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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Zwölftes Kapitel.

geschichte ist nur ein Schritt. Wer diese Ehrerbietung zu weckenversteht, erzieht seiner Sammlung einen verständnisvollen Fort-setzer.

Die Archive der adligen Geschlechter weisen Autographenschätzeauf, von deren Vorhandensein die unbeteiligte Außenwelt nichtsahnt. Namentlich Dokumente aus dem Dreißigjährigen Kriege, ausder Glanzzeit unter Ludwig XIV. , aus dem Zeitalter Friedrichs desGroßen und der Befreiungskriege sind noch in Fülle zu finden. Esbedarf vielfach nur einer Anregung von sachkundiger Seite, um dieBesitzer dieser Familienarchive zu veranlassen, ihre Urkunden-sammlung zu einer Autographensammlung auszubauen, wenigstensihrem Archiv eine solche anzugliedern. Die Götz von Ber-lichingen, die Thurn und Taxis, Fürstenberg, Lukas von Cranach , Terzki, Opitz von Boberfeld, Seydlitz,

Schulenburg usw. lebenheute noch und streben nacheiner ständigen Vermehrungihrer Archive auf familien-geschichtlicher Grundlage.Die sammelnden Adelsge*

Abb. 77.

schlechter tun freilich ein bißchen zu viel, indem sie jedes un-bedeutende Zettelchen, jede nichtssagende Urkunde mit derbloßen Unterschrift ihres Ahnherrn erwerben und somit für immerdem Verkehr entziehen, Autographen, die dem zünftigen Sammlerhäufig genug zu einemSatz fehlen.

Wer nicht die Möglichkeit hat, seine Sammlung einem verständ-nisvollen Leibeserben zu überantworten, pflegt seine Schätze einemMuseum oder einer Bibliothek zu stiften. Ein solches Legat wirdmit großer Freude begrüßt; die Zeitungen rühmen den Stifter alseinen feinsinnigen, hochherzigen Freund von Kunst und Wissen-schaft; berufene und unberufene Schriftsteller beuten die Hand-schriften wissenschaftlich aus. Und ihr Schicksal? Zu Konvolutenvereinigt, verkümmern die einst so oft und so gern betrachtetenBlätter im festverschlossenen Schrank. Nur einzelne Prachtstückeliegen im Schaukasten zur allgemeinen Besichtigung aus. Für Jahre