Vierzehntes Kapitel.
Berühmte Stammbücher, Sammlungenund Einzelautographen.
Im Vergleich zu den übrigen Gebieten künstlerischen und'wissen-schaftlichen Sammelns sind die Autographensammler auch darinim Nachteil, daß ihre größten Kostbarkeiten nicht zu öffentlicherSchau prangen, sondern in den Truhen irgendeines staatlichen oderprivaten Archivs ruhen. Dennoch sind auch unsere Schätze durchReproduktion Allgemeingut geworden.
Eine ungeheure Fülle kostbarster Autographen sind im Laufeeines Jahrhunderts in den Handel gekommen und in den Mappenpietätvoller Sammler verschwunden. Aus ihrer Zahl seien diefolgenden herausgehoben. Zunächst die Stammbücher.
Das wertvollste Stammbuch ist uns leider nur aus Beschreibun-gen bekannt.
Nach dem Muster Hainhofers 1 ) hatte sich Herzog Philipp II.von Pommern im Jahre 1612 gleichfalls ein Stammbuch angelegt.
Da er ein großer Kunstfreund war und das gleiche Interesse auchbei den wohlhabenden weltlichen und geistlichen Fürsten voraus-setzte, die er um Beiträge anging, so knüpfte er an die Bitte umein Autograph auch das Ersuchen um eine Darstellung aus derbiblischen Geschichte in Miniaturmalerei, Federzeichnung oder auchin Seidenstickerei. Hierbei bezeichnete er das von ihm gewünschteMotiv und schlug sogar einen geeigneten Künstler vor, der „diebiblische Figur“ malen sollte — nicht etwa auf Kosten des fürst-lichen Sammlers, sondern zu Lasten der aufgeforderten Persönlich-keiten !!
M Siehe S. 231,