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Siebzehntes Kapitel.
später auch so wertvolle Autographen besitzen könnte, wie ich sie 1,11
hier staunend betrachtete! ^
Wie mache ich’s, daß ich sie bekomme? Diese Frage beschäftigte ^
mich, so oft ich im deutschen Unterricht — statt bei der Zerpflückung ö
des „Teil“ aufzupassen — in dem Bilderbuche, Literaturgeschichte ®
genannt, blätterte. . s®
Bei meinen vielfachen Wanderungen im In- und Auslande alsSchüler, Student und junger Lehrer führte ich mein Album immerim Ranzen bei mir; und wenn sich Gelegenheit zu einer persönlichen ®
Bekanntschaft gab, so nahm ich diese, wie einst als Tertianer, gern &
wahr. 1«
In Görlitz durfte ich mich ein Stündchen mit Gustav von in
Moser unterhalten; in Blasewitz bereitete mir Franz von Schön- m
than einen liebenswürdigen Empfang. Bei diesem Dichter moti- 4
vierte ich meinen Besuch mit dem Wunsche, ihm meinen Dank für G
eine mir brieflich erwiesene Freundlichkeit auszusprechen: er hatte 4
sich bereit erklärt, zu einem von mir geplanten — leider nicht er- a
schienenen — Kalender für Literatur- und Musikfreunde einen Bei- 1
trag zu spenden.
„Offen gestanden, ich kann mich an unsern diesbezüglichenBriefwechsel nicht mehr erinnern. Es kommen an mich so vieleAnfragen von Theaterdirektoren, von Schriftstellern, die mir ihreStücke zur Beurteilung einreichen, von Leuten, die mich um einAutograph ersuchen — “
„Was das anbetrifft,“ unterbrach ich den Dichter, indem ichmein Album schüchtern unter dem Rock hervorzog, „so möchte auchich mir erlauben, Sie um eine Eintragung zu bitten.“
Herzlich lachend nahm mir der Dichter — der nun den wahrenZweck meines Besuches ahnte —- das Buch aus der Hand, ging hin-auf in sein Arbeitszimmer, trug den auf Seite 567 abgedrucktenVierzeiler ein und überreichte mir als Andenken noch seine kleineAphorismensammlung „Kleine Münze“, gleichfalls mit einer freund-lichen Widmung.
Eine Wanderung durch das Egertal führte mich nach Karlsbad .Hier lernte ich Hermann Sudermann kennen, der damals (1894)