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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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treffen bey Staffarda vor, worinnen er verwundet wurde.Nicht lange hernach stellten sich die Teutschen hülfs-volcker ein,mit welchen er eine starcke Französische vartey bey Marsagliaübel zurichtete, und im Montferrat die winter-quartiere be-zog. Au. 1691. übernahm er die stelle eines Commendantentn Turin , welches die Franzosen zu belagern drvheten, ent-setzte die stadt Coni, siel dem feinde, da derselbe in den Po* gieng , in die arriere-garde, und machte ihm einige escadrvnszu schänden. Jmmitlelst langten bey 12000. mann Kayserli-ehe hükfs-völcker, unter dem Churfürsten von Bayern an,, mitwelchem er gegen das feindliche lager bey Carignan anrückte,und sich so weit wagte, daß der Marggraf von Mortara an sei-ner feite erschossen wurde. Hierauf muste er den 12. sept. diestadt Carmagnola mit 1500. pferden berennen, welche er den8. oct. mit accord eroberte, nachdem man den ;i. sept. dielauftgräben davor cröfnet hatte. An. 1692. führte er bey demeinbruch in Dauphin-, den der Hcrtzog von Savoyen unter-nahm , die avant-garde, und machte sich von Guillestre, Am-brun und Gap meister, wurde aber bey Ambrun in die schütterverwundet. Nicht lange hernach überkam er von dem besag-ten Hertzoge, wegen einer ihm zugeflossenen kranckheit, das völ-lige commando, da er denn das gantze land in contributionsetzte, und sich wiedrum zurück zog. Nach beendigtem feld-zuge überreichte er zu Wien , im nahmen des Königs von Spa­ nien , dem Printzen Louis von Baden den orden des güldenenVliesses, den er kurtz zuvor selbst erhalten hatte. An. 169;.wurde er zum Kayserlichen General-Feld-Marschall erkläret,und commandirte den oct. in der schlackst bey Marsaglia dascorx>8 de bataille , muste aber, nach einer fast ungläublichen ge-genwehr, der feindlichen menge weichen. An. 1694. führte erdas obcr-commando über die Kayserlichen hülfs-völcker, wur-de aber durch den Hertzog von Savoyen, dem der König vonFranckreich neue friedens-vorschläge gethan, verhindert, etwaswichtiges zu unternehmen. An. 169;. gieng es ihm nicht bes-ser : denn ob man sich gleich der wichtigen vestung Casal be-mächtigte , so brach doch bald hernach das heimliche Verständ-nis zwischen den Franzosen und Savoyern völlig aus, indemder Hertzog den bisher gekünstelten frieden im jul. an. 1696.kund machte, und so gar das commando der Französischen ar-mer auf sich nahm. Jmmitlelst bezeigte der Kayser auf viel-fältige weise, wie vollkommen er mit Eugenii aufführung zu-frieden sey, und vertrauet ihm an. 1697. das haupl-comman-do der armee in Ungarn , mit welcher er den n. sept. beyZenta die Türcken dergestalt schlug, daß sie mehr als zoooo.mann und ihr gantzes lager einbüßten. Hierauf brach er mitetlichen iooo. mann in Bosnien ein, und kehrte von dar mitvieler beute wieder nach Ungarn . An. 1698. rückte er bis un-ter Peter-Waradein, konnte aber die feinde aus ihrem wohlver-schantzten lager nicht heraus locken, worüber im oct. ein still-stand "der Waffen, und an. 1699. den 26. jan. der Carlowitzi-schc friede zu stände kam. Er konnte aber der ruhe nicht langegemessen, sondern muste an. 1701. das commando über diearmee, welche der Kayser nach Italien schickte, über sich neh-men. Dieselbe führte er, weil ihm der Marschall von Ca-tinat die andern wege verleget hatte, mit unbeschreiblicher ar-beit über die Alpen , warf den General-Lieutenant St. Fremontbey Carpi über» Haussen, und schlug sein lager bey Chiari auf,woselbst ihn der neu-angekommene Marschall von Villeroi den1. stpt.-anqriff, aber dabey sehr zu kurtz kam. An. 1702. deni. febr. überrumpelte er nicht nur Cremona , und führte denletztbesagten Marschall gefangen daraus weg , sondern behau-ptete auch den 1;. aug. in der schlacht bey Luzzara wider denKönig Philippum V. und den Hertzog von Vendome die wahl-statt. An. 170;. wurde er von dem Kayser zum Hof-Kriegs-Raths-Präsidcnt ernennet, und blieb das gantze jähr hindurchin Wien , ausser daß er eine reife nach Preßburg that, tn Hoff-nung, die nlißvergnugten Ungarn auf andere gedancken zu brin-gen. An. 1704- begab er sich abermals nach Ungarn , undvon dar ins Reich, allwo er sich bey Donauwerth mit dem Hcr-tzoge von Marlborough conjungirte, und am 1;. aug. den be-rühmten sieg bey Hochstädt befechten half, worauf er die be-lagerung von Lanbau bedeckte, und auf seinem rückwege nachWien in Bayern alles beruhigte. An. 1705. übernahm erwiedrum das commando in Italien , und griff am 16. aug.den Groß-Prior von Vendome in einem vortheilhafften lagerbey Cassano im Mayländischen an, da er zwar dem feinde vielvolcks zu schänden machte, sich aber doch wieder zurück zog,zumal da er am halse dergestalt verwundet wurde, daß er sichbey noch währendem gefechte hinweg tragen lassen muste. An.1706. legte er zu Wien als Kayserlicher würcklicher geheimerRath, worzu ihn der an. 1705. verstorbene Kayser,Leopoldusernennet hatte, den gewöhnlichen eyd ab, und verfügte sich imapr. wieder nach Italien , allwo er am 7. sept. Turin glücklichentsetzte, und das gantze feindliche lager eroberte. Solchergestalt vertrieb er nicht nur die Franzosen völlig aus Piemont,sondern brachte auch fast alles, was im Mayländischen und der.Lombardey haltbar war, unter den fuß. An. 1707. hatte erdie ehre, daß er an statt des verblichenen Louis von Baden zumKayserlichen General-Lieutenant, und zum General-Fcld-Mar-schall des H. Römischen Reichs, wie auch zum General-Gou-verneur des Hertzogthums Mayland erhoben wurde. Hierauftrieb er die Franzosen so in die enge, daß sie, krafft einer deni). mertz geschlossenen capitulation, den 1. apr. die gantze Lom-

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bardie räumten, welchen er so dann auf dem fuflc nachfokte.und in Provence die beyden stadte, Grace und Vence , einnadm.vor Toulon aber im atta. ,inn?rri-l,«vt-* siw*» J

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un aug. unverrichteter fache abziehen mu.. jedoch riß er auf dem rückwege dem feinde die bestundSusa aus den Händen. An. 1708. zog er ckne armee an twMosel zusammen, brach aber, ehe man sichs verfahe, nach Bra-bant auf, und gieng mit einem kuraßier- und Husaren-reaimentvoraus, mit welchen er am 7. jul. in dem lager des Herboasvon, Marlborough ankam, und nebst demselben am io. ,ul Mberühmten sieg bey Oudenarde befochte. Nachdem hierauf sei-ne trouppen völlig angelanget, unternahm er den ir. aua diebelagerung der haupt-vestung Ryssel, und setzte ihr dermassenzu, daß sich die stadt den 2;. oct., die citadelle aber den 8. dec.mit accord ergeben muste. Vor diesem orte bekam er am r-sept. bey bestürmung der tenaille einen schramm-schuß an demvorder« theile des Haupts , und gieng noch vor Übergabe dercitadelle, nebst dem Hertzoge von Marlborough, aufdenChur.fursten von Bayern , welcher Brüssel belagerte, los, deraber nicht stand hielt, sondern sich eiligst zurücke zog. An.1709. den 28. may unterschrieb er, als Kayserlicher'Geröll,mächtigter, die von den Alliirten entworffene sriedens-prälimi.narien, und als Ludovicus XIV. sich dazu nicht verstehen woll-te , rückte er mit dem Hertzoge von Marlborough ins fckd, dadenn Tournay den ,. sept. erobert, die Französische armee,unter den Marschallen von Boufflers und Billars, den n. sept.bey Malplaquet aus einem dreyfach verschantzten lager her.aus geschlagen, und Mons den 20. oct. eingenommen wurde.An. 1710. den 12. mertz kam er über Berlin wiedrum imHaag an, und erofnete nebst dem mehrgemeldten Hertzoge vonMarlborough den feldzug sehr frühzeitig, inmassen man des2i. apr. die Französische linien ohne Verlust einesmannes über.stieg, und hernach Douay, Belhune, St. Venant und Aire,wiewol nach harter gegemvehr, einnahm. An. 1711. den 16.apr. brach er von Wen nach den Niederlanden auf, und un.terredete sich am 12. may zu Tournay mit dem Hertzoge vonMarlborough; allein der tod des Kaysers Iosevhi, so den 17.apr. erfolget, verursachte in den gefaßten entschliessungen undübrigen umstanden eine plötzliche anderung: denn er muste dascommando im Reiche auf sich nehmen, und auf die Franz»,sen ein wachsames äuge haben , daß sie der Kayfer-wahl keineHindernis in den weg legen konnten. Nachdem dieselbe den >r.oct. glücklich vor sich gegangen, wartete er dem neuen KayserCarolo VI. am 2;. nov. zu Inspruck auf, und reisete von darnach dem Haag, um die General -Staaten zu eifriger forste*tzung des krieges zu bewegen. Von dar begab er sich an. 1712.im ian. nach Londen , und bekam von der Königin Anna dieerklärung, daß sie zwar noch ferner an der alliantz vcste halten,aber das commando dem Hertzoge von Ormond anvertrauenwollte. Es kam auch derselbe den 6. may bey der armee inFlandern an, und billigte den entschluß, dem feinde bey Ar.ras oder Cambray eine schlacht zu liefern, und so dann in dasHertz von Franckreich einzudringen. Als nian nun zu dem endeüber die Scheide gesetzct, und zu einem treffen anstatt machte,erklärte sich jener am 28. may, daß er neuen befehl bckommen,sich nur defensive zu halten. Dessen ungeachtet belagerte Eu«genius den 8 . jun. Quesnoy, und machte sich den 4. jul. da-von meister, vor Landrecl aber muste er den 1. aug. abzie-hen , weil der Graf von Albermarle den 24. jul. bey Dcnaingäntzlich geschlagen worden. An. 171;. führte er das comman-do ain Ober-Rhein, weil der Kayser von dem frieden, den manzu Utrecht den n. apr. geschlossen, nichts hören wollte; musteaber geschehen lassen, daß die feinde Landau und Freyburg weg-nahmen. Kurtz hierauf trat er mit dem Marschalle von Vil-lars zu Rastadt in Unterhandlung, und brachte daselbst den 7.mertz an. 1714. einen frieden zu stände, welcher den 7. sept.zu Baden in der Schweitz bestätiget wurde. An. 1716. wurdeer zum Statthalter in den Oesterreichischen Niederlanden er-nennet , muste aber noch in demselbigen jähr abermals widerdie Türcken zu selbe gehen, welche er den 5. aug. bey Peter-Waradein dergestalt schlug, daß ste das gantze lager im sticheliessen, und den 1;. oct. die vestung Temeswar mit accord zuübergeben gezwungen wurden. An. 1717. den 17. aug. mustesich auch die haupt-vestung Belgrad an ihn ergeben, nachdemer den tag vorher über die ungläubigen einen vollkommenensieg befochten, und ihr gantzes lager erbeutet hatte. An.,l7'8.fand er sich zwar wieder bey der armee ein, allein die Lurcrenbezeigten weiter keine tust zum fechten, sondern waren troy,daß sie durch Engelländische und Holländische Vermittelung n.nen frieden erlangten, welcher den 21. jun. zu Passarowltz zurrichtigkeit kam. Von dieser zeit an hielt er sich melstentheiwzu Wien aus, und hatte an allen Staats-knegs-und friedens.Handlungenden grösten antheil. An. 172;. begleitete er denKayser nach Prag , als sich derselbe nebst seiner gemahlm da-selbst zum Könige in Böhmen cröncn ließ. An. 1724. M "die Statthalterschafft der Oesterreichijchen Niederlande , welcheer bishero durch den Marquis de Prie verwalten lassen, aut eund wurde dagegen den rg. nov. von denr Kayser zum GenerVicario in allen seinen Königreichen, Staaten und Landen«Italien verordnet. An. 17;-. that er abermals mit dem Kay-sir e,ne reise nach Praa , und genoß von dem daselbst anwclen.den Könige in Preussen gantz bindere ehre. Als hie tdie Franzosen , aus anlas der Polnischen Komgs-wahl ,· an. . 71 ?zu ansang des oct. über den Rhein gegangen, muste er ^