ist nun weiter nichts mehr