Vom Wert der Autographen.
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auf dem Markt — wer weiß, wie hoch es dann die Interessententreiben! Anfang 1920 blieb bei einer Versteigerung ein schönesHölty-Autograph (poeme a. s., 2 *^ S.) für 300 M. unverkauft.Dem einen dafür in Frage kommenden Interessenten war der Preiszu hoch. Ein paar Wochen später war er froh, daß es ihm derAntiquar für die doppelte Summe freihändig überließ! Er hat denAnkauf nicht bereut, denn kaum zwei Jahre später war dieserHölty auf das Fünffache des gezahlten Preises gestiegen.
Nach den amerikanischen Katalogen zu urteilen, scheint mandort den Wert europäischer Autographen im allgemeinen richtigzu beurteilen. Dennoch konnte man dort vor dem Weltkriege
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Abb. 102. Zwingli.
Handschriften von europäischen Berühmtheiten preiswert erwerben.Stücke, die 20 Dollar wert waren, erhielt man hier für 2 bis 50 Dollar.Wenn zwei reiche Sammler sich um das Autograph stritten, so ginges in die Höhe: manchmal hatte keiner von beiden eine Ahnungvon seinem tatsächlichen Wert, setzte aber bei seinem Mitbewerberirgendwelche Kenntnis vom Wert des zu ersteigernden Blattesvoraus. So erklären sich die fabelhaften Summen, welche euro-päische Autographen auf amerikanischen Märkten erzielen.
Wenn der Katalog Anderson (Januar 1913) den Alba, 1 . s.,als „außerordentlich selten“ kennzeichnet und dieser demgemäß20 Dollar erzielt, so ist das Autograph um das Doppelte zu hochbezahlt, denn Alba ist keineswegs selten: mit 10 Dollar wäre dasStück ausreichend bezahlt gewesen. Katharina von Medici war