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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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unb sich mit der belagerung von Pavia aufhielt, auch noch da-zu seine armee durch unterschiedene absonderlich davon ausge-schickte kricgs-heere schwächte, geschahe es, daß den 24. fedr.an. ^25. seine armee vor Pavia von den Kayserlichen wegge-schlagen lind er selbst, nachdem er heldenmüthig gefochten, auchunterschiedene wunden empfangen hatte, gefangen ward. Erwar selbst einiger Massen schuld an dem vertust dieses treffens,indem er aus Übereilung, als er den zuerst auf ihn gefallenenftind zu weichen gezwungen, ihm hernach so heftig nachgesetzt,daß er sich so gar zwischen denselben und sein eigen geschützestellte; wodurch dann dieses für ihn unbrauchbar ward , wel-ches ihm sonsten nach dem urtheil der Kayserlichen Generalendie schlacht allein hätte gewinnen können. Durch eben diese un-lückliche Niederlage und gefangennchmung des Königs wurdenie Franzosen, welche noch hin und wieder mannschafft inItalien hatten , auf einmal genöthigt!, selbiges land zu ver-lassen. Der König ward erstlich auf dem schlösse Pizzighitonegefangen gehalten, und hernach um mehrerer sicherheit willennach Spanien geführt, da indessen seine mutter sich der Fran­ zösischen regierung annahm. In dieser gefangenschafft fielFranciscus in eine schwere kranckheit, weil er harter gehaltenward als er vermuthet; erholte sich aber wieder, theils durchdes Kaysers, theils durch seiner schwester, der Hertzogin vonAlencon , Zuspruch. Hieraufgieng er an. 1526., um seine frey-heit zu erlangen, einen harten frieden ein , darinnen er allenansprüchen, um welche er mit dem Kayser streitig war, absag-te, dem Kayser alle lehns-pflicht, wegen einiger Niederländi­ schen provintzen erließ , das Hertzogthum Burgund wieder zugeben, und des Kaysers schwester, die verwittibtc Königin inPortugall, zu ehlichen versprach, wie denn das Verlöbnis mitderselben noch in Spanien geschahe. Er ward also im martiv sel-biges jahrs auf freyen fuß gestellt,mustcn aber seine beyden jüng-sten Printzen als geisseln in des Kaysers Hände stellen. So bald«aber in seinem Reiche angelangt war, gab er deutlich zu er-kennen , baß er den frieden sonderlich in dem Puncte die abtre-tung von Burgund betreffend, zu halten nicht gesonnen sey,entschuldigte sich mit dem Widerspruch seiner Stände, erbot sichdavor zu einer summe gelbes, und machte indessen mit demPapst, den Venenanern und Schwerern zu vertrelbnng derKayserlichen aus Italien , ein bündnis. Mit Engelland aberhatte sich die Regentin vorher schon gesetzt. Als es nach diesem'zu schimpflichen Worten zwischen diesen beyden Fürsten gekom-men , und sonderlich Carolus bey mehrerern gelegenheiten, undnahmentlich zu Rom in beyseyn des Papsts, vieler Cardi-näle und zweyer Französisch -allda anwesender Gesandten mitdeutlichen Worten gemeldet: Franciscus hätte ihm die gegebeneparole nicht gehalten ; forderte dieser Carolum durch einenHerolden deswegen zu dem kämpf aus, welcher auch die besche-hene forderung annahm, und die bekannte Fasanen-insul darzubestimmte; wicwol die fach hernach nicht für sich gieng, undjedes theil die schuld des Verzugs auf das andere schieben wollte.Was das Italiänische bündms bctrift , schickte der König zwarfünftausend mann zu der Alliirten armee, es ward aber nichtsausgerichtet, und der König, der den Jtaliänern nicht vieltraute, begehrte sich auch nicht stärcker anzugreiffen. Hinge-gen bekam er bald gelegenheit mit dem Könige in Engelland,den Venetianern und Florentinern zu befreyung des belagertenPapsts ein neues bündnis zu machen, zu welchem ende Lautrccmit einer armee geschickt ward das Königreich Neapolis zu ero-bern , um welche zeit auch Genua durch Vorschub des Doriawieder in Französische botmäßigkeit gerieth. Zu diesem kriegebrachte er von seinen Ständen dadurch nahmhaffte geldsummenheraus, weil er ihnen vorstellte, daß er willens sey, sich demgethanen versprechen gemäß wieder in gefangenschafft zu stellen,weil es in seinen Händen nicht stünde, den Madritischcn friedenzu erfüllen. Im übrigen sollte der krieg in Italien allein ge-führet werden, indem der König in Engelland der Handlungseiner Unterthanen zum besten für die Niederlande eine Neutrali-tät ausgewürckt. Nun gieng zwar dem Lautrec anfänglich imNeapolitanischen alles wohl von statten, indem er viel städteeinnahm, und im map an. 1523. Neapolis selbst belagert.Allein , da nach einer zwey-monatlichen belagerung die armeegröstentheilS durch kranckheiten drauf gieng, der König wedergeld noch frisches volck schickte, Doria mit seinen galeeren ab-fiel , und Genua zugleich aus Französischen Händen riß, Lau-trec auch selbst starb, muste die belagerung aufgehoben wer-den , und der rest der Französischen völcker ward von den Kay-serlichen zu einer schimpflichen capitulalion gezwungen, auchdiejenige armee, so in der Lombardie gestanden, ward an.l;2y.ebenfalls über den Haussen geworffen. Weil nun auch in Franck-reich aus hungers-noly und kranckheiten ein groß elend entstan-den war, gieng der König einen frieden ein, der den 5. aug.an. iz2y. durch seine mutter und die Regentin von den Nieder­ landen , die deswegen persönlich zu Cambray zusammen gekom-men »varen, geschlossen ward, in welchem er für die befreyungseiner Printzen sich zu crlegung grosser geldsummen und bezah-lung der Kayserlichen schulden gegen Engelland verband, demKayser sein recht auf die Burgundischen lande vorbehielt, dielehns-pflicht wegen Artois erließ, und alles wieder zu geben ver-sprach , was er noch im Mayländischen und Neapolitanischenbesässe. Jedoch protestirte Franciscus heimlich gegen die verspro-chene verzicht auf Mayland und Genua , ließ auch durch denGeneral -kioeureur bey dem Parlemente zu Paris dergleichenHistor. Ltxison 111. Theil.

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thun. Darauf wurden an. die Königlichen Printzenwieder ausgeliefert, und Franciscus vollzog die Vermählunginir der Königin Eleonora. Hiernächst hatte Franciscus et-liche jähre friede, die er mit besserer einrichtung seines Reichssowol in justitz - als kriegs - fachen zubrachte, auch an. im*das Hertzogthum Bretagne mit der Crone vereinigte, und ne-ben dem bemüht war des Englischen Hofes zwistigkeiten mirdem Päpstlichen stuhle beyzulegen. Bey dem allen aber ließer nicht nach dem Kayser unter der Hand schaden zu thun,wie dann durch sein eiftiges rathen und zuthun seiner Ge-sandten unter anderm auch der Schwäbische bund getrennetwurde, worauf sich bis dahin das Haus Oesterreich so sehrgestützet hatte, so tractirte auch dieser König vieles, theils mitden Protestanten in Teutschland, theils mit dem Köncge inEngelland , welches aber zu keinem effect kam. An. 1$;;.hielt er zu Marseille mit dem Papst eine Unterredung, undmachte daselbst die heurath zwischen seinem andern Printzenund Catharina von Medicis dem Kayser zum Verdruß rich,tig, da es ihm sonst damit kein rechter ernst gewesen war.An. r;;;. leistete er unter der Hand der stadk Genf widerden Hertzog von Savoyen , der sie belagert hatte, hülffe,wie er denn ohnedem mit diesem Hertzoge wegen der erb-schafft seiner mutter um selbige zeit streitig zu werden anfieng.Es brach auch die streitigkeit an. i?;6. zum öffentlichen kriegeauö, und eroberten die Franzosen die Savoyischen ländermeistenlheils, weil der Hertzog sich in keiner Verfassung be-fand. Hierüber kam es zu einem neuen kriege mit dem Kay,ser, da beyde parteyen schon geraume zeit her bittere schwie-rigketten gegen einander geführt hatten. Der Kayser fiel aber-mals in Provence ein und belagerte Marseille , muste aberwieder unverrichteter fachen abziehen, und den krieg in Italien fortzusetzen suchen. So richteten auch die Kayserlichen, diein Picardie und Champagne eingefallen waren, nicht viel aus.Damals schloß Franciscus ein bündnis wider den Kayser mitden Turcken, daran schon seit einem jähre war gearbeitet wor-den. An. r 5; 7. ließ Franciscus dem Kayser Flandern, Artoisund Charolvis, als länder die von ihm zur lehn giengen, ab-sprechen , fiel auch selbst mit einer armee in Artois ein, undnahm Hesdin weg. Es ward aber bald wegen den Niederlan-den ein stillstand geschlossen, und in folgendem iz;8. jährevermittelte es der Papst, daß sowol der Kayser als der Kö-nig nach Nizza kamen, allwo er zwischen ihnen einen zehen-jährigen.stillstand schloß. Auf der rückreise unterredeten sichbeyde Potentaten zu Aigues morces persönlich miteinander,welches zu Nizza nicht geschehen war. An. izzy. ward Fran-ciscus von den rebellirenden Gentern um schütz angesprochen,den er ihnen aber abschlug, und hingegen dem Kayser ver-gönnte , dieser sache wegen aus Spanien durch Franckreichnach den Niederlanden zu reisen , ihn auch so kostbar bewir.theke, daß es auf vier iniüionen soll gekostet habe». Weshal-ben er sich zwar wegen Mayland viel von dem Kayser verspre-chen , aber nichts unterzeichnen ließ, dahero denn derselbe,als er ausser Franckreich war, an nichts mehr gebunden seynwollte. Seit der zeit ward der König, theils aus Verdruß we-gen seiner mißlungenen anschlage, theils von einer kranckheit,daran er kurtz vorher tödtlich niedergelegen , und die nichtgäntzlich zu heben war, gantz widerwärtig, verdrießlich undargwöhnisch, ließ auch seinen Widerwillen an unterschiedenenGrossen aus, die sonst allezeit viel bey ihm gegolten hatten;wie dann Annas von Montmorenci der Connetable und Clau­ dius , Hertzog von Guise, auf einmal bcfehl bekamen sich vonHof zu entfernen. Es geschahe über dieses, daß zwey Französi,sehe Gesandten , die nach der Türckey und Venedig gehen soll,ten, von dem Gouverneur zu Mayland ermordet wurden , wo-vor der Kayser keine satisfaction geben wollte, daher an. 1*4,.der König auf einmal im Luxenburgischen und Roußillon einfiel.Das Luxenburgische ward erobert, der Vortheil aber nicht rechtverfolgt, weil der Hertzog von Orleans, der die armee com-mandirte, zu früh davon reisete. Hingegen belagerte derDauphin Perpignan vergeblich, und in Piemont ward auchnicht viel ausgerichtet. An. is 43· entstund in Poitou wegenden zöllen einige innerliche unruhe, so aber bald beygelegtward. Es zerfiel aber Franciscus wegen der Schottischen Hän-del , deren er sich gegen Engelland annahm, mit dieser Cronevöllig, gestalt denn deswegen 10000. Englische zum Kaysersticssen, und Landreci, wiewol vergeblich, belagerten. Imgegenlhcil hatte auch die Türckische und Französische flottevor Nizza nichts ausgerichtet; Massen sie zwar die stadt ero-bert , aber vor dem schloß nicht minder wegen schlechter an-stalt und Vorbereitung der Franzosen , worüber Barbarossasthr geklaget, als wegen tapferer gegenwehr der belagertenwieder abziehen müssen. An. 1544. gewannen die Franzosendas treffen bey Cerizoles in Piemont gegen die Kayserlichen ,musten sich aber nach Franckreich zurück ziehen, weil der Kayserdurch Champagne, und Engelland durch die Picardie, mitgewaltigen armeen daselbst eindrungen, und anfänglich minemachten, als ob sie beyde auf einmal bis auf Paris durchbre,chen wollten. Es wäre damals um Franckreich übel gestanden,wenn sich nicht beyde Potentaten unterwegens so lange aufge-halten hätten, und ,, weil jeder dem andern die schuld gab, miteinander zerfallen wären, da denn Franciscus gelegenheit fand,mit dem Kayser, der schon Chateau - Thierri eingenommenhatte, und bis auf Meaux streifte, zu Crespy einen besondern

D y » frieden