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Siebzehntes Kapitel.
Poesiebuch verzeichneten Zitate von der Hand ihrer Verfasser zubesitzen!
Von den Klassikern und den Romantikern waren Handschriftenauf unmittelbarem Wege nicht mehr zu erreichen — aber in demunserem Lesebuch angefügten biographischen Abriß stand hinter sovielen Namen zu lesen: „lebt in Berlin“ „lebt in Stuttgart “, „lebtzu Köstritz in Reuß“ usw.
■Wie komme ich an diese meine bedeutendsten Zeitgenossenheran ?
Aus meiner an Schwärmerei grenzenden Begeisterung für Poesieerwuchs allmählich der Drang zu eigener literarischer Betätigung.Die kleinen Erzeugnisse meiner Muse hielt ich damals für dieEntreebilletts zum Aufstieg auf den Parnaß und zugleich für Wechselauf eine ruhmvolle Zukunft. In meinem sechzehnten Lebensjahresandte ich dies oder jenes Gedicht an Gerok, Hamerling, Ju-lius Sturm und Ludwig August Frankl und erhielt so freund-liche Antworten, daß ich mir ein Herz faßte, den Dichtern auchmein neuangelegtes Autographenalbum zu übersenden.
Frankl weihte das dünne, in rotem Kaliko gebundene Albumin Großoktav mit dem folgenden Gedicht ein:
Spinnengewebe.
Ich sah der Spinne zu,
Es ward ihr Netz zerrissen.Sie webte ohne RuhEin neues, klug beflissen.
Als Silberbrücken spanntSie weiße Fäden wieder,
Und webt das SchleierbandStill gleitend' auf und nieder.
So webt sie Tag um Tag,Vollendend und beginnend,Ob man sie stören mag —
Ihr Leben weiter spinnend.
Wenn Dir ein Werk mißlang,Bleib, meine Seele, heiter,Und frage nicht: wie lang?
Du webe, wirke weiter!