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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Republick Venedig ergehen lassen, übel geredet; baß er mit demFra Paolo oder Paulo Sarpio correivondtret; daß er den Rö-mischen Hof bedrohet, wenn man fortfahren wurde, ihn wübel zu tractiren, wollte er einen schluß fallen, der sie gereuensollte - daß er mit den ketzern umqienge, und die Sacramentaverachtete; daß er aesagct, man könne in allen religionen seligwerden , wenn man nur fromm lebte. Er konnte aber <n nichtsüberwiefe» werden. Dannenhero, sogleich der Eardinal Mell-no dafür hielt, daß man ihn im gefängnis behalten sollte, wur-de er bemioch vo» den Inquiliwribus unter einer scharfen bedro-buna losgelajic» , ohne daß sie ein urtheil sprachen, ob er schul-dia oder unschuldig wäre. So bald er nun wiederum an sei-nem orte angekommen, verkaufte er das seinige, und brachteelne slimma gelbes von i;ooo. Reichs-thalern zusammen , da-von ihm sein diener den grösten theil entwandt, und gieng miteinem der vorerwehnten Edelleuthen nach Engelland , daielbstwurde er gar wohl angenommen, und verordnete ihm die En-gellandische kirche jährlich eine ansehnliche pension. Er thatauch ein öffentliches glaubens-bekanntnis in der kirche St. Pau-li zu Londen , in gegenwart des Königs und vielen vvlcks, undschrieb darauf unterschiedene briese nach Rom , um seine fluchtund qlaubens-verändcrung zu rechtfertigen. Der Papst im ge-qentheil schickte, auf anstiften des Cardinals Borghese, einen, nah-mens Muli, nach Engelland, um den de Dominis zu bereden,daß er wieder zu der Römischen kirche kehren mochte. Alleindieses war vergeblich, und schrieb er vielmehr unterschiedenebücher wider die Catholische kirche; dannenhero der Papst ihnin den bann that, und die Inquisition ihn verdammte, daß erlebendig sollte verbrannt werden. Indessen liessen seine gutefreunde zu Rom nicht nach, ferner an ihn zu schreiben, und ihnzu ermähnen » daß er wieder nach Rom kehren sollte, worun-ter sonderlich der Cardinal Ludovisio war. Da nun endlichderselbe unter dein nahmen Gregorii XV. Papst wurde, undman dem de Dominjs Hoffnung machte, daß er vardon erhal-ten könnte, zugleich auch der Spanische Ambassador an demEnglischen Hofe ihm scharf zusetzte, und über dem es ihm inEngelland nicht so wohl qienge, daß er nach seinem geld - undehr-geitze hätte können zufrieden seyn, entschloß er sich wiederumnach Rom zu kehren; dieses konnte er so verborgen nicht hal-ten , daß man es in Engelland nicht hätte mercken sollen, da-hero der berühmte Joseph Hall eine nachdrückliche epistel an ihnschrieb, die Colomesius unter andern episteln mit dem-Clemen-te Roman» p. 307. drucken lassen. Dem allen ohngeachtct,verließ er heimlich Engelland, gieng über Franckreich und Flan­ dern wieder in Italien , und stellte sich zu Rom an. 1622. ein.Allda muste er in der Peters-kirche einen strick um den hals ha-bend auf den knien busse thun , und wurde öffentlich losgebro-chen, jedoch mit auflegung allerhand harter und schwerer buß-übungen. Man giebt für, daß er nachgehends wieder auf sei-ne vorige meynung gekommen. Zum wenigsten ist gewiß, daßer an. 162,. unter Urdano VIII. von den Inquisitoren ins ge-fängnis geworffen, und verschiedene klagen wider ihn ringe,bracht worden , aus welchen man ihn endlich nach vielen be-rathschlagungen entweder zum ewigen gefängnis verdammen',oder bald gar verbrennen wollte, weil er sich zu keinem wider-ruf seiner schriften verstund , bald daraus endigte er sein lebenim gefängnlsse, und muthmasset man, daß er entweder mitgift, oder aus eine andere art sey umgebracht worden. Woraufsein leichnam an. 1624. den 21. dec. öffentlich zu Rom überdie gaffen gcschleppet, durch den henckec verbrannt, und dieasche in die Tiber geworffen wurde. Einige wollen, er sey mitgutem willen des Papsts Pauli V. der Hoffnung gehabt , 'En-gelland wieder mit der Römischen kirche zu vereinigen,'dahingegangen, und ihm erlaubt worden, seinen glauben eine zeit-lang zu verstellen ; er habe auch würcklich viele von den Engli­ schen Prälaten auf seine feite gebracht gehabt. Daß man mitihm aber hernach zu Rom so strenge gespielt, sey deswegen ge,schehen, weil er weiter gegangen, als ihm erlaubt gewesen.Sonst hat er sich mit seinen gelehrten schriften unter den Pro-tcstirenden einen grossen ruhin erworben , worunter sonderlichbekannt ist sein Merck de Republica Ecclesiastica contra Prima-tum Papa: ; so hat er auch des Petri Suavis Polani oder PauliSarpii historiam Concilii Tridentini , die er in dem manu-scripto vom authore bekommen, zuerst in Engelland druckenlassen. Uderdiß hat er selbst auch noch andere schriften verfer-tiget, und absonderlich in Philosophicis de Radiis Visus & Lu-La Bilancia politica de Öoccalini tom. III. Tbeatr.

cis.

Earop. tom. I. p. 711. seq. De Dominis ipse in consilio re-ditus fui ex Anglia , so zu Rom an. 162;. gedruckt ist; Jase-m, hilt eccl. P. III. lib. II. Cam i , in memor, eccl. fec. XVlI.

P 404- 413· & 421. seq. S38. seqq. Arnolds kctzer-historie,P. II. lib. XVII. c. 3. §. 26. Marviile , melanges dhistoire& de litterature , tom. I. p. 279. seqq. IEtat du siege deRotne, tom. I. p. 30.

Domitia Longina , eine lochtet des berühmten DomitiiCorbuloms, war wegen ihrer Unzucht bekannt. Als Domitia-nus zum Kayser war erklärt worden, ergab er sich allen lästern,und schändete viel weiber. Weil ihm nun die Domitia wohlanstund, so veranlaßte er sie, daß sie ihren ersten mann, AeliuinLamiam, verließ, welchem er hernach das leben nahm. Er be-hielt sie einige zeit bey sich als seine concubine, nachmals aberheurathete er sie öffentlich. Allein ohngeachtet, daß sie Kayserinwar, verliebte sie sich doch in einen comödiantrn, nahmens Pa,Histor. Ltxieon lll. Theil.

ris, dahero sie der Kayser von sich stieß; weil er aber nicht oh-ne sie leben konnte, nahm er sie, unter dem vorwande, baß dasvolck solches begehrte, bald darauf wieder. Man sagt, daß,weil diese Dame dem wilden Humor ihres gemahls nicht vielzugetrauet, sie gelegenheit gesucht, sich seiner loS zu machen, unddaher mit in die confpiration eingcwilliget habe, welche ihn dasleben gekostet. Man argwohnte auch, als wenn Titus, der bru-der Domitiani, mit ihr hätte zu thun gehabt, allein sie rechtfer.tigke sich mit einem eyde. Auf den geschicht-schreiber Iosephumhielt sie sehr viel, und unterließ nicht ihm viel gutes zu thun. Sut-to- iw , in Domitiano & Titio. Aurel, Vifbor, in epitome Impe-rat. XipbiUnm , in Vespas. Josephen, de vita sua. Bayle.

Domitianus, war des Kaysers Vespasiani söhn, der letztevon den 12. Cadaribus, und soll, wie ihrer viel dafür hal-ten, seinem bruder Tito vergeben haben, um zu der Kayscrli«chen Crone zu gelangen, welches den 1;. sept. A. C. 81. gesche-hen. Zu ansang seiner regierung machte er gute gesetzt, brach,te viel angefangene gebäude vollends zum stände, und richtetewiederum die im fener ausgegangene bibliothecken an; alleinhernach wurde er so grausam und gottlos, daß er viel anjehn,liehe leuthe hinrichtete, die andere verfolqung wider die Christenerregte, seine eigene bluts-verwandten schändete, an der sodomi»terey lust hatte, sich einen Gott und Herrscher nennen ließ, undohne zweifel noch viel ärgere dinge wurde gethan haben, wenner nicht von Stephans, einem freygelassenen, wäre ermordetworden. Zum krieg hat er nie nichts getauget, und doch dörsenüber die Teutschen triumphiren, da er in der that nie mit ih.nen gefochten, und blos das Hertz gehabt hatte, wenige tage jen.seit Rheins sich aufzuhalten. Er mißgönnte auch den tapfer-sten Generalen die ehre etwas rühmliches wider die feinde deSReichs zu verrichten; wie wir dessen an Iulio Agricola des Cor-nclii Taciti schwäher ein erempel haben. Suetonius erzehlet,daß er des tages zuvor, ehe er umkommen, eine gewisse fruchtbis auf den folgenden tag habe aufheben lassen, und gesagt, wennich änderst noch werde vermögend seyn es zu esse»; desglei-chen auch, daß er unter andern zu denjenigen, so um ihn gewe-sen, gesagt, baß der nächst-folgende tag in dem zeichen des waftsermanns blutig seyn, und an demseldigen etwas vorgehen wür-de, wovon man in der gantzen >velt würde zu sagen wissen.Daraus schliessen die Chronolog: , daß er noch 2. jähr eher ge-storben, als Baronius haben will, nemlich im jähr Christi 96.Gleich um selbige zeit, da bemeldte Mordthat geschahe, hieltder berühmte Apollonius Tyaneus zu Epheso zum volck einerede, unter welcher er unversehens 2. oder 3. schritte zurücketrat, mit einem fürchterlichen gesichte die erde ansähe, und da-bey schrye; schlagt den tyrannen, schlagt den tyrannen ! Die,ses soll, wie man erzehlet, eben um dieselbe stunde geschehenseyn, da der Kayser getödtet worden. Zu ansang seiner regie-rung hatte er die gewohnheit an sich, daß er sich oft gantz al,lein in sein cabinct begab, darinnen fliegen fieng, und selbigemit einer nadcl durchstäche, daher Vibins CrispnS, als er ge-fragt wurde, wer bey dem Kayser wäre, sagte: nicht einmal einefliege. Im übrigen war Domitianus seiner gestalt nach ein schö-ner wohl-gebildeter mann, und hatte ein ehrbares gesicht, be-kam aber noch in seinen gantz jungen jähren eine platte, wor-über er sich sehr kränckte, so, daß er sich auch auf den Medail-len und müntzen nicht also abmahlen ließ. Tad:. in annal. hist.& vita Jul. Agric. Sueton . Aure/. V:ffor, de Caesar. Eutrop.lib. VII. Xipbi in, Philoßrat. vita Apoll. lib. ViII. Petac.lib. XI. rat. temp. c. 19. Riccioli chronol. reform. Baron. *

* Domitianus , (Lucius Domitius) Kayser, oder vielmehreiner der Tyrannen , welcher sich zu des Kaysers Aurelianizeilen auf den Kayserlichen thron soll geschwungen haben.Seine Medaillen aber, welche Diocletiani müntzen und denen,die ihm nachgefolget haben, gaich gleichförmig sind, zeigen,daß er viel später gelebet habe. Man weiß wenig oder nichtsvon ihm, als daß er den titul eines Imperatoris zu Alexandria bekommen, weswegen man gemeiniglich darfür hält, Maxi-minus habe das Kayserthum ober vielmehr die Kayserliche ge-malt mit ihm getheilet, dieweil dieses der einzige Printz ist,dessen die geschicht - schreiber selbiger zeit fast nicht gebencken,als in so ferne sie ihn seiner grausamkeit wegen kennbarmachen, da sie doch von den andern ziemlich weitläufige er«zehlunqen machen. Wäre es aber, baß er vor Maximino gestor-ben , so ist es sich auch nicht zu verwundern, baß sie seiner kei-ne Meldung gethan haben.

Domitilla , mit Vorsehung des geschlechts-nahmens Flavia Domitilla des Flavii Clementis schwester tochter, so daß dieseihre mutter sowol als Flavius Clemens selbsten mit dem Kay-ser Domitiano geschwisterte linder waren. Sie hatte sowolals ihr oncle Flavius Clemens die Christliche religion ange-nommen , wiewol Dio Caßins nach der gemeinen gewohnheitder alten Heyden die ersten Christen mit den Iüden zu vermi-schen, sie zur Jüdin machen will. Wie Flavius Clemens ausder ursach im jähr Christi 96. von Domitiano getödtet ward,wurde sie neben mehrern andern in die insul Pontia auf derküste des Tvrrhenischen m eers verwiesen. Es ist mcrckwürdig,daß dieser Wüterich und Verfolger noch vor ende des jahrs vondieser Domitillä vornehmsten bedienten oder vermalter nah-mens Stephans, der aber in seine dienste Übergängen war, istermordet worden. Diese ward hernach in der Verfolgung Tra-jani aus Pontia an. 102. nach Terracina gebracht, und nach.

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