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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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588 Siebzehntes Kapitel. Von der tumpheit zum zwifei.

enttäuscht, als ich zum ersten Male einer solchen beiwohnte! Dafand ich einen kleinen Kreis intellektuell und sozial hochstehenderMänner, die einander nicht aus Konkurrenzneid, sondern aus heißerSammelleidenschaft |überboten. Das Recht des Stärkeren — natür-lich des stärkeren Geldbeutels — geltend zu machen, konnte ichihnen nicht verdenken: ich an ihrer Stelle hätte genau so gekämpft,um mir den Besitz eines langersehnten Stückes zu sichern! Daserste Autograph, das ich ersteigerte, machte mir niemand streitig:es war ein Friedrich Wilhelm II., 1. s., Preis: 3 M. Freudestrahlendzog ich mit diesem Schatz ab — um ihn später wieder abzustoßen!

Seither decke ich meinen Autographenbedarf fast ausschließlichauf den Auktionen, die trotz aller Preissteigerung noch immer diebeste Gelegenheit zu günstigem Handschriftenerwerb bieten. DerAnkauf auch nur eines guten Stückes kann der Sammlung schonganz bedeutende Werte zuführen, und deshalb löst jede Auktionin dem bescheiden bemittelten Sammler — trotz aller mit ihr ver-bundenen Nervenanspannung — jedesmal ein Gefühl stolzerFreude aus.

Soll ich das Schatzkästlein öffnen? Die Öffentlichkeit (der Ver-steigerung) half es füllen, drum hätte sie ein Recht, seinen mir sowerten Inhalt kennen zu lernen. Raummangel verbietet mirseine Mitteilung. Sechs stattliche Bände in der auf S. 277 gekenn-zeichneten Aufmachung bergen in systematischer Anordnung einenköstlichen Schatz an Briefen, Gedichten und Prosablättem von derHand der ruhmvollsten Persönlichkeiten der Geschichte, Literaturund Kunst, eine Sammlung, zu deren Vollkommenheit ich nur nocheiniger weniger — eigenhändiger — Stücke ersten Ranges bedarf.

Wenn ich auf den durch mehr als dreieinhalb Jahrzehnte ge-schrittenen Weg als Sammler zurückschaue, beglückt mich dasBewußtsein: ich bin nicht nur „von der tumpheit zum zwifei“,d. h. vom erbetenen Albumblatt zum wertvollen Dokument längstversunkener Vergangenheit gewandert, ich habe vielmehr recht-zeitig das wahre Wesen einer Autographensammlung erkannt undmir daher — mit verhältnismäßig geringen Mitteln — ein kleinesMuseum handschriftlicher Schätze auferbaut.