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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Achtzehntes Kapitel.

damals ungefähr 12,50 Dollar wert und fand dennoch für 37 Dollar j®

einen Käufer. Ein N apoleon, der 29 Dollar erzielte, warL. Bona- Jo

parte unterzeichnet; er stammte nicht von dem großen Kaiser, nfo

sondern von seinem Bruder Lucien, und war demgemäß ungefähr ju

2,50 Dollar wert. Wenn der nämliche Katalog einen hochbezahlten ®

Talleyrand mit der Bemerkung versiehteigenhändige Briefedieses Staatsmannes sind selten, so entspricht dies nicht den Tat-Sachen. gia

Der Käufer zieht mit diesen überbezahlten Autographen freude- $

strahlend ab: die Blätter sind echt, er braucht sie; der Preis istseinen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend. J ahrelang ruhen $ E

sie in seinem Album bis er sie eines Tages veräußert. Da kommt g e

sein einstiger Irrtum zum Vorschein, denn der Händler bietet ihmeinen Preis, der zu der Einkaufssumme in keinem Verhältnis steht wenn er das Autograph überhaupt abnimmt! £ i

Einen weiteren Beweis für die Treffsicherheit der Amerikaner ' 4

in der Bewertung von Autographen liefert die Versteigerung des

handschriftlichen Nachlasses von George Washington (Dezember1890 in Philadelphia ).Leute, die reicher an Geld als an Ver-ständnis für den Wert der Autographen waren, steigerten dieAngebote zu einer für die damalige Zeit ungewöhnlichen Höhe. Einvier Seiten langer Brief des großen Generals und Staatsmannes, dermit 50100 Dollar ausreichend bezahlt gewesen wäre, stieg beischneller Steigerung auf 300 Dollar und fand für 310 Dollar einenKäufer. Benjamin stellt fest, daß jeder, der auf dieser Auktioneinen Brief von Washington ersteigerte, diesen viermal über seinenWert bezahlte: wenn 9000 Washington -Briefe bekannt sind, sobraucht kein Sammler einen Washington alsRarität zu be-zeichnen und als solche zu bezahlen.

Welches sind nun die Faktoren, die den Wert eines Autographenbestimmen? Zunächst die Mode.

Jede Generation hat einen bestimmten Geschmack, welcherihrer Erziehung und ihren Bestrebungen entspricht. Realismusund Naturalismus weckte die Sehnsucht nach der Traumwelt derRomantik. Die Dichter der Romantik waren wieder in aller