Autographenschicksale.
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und Jahrzehnte lebt der Name der Stifters im Gedächtnis derNachwelt.
Wenn dann nach Jahren eine gründliche Durchmusterung desAutographenbestandes erfolgt, scheidet der überkluge Gelehrteeine Menge Stücke als unbedeutend aus und veranlaßt ihren Ver-kauf. Was der Stifter einstmals zu verhindern trachtete — die Zer-splitterung seiner mühsam Stück für Stück aufgehäuften Sammlung
— das tritt jetzt ein; von der Beschädigung der einzelnen Blätterdurch die vielen Benutzer ganz zu schweigen!
Wer demnach ein gemeinnütziges Werk zu tun glaubt, wenn erseine Sammlung einem Museum oder einer Bibliothek vermacht,der vergesse nicht, daß ihregeschlossene Aufbewahrungdurch die genannten Insti-tute nicht immer gewähr-leistet ist. AnerkennenswerteAusnahmen — wie die pietät-volle Bewahrung der Samm-lungen Varnhagen undDarmstädter durch diepreußische Staatsbibliothek
— bestätigen die Regel.
Was wird aus einer Sammlung?
Wem daran liegt, daß der Glanz seiner Sammlung in Jahrzehntennicht verbleicht, der verfasse einen ausführlichen Katalog, der dieungedruckten Stücke — mit dem auf gründlichem Studium beruhen-den Apparat — wörtlich, die bereits publizierten auszugsweisewiedergibt. Reproduktionen interessanter Stücke werden den Wertdieses Kataloges erhöhen. Wenn die Blätter in dem gedrucktenAutographenverzeichnis ihre wohlverdiente Auferstehung feiern,haben sie ihren Zweck, der Wissenschaft zu dienen, erfüllt.
Durch die Veröffentlichung seines Kataloges hat sich der Sammlerhinreichend verewigt. Wenn er also die Versteigerung seines Auto-graphenvermögens durch einen ihm befreundeten Antiquar letzt-willig anordnet, so tut er nicht nur seinen Erben, sondern auch
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