Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

e t l

cavitulation nicht vergleichen konnte, unterbliebe. Daraufwohnte er an. 1623. den feldzügen in Liefland und Lilthauen alsKmeral-Quartiermeister bey/ reiste aber das folgende jähr, wieaern ihn auch der König in feinem dienst behalten hatte, wiedernoch haus, da er aussert der ordnung sogleich in den grossen, unddas jähr darauf in den kleinen Rath gezogen wurde, und sich mitMargaretha von Erlach, seiner verwandtin , vermahlte; alser da gegen ;. iahr verblieben, perfuadirte ihn der FranzösischeMarschalt de Bassompierre an. 1630. bey seiner zweyten Am-bassade in die Schweitz , für seinen König ein regiment von,000. mann aufzurichten , und solches in Piemont zu führen;er wohnte damit dem entsatz von Casal bey, und legte grosse ehreein, hatte aber beyneben das unglück, daß der meiste theil seinertrouppen durch eine einreihende kranckheit dahin fiele, und derÜberrest abqedancket wurde; als man sich hierüber mit ihm inaccord einliesse, und seinen schaden in etwas zu ersetzen suchte,ließ er, nach dem zeugius des Marschalls de Bassompierre ,eine aantz sonderbare großmuth von sich hervor blicken; aberwie ihm hernach der Schatzmeister Emeri auch von der ver-glichenen stimme 4000. thaler abbrach, faßte er billich einenWiderwillen gegen solche schlimme Manieren der Französischen Financiers, und schlüge deswegen hernach zu mehrmalen diedienste sclbiaes Hofs aus. Kaum war er wieder nach haus ge-kommen , st suchte ihn der grosse Schwedische Held, GustavusAbolphus, der damals init seiner armee bis in das obere Teutsch-land gerücket, unter herrlichen promessen in seine dienste zuziehen; allein ob er sich schon dem Hertzog Bernhard, der miteinem absonderlichen corpo einen zug in das Algöw vorhatte, zu-geben ließ, und bey demselben in so kurtzer zeit nicht wenig nutzenschaffte, so richtete er doch seine gedancken hauptsächlich in seinvatterland , das bey damaligen zeiten kriegs-erfahrene Män-ner selbsten zu gebrauchen wußte; wie er dann in der thatan. i6h· von den Evangelischen Cantons in wichtigen affairenals Gesandter nach Paris verschicket, und an. 1636. mit 2000.mann an die grentzm gelegt wurde, als die Kayserliche instarcker anzahl in der nähe postirt waren. Seine grösten dien-sie, wodurch er sich das gemeine Evangelische wesen in Teutsch-land verbunden, war der kluge rath, so er Hertzog Bern-hard, (so damals in dem Bißthum Basel sein quartier hatte,und von vroviant-mangel sehr gedruckt wurde) gegeben, sichdes Frickthals und der 4. waldstädten meister zu machen; erlegte auch würcklich mit ihm die Hand an das werck, wurdezwar in dem ersten treffen bey Rheinfelden gefangen , aberdurch den folgenden sieg, als Rheinfelden sich ergeben muste,wieder befreyet. Nach diesen wohnte er allen kriegs-verrichtun-aen, als der erste General nach dem Hertzog , bey, ließ auchseine bravour bey der harten belagerung Brisachs so mercklichsehen, daß er nach geschehener Übergabe dieser wichtigen vestung,zu belohnung seiner Verdienste nicht nur zu dero Commendan-ten, sondern auch zu einem Gouverneur des gantzen erobertenlandes, und obersten Befehlshaber über alle bishero durchsBrißgau, Elsaß , Frickthal und Franche-Comte besetzte örter,gcktzek wurde; auch ernennte ihn der Hertzog bey fernem dasjähr darauf erfolgten tobe zum ersten Generalen seiner gantzenarmer, welches ober-commando ihm auch Ehm, Rosen undWilhelm Otto, Graf von Nassau, (so die3. übrige fürnehmsteGenerals waren,) ohne einige widerred überliessen. Als nachge-hends mit Franckreich ein vergleich getroffen wurde, und man dieKöderte platze solchem abtrat, auch das meiste volck in dessendienste gieng, ward Erlach in seinem Gouvernement bestätiget;K begnügte sich aber mit dieser einzigen, wiewol wichtigen, sorgenicht, sondern bemühest sich noch in andern Verrichtungen; sohalf er an. 1642. Hohen-Twiel entsetzen, an. 164;. und 1646.Etollhofen, Kuppenheim und das schloß Wildensteinerobern.An.1648. machte ihn der König zu seinem General-Lieutenant,inwelcher qualität er zu dem wichtigen sieg bey Lens viel beytrüge.Am besten hat er dem König das folgende jähr gedienet, da erdie armee am Rhein , so sich für das Pariser-Parlement gegenden Hof erklären wollte, durch seinen credit , beneben demvon Herwart mitgebrachten geld, also zu besänftigen wußte,da« fast alles dem König treu verblieb, Turenne aber, ihr Ge-neral , der sie anstiftete , mit wenigen die flucht nehmenmuste. Je mehr, bey diesem allen dieses manns rühm sichvergrößerte, je näher war er dem tode, und zog ihm sonderlichm letztere bemühung und eingenommene Verdruß eine auszeh-rung zu, woran er den 26. jan. an. 16;0. seinen edlen geist auf-gab, da er kurtz vorher von dem Könige zu seinem ersten Flenipo.tenüauo auf die zu Nürnberg angestellte friedens - tractaten«nennet worden. Er hinterließ drey töchter, welche an dieHerren von Doringenberg, Stein und Taupadel verehelichetworden. *

* Erlach, (Rudolph von) der stadt Bern bürger und Kriegs-vverster, hat sich um dieses sein vatterland sonderbar verdientgemacht. Als Rudolph Graf von Nydaw neben vielen vorneh-D0 Ü! Adel aus den umliegenden Teutschen und WelschenMden Bern mit krieg anzugreissen gedachte, hielte sich dieser7$' w auch in der that ein lehrn vom Grasen trüge, eben«n dejjen Hof auf , und gab selbigem freymüthig zu verste-«nk ,!? e L seine meisten güther um die stadt Bern gelegen,

" : et Husten gefahr unterworffen wären , könnte er sichm mnen bleusten nicht änderst verstehen, als wann ihm dervraf wegen ersetzung des erwartenden schadeus wollte sicherheit

e r l

319

geben. Dieser aber nahm es gar zu hoch auf, und bedeutetejenem mit trotz; er mochte dann zu seinen Bernern ziehen,ihm wäre nicht noth um einen mann ; worauf Erlach ant-wortete : der Graf wurde ihn einen mann finden,oder nach andern: er wollte zeigen, daß er noch wohlfür mehr als einen mann zu rechnen sey. So bald ernach Bern kam, wurde er von der sämtlichen gemeinde zumObersten erwehlet, da er alsobald die kriegs-zucht wohl einrich-tete. Und anstatt vorhero die handwercker, wann sie auch imkrieg-und feldzug in etwas gefehlet, sich von nstmand anders,als ihren zünften, wollten rechtfertigen und strafen lassen ; soward durch ihn eine neue, in der that sehr nöthige, einrtchtungveranlasset, nach welcher dem Kriegs-Obersten im selb überseine unterhabende mannschafft eine vollkommene gemalt zuge-standen wurde. Ohngeachtet nun Bern von Ury, Schweitz ,Unterwalden, Solotyurn , auch dem Siebenthal und landvon Haßle ziemliche hüls empfangen, mochten sie dennoch inallem nicht mehr als 3000. mann ausmachen. Woraus sichim vorbeygang einerseits der merckliche unterscheid der dama-lig-und heutigen macht dieses ansehnlichen Standes hervorthut; wie im gegentheil desselben rühm schon in diesem alten,und für ihn, so »u reden, ersten zeiten dadurch nicht wenigvermehret wird, daß solcher auch mit einer so geringen anzahlvolcks dennoch solche thaten , wie jetzo zu erschien ist, unterihrem preiswürdigen anführer verrichtet hat. Erlach zog dannmit dem gemeldten kleinen Haussen den feinden, welche über30000. mann, darunter sonderlich eine starcke reuterey, bey-sammen halten, und das städtlein Laupen hart belagerten, ohn-erschrocken unter äugen , richtete auch seine schlacht-ordnung sowohl ein, daß ihn dieselbe ohngeachtet ihrer menge und gros-sen anzahl reysigen dennoch nicht umringen konnten; schlü-ge hierauf den gegen ihm stehenden flügel in die flucht, befassesich aber dabey so wohl, daß er ,, ohne die fliehende lang zu ver-folgen , schleunig dem andern flügel, auf welchem die Eydge»nossen stunden, und mit dem Adel und reuterey der feindeeinen harten gang hatten, zu hülffe kam; da er dann den feindvon der feiten angreiffend, selbigen in kurtzcm mit grossem nie-dermetzeln ebenfalls zertrennte. Diese schlacht, wodurch zuder folgends so sehr angewachsenen macht des Standes Berngleichsam der gründ geleget ward, kostete selbigen nicht mehrals 122. mann; da hingegen Verfeind über 4;00. und darun-ter 80. gecrbnte Helme, verschiedene Grafen, vornemlich dievon Nydaw, Savoyen und Äalendis, auch 27. panner samtallem lager verlohren. Bald hernach lockte Erlach die vonFreyburg, welche sich in selbigem kriege insonderheit feindseligwider Bern erzeiget, hatten, nächst bey der ersten stadt in einenHinterhalt am Schönenberg, da deren aufdie 700. erschlagenwurden. Nicht weniger Vortheil erlangte er auf andern feitengegen dem Adel und die Grafen; deren städte, schlösser und ve-stungen meist erobert, und zum theil geschleift oder verbranntwurden, welches letztere auch der Vorstadt zu Freyburg , Gat-ter genannt, widerführe. Der friede ward erst an. 1344. mitgrösser ehre des Standes Bern geschlossen: wobey merckwürdig,daß solcher durch diesen von Erlach , odschon bis dahin derBerner Feld - Obersten, dennoch , weil er zugleich der jungenGrafen von Nydaw Rudolph und Jacobs, des vor Laupen er-schlagenen Grafen söhnen, vormund ernennet war, auch aufder gegenseite vermittelt und geschlossen worden; zu einem klarenkennzeichen der ungemeinen Hochachtung , welche freunde undfeinde für dieses manns lügend und redlichkeit hatten. Nach-dem er letztlich auf ein ziemliches alter gekommen, ward er an.1360. von seinem eigenen tochtermann, einem von Rudentz ausdem Unterwaldner-land, der mit ihm in einigen streit gerathen,auf seinem schloß Reichenbach meuchelmörderischer weise ent-leibet , Massen Rudentz die zeit, da jener gantz alleine, und diebedienten auf dem selbe waren, in acht genommen, sich heimlichin das schloß geschlichen, und, wie es nachmals der blutige au-genschein gezeiget, mit dieses alten Herrn eigenem schlacht-schwerdt, lo gemeiniglich vor dessen zimmer hängete, die Mord-that verrichtet, wornach er eiligst, und in ermanglung andererrächern, gleichwol von den Hunden seines entleibten schwähersheftig verfolget, die flucht ergriffen, auch folgends gäntzlich ver-stvben und verschollen ist; so daß keine weitere Nachricht von ihmzu erhalten gewesen. Manuscripta.

* Erlach, eine ansehnliche Herrschafft in Ober-Oesterreich indem Hausruck-Viertel , giebst einenr^nichl sonderlich grossen

liiuuiH 1,1 «111 au;iu;»iui;n. iLykiiimv i;ui II c ocn rprafen vonSchaumberg zugehöret, und ist nach deren abaang durch kaufan die Herren Iörger gekommen. Wolfgang Iörger besaß siean. - ;8l. und dessen söhn, Helmhard Iörger, an. 1630. wor-auf sie mit des letztem tochter und erbin , Maria Elisabeth ,an Davidem, Grafen von Weissenwolss, gediehen, und beydessen nachkommen geblieben, von Hoheneck-, beschr. vonOder-Oester. tom. II p. 784·

Erlang, ist eine feine stadt an der Rednitz , zum Nürn-bergischen'Burggrafthum oberhalb gedürges gehörig. Wegendes guten lagers hat Marggraf Christian Ernst vor die refu-girte Franzoftn eine neue stadt aufbauen lassen ; und zu ansangdes VIII. soculi hat allhier ein Gelehrter vom Adel, ChristophAdam Groß von Trockau , von seinen güthern eine Ritter-

D d 4 Academie