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574 Siebzehntes Kapitel.
bürger, dessen Kommerzienratstitel ich einen unfehlbaren Einflußzutraute, nahm sich der Sache an — Virchow ließ sich nicht impo-nieren! Da erinnerte ich mich eines früheren Mitschülers, der inBerlin das Handelswesen lernte. Obwohl ich von ihm seit seinemWeggange von der Schule nichts mehr gehört hatte, bat ich ihndennoch, in meinem Namen das Album zurückzuerbitten. In einemSchreiben, mit dem sich Fritz ausweisen sollte, bat ich Virchow,„dem Überbringer, meinem lieben Freunde Fritz Stenzei“, dasAlbum zur Rücksendung an mich zu übergeben. Dieser scheintmein Schreiben nicht gelesen zu haben, denn er schickte mit demBriefe den — Hausdiener seiner Firma, welcher — in dem Glauben,es handle sich um eine geschäftliche Angelegenheit — die sofortigeAushändigung des Buches verlangte:
„Ich hab Order, darauf zu warten.“
Virchow bestellte den Überbringer auf den nächsten Tag undübergab ihm das Buch, welches — statt einer Eintragung — einloses Blättchen mit dem Wehruf enthielt:
Bewahre mich Gott vor Autographensammlern!
Berlin , den 10. März 1892. Rudolf Virchow .
Meine Schulzeit ging zu Ende. Die arbeitsreichen Studenten-jahre begannen; und da ich mir vorgenommen hatte, möglichstschnell zum Ziele zu gelangen, und mich demgemäß weder durchliterarische Arbeit noch durch meine Sammelfreudigkeit ablenkenzu lassen, so fügte ich meinem Album kaum ein neues Blatt hinzu.Oder doch? Ja, ich wandte mich an Adolf Menzel — allerdingsohne Überreichung des Buches, dafür aber unter Vorlegung zweierZeugnisse über bestandene Halbjahrsprüfungen. Trotz meinerUnterschrift „Student der Philologie“ beehrte mich Menzel —im voraus! — sowohl auf dem Briefumschlag als auch im Textmit dem Doktortitel. Er schrieb:
Wer wie Herr Dr. W. für sein Vorhaben bereits eine solche Reihe Er-lauchter und Wuchtiger Namen aufzuweisen hat, ist der Einzeichnungmeiner privaten Persönlichkeit nicht benötigt. Mit einem Ersuchenmöchte ich allerdings diesen meinen ablehnenden Bescheid schließen: