Von der tumpheit zum zwifel.
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Schönheit und GottessegenFind’st Du auf allen Wegen.
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Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf — es kommt nur auf dieEntfernung an. Marie von Ebner-Eschenbach .
Dieser Trieb zum Autographensammeln zeitigte ein alle anderenNeigungen überstrahlendes Interesse für die deutsche — und aus-ländische — Literatur. Gewiß, ein wissenschaftliches Prinzip —etwa das Streben, eigene Forschungen anzustellen — lag diesemInteresse nicht zugrunde. Mir genügte es damals, die Haupt-strömungen der Literatur, die Namen und den Lebensgang ihrerHauptvertreter sowie die Titel ihrer Werke zu wissen. Wen ich im„Brümmer“ fand, der galt für mich als ein großer Dichter ;^wennauf seine Namen gar eine lange Reihe von Werken folgte, ver-setzte ihn meine kritiklose „Heldenverehrung“ unter die Sterneerster Ordnung, mindestens neben Goethe. Der Leitspruch des„Deutschen Literaturkalenders“:
Was Namen hat im Vaterland,
Wer nie in einem Kürschner stand,
Ist kein berühmter Mann
verleitete mein ahnungsloses Herz vollends zum Heran treten anPersönlichkeiten, deren Ruhm kaum das Jahr des Kalenders über-dauerte, der ihren Namen aufwies; bei einiger Reife und selbstän-digem Urteil hätte mir z. B. die Schulhumoreske „Der Besuch imKarzer“ nicht genügt, um Ernst Eckstein bleibenden Ruhm zuweissagen und ihm demgemäß ein Plätzchen in meinem Album —meiner Ruhmeshalle — zu gönnen.
(„Placet brevitas“,lautete seine Eintragung).
Eine größere Auslese unter den Schriftstellern der Gegenwartbot mir Koenigs Literaturgeschichte, die außerdem neben schönenPorträts auch faksimilierte Handschriften enthielt. Wenn ich doch