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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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gieng er mit der Französischen armer nach Savoyen , und wohn»te an. i6;;. dem treffen zu Avein, und in den kurtz darauf fol-genden jähren den belagerungen vor Cordte, Hesdin und Arras mit bey. Als Ludovicus XIU. dem tobe näherte, und man andem Hof allerhand Verdrießlichkeiten besorgte , wurden ihm diezwey Königliche Printzen von ihrer Frau Mutter zur Verwah-rung übergeben, und dabey allen Edclleulhen und Garden desKönigs befohlen , ihm durchgehends zu gehorchen ; weswegenjederman vermeynte, dieser Herr wurde bey der vorstehendenMinderjährigkeit und vormundschafft der Königin den grostentheil an der regierung haben; allein er wußte diesen guten an-sang nicht mit genügsamer conduite zu unterstützen, liesse sicherstlich in liebes - Händel ein, welche ihm zuletzt viel verdrußverursachten, sonderlich da ihn die Madame äe Montbazonfast nach ihrem willen regierte. Wie sich indessen der Cardinal Mazarin in der Königin gunst geschwungen, konnte es dieserPrintz nicht leiden , und vermeynte ihn auf einmal von Hof zutreiben ; es fehlete ihm aber ein solches so weit, daß er viel-mehr selbst auf gefaßten argwohn eines wider den Cardinal vor-habenden gefährlichen anfchlags gefangen, und in dem schloßvon Vincennes verwahret ward. Da saß er nun bis in dasfünfte jähr, entflöhe aber eben zu der zeit, als der haß desvvlcks und des Parlcments wider Mazarin auf das höchste ge-stiegen , und diente alsobald zu einem starcken zunder für diesesfcuer. Wie dabey seine Manieren und reden sehr populär wa-ren , so meyntc man auch sonsten noch alle Versicherung zu ha-ben , daß er wider diesen Cardinal einen unversöhnlichen haß tra-gen würde, darum er auch bey dem gemeinen volck einen gros-sen credit erhielte, und selbiges nach seinem willen in bewegungbringen konnte. Seine feinde nennten ihn deswegen spolts-weife le Roi des Haies , musten aber sehen, daß er durch diesenallcrschlechtestcn, darneben aber zahlreichesten theil des volcks ,immer meisier von Paris wäre. Als sich hernach auch derPrmtz von Conde mit den andern Printzen vom geblüt widerMazarin erkläret, hielte es dieser Hertzog ebenfalls mit ibnen,wohnte auch wol einigen feldzügen bey, wiewol man allezeitglaubte, er bringe der gemeinen fach einen grössrrn nutzen,wann er bey seinem Parisifchen pöbel bliebe, als draussen in derarmer. Innert dieser zeit verfiel er des rangs halben mit sei-nem schwager dem Hertzoge von Nemours m Uneinigkeit, wel-che zwar zu verschiedenen 'malen beygeleget zu seyn schiene, aberdoch letztlich zu einem zweykampf ausschlug, darinnen Nemours erschossen wurde; indessen ob man ihn gleich nicht für garsthlau oder listig hielte, so wußte er doch noch die rechte zeit zuergreiffen, seinen frieden mit dem Hof und Mazarin selbst zuschließen. Bald hernach ertheilte ihm der König die furvivancezu der Admirals - stelle von Franckreich, worauf er an. 1664.nach Africa segelte, allein daselbst in seinem unternehmen aufGigery unglücklich war. Jedoch schlug er die Türcken das fol-gende jähr bey Tunis und Algier . An. 1669. gieng er nachCandia, diesen ort wider die Türcken zu behaupten, und thatkurtz nach seiner ankunft mit seinen Franzosen einen starcken auS-faü, der sich anfangs glücklich anließ , aber endlich nach einerunter sie gekommenen heftigen Unordnung und consternation zueinem kläglichen final geriethe, da auch dieser Hertzog sein le-ben cinzubüssen hatte, ohne daß jemand der entrunneneü vonder eigentlichen art seines todes bericht geben konnte, ja da manunter den todten nicht einmal seinen leib zu finden das vergnü-gen hatte. Mtmoires de la minorite de Louis XIV. Mtm. jjfLettres de Bujfy Rabutin. Larrey , hist. de Louis XIV. *

FranMus Maria I. , von Rovere , Hertzog von Urbi-vo, war ein John Johannis von Rovere, Hertzogs von So-ra und Sinigaglia, und Johannä aus dem Haufe Montefel-tro. Seiner mutter bruder, Guido Ubaldus Hertzog von Ur-bino, nahm ihn, weil er selbst keine linder halte, an sohnsstatt an, und also folgte er demselben an. 1508. in der regie-runq, und brachte das Hertzogthum an das Haus Rovere.Seines vatters bruder war Papst Julius ll., welcher ihn zumGouverneur von Rom , und hernach zum General der Kirchemachte, als an. 1509. der krieg wider die Venetianer angieng,und folgends, da sich der Papst mit diesen verglichen, widerden Hertzog von Ferrara und feine bundsgenossen, die Franzo­ sen , gefuhret ward. Es gieng aber dabey nicht allerdingsnach des Papsts willen, der zwar oft seinen Generalen befahleine schlacht zu wagen, welches aber der Hertzog von Urbino niemals that. Die gröste Hinderung der Päpstlichen angele-genheitcn entstund von der Uneinigkeit zwischen dem Hertzogeund dem Cardinal von Pavia , der als Vice - Legat bey der ar,inrc war; die gieng so weit, daß der Hertzog den Cardinal,weil er ihn vor einen verräther hielt, auf eine zeit gefangen nachBononien vor den Papst führte, da sich jedoch derselbe leichtentschuldigte, und in voriger gewalt bliebe. AIs aber an. 15 u.Bononien an die feinde übergieng, und der Hertzog mit derPäpstlichen armee denselben aus dem Wege gehen muste , vonwelchem Unglück er die schuld dem Cardinal beymaß, weil der-selbe die stadl, in der er als Legat commandiren sollte, bey derFranzosen ankunft verlassen, ergrimmte der Hertzog darüberdergestalt, daß er den Cardinal kurtz darauf zu Ravenna aufder gaffe mit eigner Hand ermordete. Ob nun wol der Papstüber diese thai heftig erzürnet war, nahm er doch bald hernach,als er in eine tödlltche kranckheit gefallen, seinen Nepoten wie-der zu gnaden an. Jedoch hatte er das commando der Päpst-lichen völcker bey der fvrtsttzung des krieges nicht mehr, ent-

weder , weil ihm solches der Papst nicht geben, oder er selbstunter dem Vice-Könige von Neapolis, der vermöge des Päpstli-chen bundniffes mit Spanien bey der armee war, nicht stehenwollte. Wahrender zeit soll er mit den Franzostn wider feinenvetter geheime anschläge gemacht, und durch sein land - volckden Päpstlichen soldaten, so aus der schlacht vor Ravenna flo-hen , haben auflauren lassen. Nichts dcstoweniger bot er demPapst nach dem Verlust bemeldter schlacht eine ansehnliche hüls-fe an, erhielt auch von neuem ein commando; brachte Bv-nonien wieder unter Päpstliche botmäßigkeit , und half dieFranzosen aus Italien vertreiben. Unter Leone X. änderte sichder zustand dieses Herrn gewaltig ; denn er reifere den Papstgegen sich, indem er nicht unter dessen Nepoten Laurentto vonMedicis stehen wollte; zmd sogar seine völcker von der Päpstli-chen armee abzog, auch hernach König Franciscum wider Leo-nem aufzubringen suchte ; dahero denn der Papst bey demvertrage, den er mit diesem Könige an. 1516. aufrichtete, sichdiß absonderlich ausdunge, daß er ihm den Hertzog von Urbi­ no zu unterdrücken behülffich seyn, oder wenigstens das wercknicht hindern sollte. Diesem nach ward der Hertzog noch inselbigem jähre angegriffen, und weil er nicht im stände warsich zu vertheidigen, gezwungen, mit seiner gantzen familienach Mantua zu fliehen, worauf die Päpstlichen in wenig ta-gen das gantze land einnahmen, welches Leo dem obgedachtenLaurentio seinem Nepoten zur lehn gab. An. 1517. hiengzwar Franciscus Maria die völcker, welche nach dem friedenzwischen dem Kayser und den Venetianern nach Hause ziehensollten, an sich, und kam mit denselben den Päpstlichen sogeschwind über den hals , daß er sein land meistens wiedereinnahm, im felde meister blieb, die andern Päpstlichen pro-vintzien gewaltig beunruhigte, und sich bey seinem Heere insolch ansehen setzte, daß die darunter stehende Spanier ei-nige von ihren vornehmsten Offtcierern, die wider ihn einenanschlag gemacht, durch die spiesse jagten. Allein weil er wc-der geld noch geschütz hatte, folglich nicht hoffen konnte, denkrieg in die länge mit Vortheil zu führen, sonderlich weil Franck-reich und Spanien dem Papst beyzustehen anfiengen ; musteer es endlich geschehen lassen, daß seine völcker mit dem Papsteinen vergleich trafen, und ihn dergestalt mit einschlössen,daß er des bannes entlediget worden, die freyheit haben soll-te , sich mit seinem Hausrath, bibliotheck , geschütz und fami-lie sicher nach Mantua zu begeben. Bey dieser gelegenheit hatihm der König in Spanien dem Papst zu gefallen sein Hertzvg-thum Sora im Neapolitanischen eingezogen. So bald alsLeo X. todt war , brachte er durch hülffe seiner freunde an.1522. wieder ein kleines Heer zusammen , welches jedoch zu-länglich war, sich währender ledigkeit des Päpstlichen stuhl-sein land wieder unterwürfig zu machen , und Leonis Nach-folger , Adrianus VI. , bestätigte ihn in dem besitz desselbenan. l;rz. durch einen besondern vertrag. In eben diesemjähre machten ihn die Venetianer zum General ihrer armee,mit welcher er auch an. 1524. zu den Kayserlichen stieß , denFranzosen unter Bonnivet auf den leib gehen half, und Lodieinnahm. Eben dieses commando hatte er auch an. 1526.und die folgende jähre, da der Papst , Franckreich, Venedig und andere Italiänische Staaten wider den Kayser in bünd-nis getreten waren. Ob er nun gleich nur die Venetianifchenvölcker unter sich hatte , war doch sein ansehen überall sogroß, daß alles nach seinem gutachten bey der gantzen ar-mee eingerichtet ward. Allein er that in diesen feldzügen nicht,was er konnte , ließ viel vertheile mit fleiß aus den Händen,nahm meistentheils solche fachen vor, die zum Haupt - wercknichts dienten, und gab überall so viel zu erkennen , daß ernicht recht anzubeissen begehre, wie man ihm denn ausdrück-lich schuld giebt, daß er den zug der Kayserlichen auf Rom mehr befördert, als zu hindern gesucht. Die Venetianer wa-ren auch einsmals gantz mißträuisch auf ihn worden, undhielten feine gemahlin und söhn gleichsam gefangen , wiewolsie ihn bald alles Verdachts entließen, und da er aus Verdrußdas commando niederlegte, ihn mit weit bessern bedingungen,als er vorher gehabt , solches wieder anzunehmen bewogen.Man meynt auch, er habe zu dergleichen verfahren von derRcpublick selbst, die dem Papst nicht getrauet, und mehr zuüberflüßiger behutsamkeit als neuen Händeln genemt gewesen,befehl gehabt, wiewol solches auch viel seinem hasse gegen dasMedicäische Haus, aus welchem der Papst war, beymessen.Als an. 1529. der ftiede erfolgte, ward er in demselben nah-mentlich mit eingeschlossen, und hat an. is;r. des Kaysersangelegenheiten bey den Venetianern unterstützt. Er bliebauch ferner in Venetianifchen diensten bis an seinen an. rzzg.erfolgten tod , welcher durch gift, den ihm sein barbierer bey-gebracht , soll seyn befördert worden. Er war ein hitzigerund unermüdeter Herr, und hat den rühm, daß er einer dergrösten Generalen seiner zeit gewesen. Die Republick Vene­ dig hat ihm eine bild - jaule zu Pferde von ertz wollen setzenlassen, ist aber durch die nachfolgenden unruhigen zeiten dar-an gehindert worden. Von seiner gemahlin aus dem HaustGonzaga hat er ausser einigen töchtern zwey söhne hinterlas-sen , Guidobalbum, der das Hertzogthum Urbino bekommen,und Julium, Hertzog von Sora , der hernach Cardinal wor-den , und an. 1578- gestorben. Sunßvin, famil. Ital. Guii.ciardinus , histor. lib. VIII. seqq. P. Daniel , hist. de Francetom. II. III. Jovius &c.

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