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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Frankreich retirirte, und ein Loncilium nach Lvon berief, da»hin er auch Fridericum citirte, und zugleich von neuem in bannthat. (p) Er machte auch die Teutschen geistlichen Fürsten von -ihm abwendig, daß sie an. 124;. Henricum Landgrafen inThüringen , Raspo zugenannt, zum Kayser auswarfen, derauch Friderici söhn Conradum aus dem selde geschlagen, abervor Ulm verwundet worden, und bald hernach an. 1247. ge-storben. (q) Der Papst brachte hierauf einen neuen Gegen-Kay-ser, den Grafen Wilhelm von Holland auf, und endlich wur-den Friderico feine vertrautesten freunde untreu, darunter son-derlich sein Cantzler, Petrus de Vincis, bekannt ist, welcher,vhngeachtet er seithero den Kayser mit mund und feder nach-drücklich vertheidiget hatte, dennoch endlich dessen Leid-AIedicumdahin soll verleitet haben, daß er «hm gift beygebracht; (n.)welches jedoch von den wenigsten scribente» vermeldet wird,da im gegentheil sonderlich die Italiäner , welche von dieserfach den besten bericht haben können, tritt umständen schreiben,es wäre Petrus de Vineis eine ziemliche zeit vor Friderici tobebey demselben in Ungnade gefallen, und unter dem vorwand eineran dem Kayser begangenen untreue und verrätherey seines ge»stchls beraubet, und noch dazu ins gefangnis geworffen wor-den , in welchem er bald vor kummer gestorben iväre. (n.)Diel glaublicher ist also, und wird von eben diesen Italiäni-schen geschieht - schreidern ausführlich erzehlet, daß Fridericinatürlicher söhn, Manfredus, ihm erstlich gift beygebracht,und als dieses nicht schleunige würcknng gehabt, ihn mit einemküssen ersticket, so an. 1210. zu Fiorenzuola in Apulicn gesche-hen ; wiewol andere solches in zweifel ziehen, und ist nachmalssein tod gar vor ungewiß gehalten «vorden; daher sich viele vorseine person fälschlich ausgegeben, (s) Im übrigen war Fride-ricus ein Herr von «»«gemeinen gaaben, und fehlte es ihm«ve.der an eifer, noch an lapferkeit, die Rechte des Reichs zu be-haupten. Er redete Lateinisch, Griechisch, Französisch, Ita­ liänisch , Arabisch und Teutsch init grosser fertigkeit, und suchtedie freyen künste mit aller macht zu befördern, wie ihm danndie hohe schulen zu Wien und Neapel ihren Ursprung, wie nichtweniger Aristoteles , Galenus und andere ihre Übersetzung auSdem Arabischen in das Lateinische zu dancken haben, (t) Erselbst hat ein buch von dem vogel-baitzen hinterlassen. So vielaber kan nicht geläugnet werden, daß er der unkeufchheit erge,den gewesen. Von seinen geinahlinnen hat ihm die erste Con-stantia , Königs Alphonsi II. in Aragonjen tochter, Henricum,dessen oben gedacht, gebohren , und ist an. 1222. gestorben;die andere war Iolanta, des Königö von Jerusalem erb - loch,ter, die ihm Conradum IV. gebohren, und an. ,228. gestorben;die dritte Jsabella, Königs Johannis in Engelland tochter,die ihm Henricum, Statthalter in Sicilien, gebohren, und an.1241. gestorben; die vierte eine reiche Dame, deren nähme un-bekannt. (u) Einige neuere scribenten melden noch von zweyandern, die aber nicht geiviß sind. Nebst diesen hatte er un-terschiedene concubinen, darunter die beruffene Blanca , eineMarquisin von Montferrat, ihm Manfredum, Fürsten von Ta-ren! , Enzium oder Hentium oder Henricum , König von Sar,dinien, und Friedrichen, Fürsten von Antiochie«, , gebohren.

(a) Roger, de Hoveden , annal. Angl. pari. post. ad ann. 1197.

(b) Ottode S. Blas. c. 4;. Godefr. Colon, ad ann. 1196. chron.Slav . Lindenbrog. p. 257. ad an. 1197. (c) Levold.de JAerrtbos.chron. Marc. p. 385. (d) Albert. Stad. ad an. 1195. (e) Cour.Ursp. ad an. 1196. Chron. August, ap. Freher. tom. I. p. 564.ad d. a. (f) Alb. Stad. an. 1219. seq. Chron. Auguji. d. a. Al-berte. ad an. 1220. Godefr. Colon. Chron. Mont. Siren. Mon.Pad. Chron. August. See. ad an. 1220. (g) v. Artic. HenricusVII. Frid. II. fil. (h) Mon. Fad. ad an. 1220. seq. Conr. Ursp.ad an. 1221. &scq. Godefr. Colon, ad an. 122;. (1) Mon. Pad.ad an. 1227. Godefr. Colon. Conr. Ursp. Chron. August. &Mattb. Paris , ad ann. 1227. Alberte. & Albert. Stad. ad an.1228. (h) Conr, Ursp. Albert. Stad. Alberic. ad an. 1229. epist.Frid. II. ap. Leibmz. C. J. G.D. Mant. tom. II. §. 45· 24;.& al. epist. ap. Matth. Paris ad an. 1229. ( 1 ) Mon. Pad. adan. 1227. seq. Conr. Ursp. ad an. 1228. seq. Godefr. Colon.Alb.Stad. d. an. 1228. & 1230. Matthaus Paris. an. 1250. (m) v.Artic. Henricus VII. (n) Mon. Pad. Godefr. Col. Alb. Stad. &Matth. Paris , ad an. 1236. 1237. & omn. ad an. 1239. & Alb.ad an. 1239. (o) Matth. Paris . & cit. aut. ad an. 1239. 1240.(p) Matth. Paris . Mon. Pad. Alb. Stad.&c. ad an. 1241-1246.conf. Petr. de Vineis , epist. (q) Giov. ViUani , Malasp. &c.v. Artic. Henr. Raspo. (r 1. ) Matth. Paris , ad an. «249. conf.artic. Wilhelm. Holland , (r 2. ) Giov. VUlani, lib. VI. c. 23.Similia narrat. Ricard. Malaspin. & alii Itali, (s) Chron. Au·gust. Annal. Colmar . Chron. Australe, ad an. i2;o. Matth.Paris , ad an.12; 1. AEn.Sylv. bist. Frid.III. p. 32. Lang. chron.Citiz. ad an. 1250. (t) Petr. de Vineis , lib. I. c. 44. lib. III.c. 11. 12. 13. 1&67. (u) Alberic. ad an. 1241. & ad an. 1213.Alb. Stad. ad an. 1222. Mon. Pad. & Fragm. bist. ap. Ursttf.ad an. 1227. Godefr. Colon, ad an. 122z. Chron. Aug. ad an.122;. Alberte, ad an. 1224. 123;. 1241. Matth. Paris , ad an.1241. 1245. 1248. Cisnerus , orat, de vita Friderici II. Im-perat. &c. *

Fridericus in., der schöne, war ein söhn Kaysers Alberti l.und Elisabethä, Mainardi, Hertzogs in Kärndten und Graftnin-Tyrol (a) tochter. Den bey«,ahmen des schönen bekam erwegen seiner lebhafftigkeit und vvrtrestichen lcides-gestalk, hat

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ermordet ward, machte er sich eine Hoffnung z» der Kayscrsechen wurde, allein Henricus von Lurendurg trug selbige mwkallein davon, sondern suchte auch die qüther des Habspurai-schen Hauses an sich zu dringen. So bald Fridericus tieusletztere merckte, ließ er sich gegen die Kay,etliche bediente vet.nehmen , es halle » bereits fünf Könige der Oesterreichiscbenlande wegen ihr leben eingebüsset, und könnte Henricus / wenner wollte, den sechsten abgeben, welche großmüthige bcdrv-hung so viel wurckle, paß «hm der Kayser die delehnunq nichtlanger versagte, doch mufte Fridericus vorher versprechen, daßer ihn auf dem Romer-zuge mit 200. geharnischten reuternnach Italien begleiten wollte, (c) Weil nun Henricus auf die-sem zuge sein leben verlohren , und der Kayscrliche thron eingantzes jähr ledig gestanden, vermeynle Fridericus denselbengewiß zu besteigen, konnte aber die sämtlichen Churfürsten nichtauf seine feite dringen. Denn der Ertz-Bischoff zu Mayntz,Petrus von Asphelt, seiner vorigen proftßion ein Artztund'ausTyrol gebürtig, war ihm zuwider, weil er noch als BischoffzuBasel wegen der an sein damaliges Stift gekauften güthern,Liechstall und Homberg, von den Ocsterreichern viel drangsalerleiden ,nüssen. (d) Balduinus von Trier war ein tvd-seinddes Habspurgischen Hauses , weil ihn Friderici vatter durch ge-malt der waffen gezivungen, die einträglichsten zölle an demRheinstrome herzugeben, (e) Johannes , König von Böhmen ,aus dem Hause Luxenburg , hatte ursach, Friderici wähl zuhintertreiben, weil das Haus Oesterreich mit aller «nacht nachder Böhmischen Crone strebte. Diese zogen den Hertzog zuSachsen Johannen,, und den Marggrafen von BrandenburgWaldemaruin, von der Oesterreichischcn partey ab, kamensämtlich in Franckfurt ain Mayn zusammen, und erwehlkeaLudovicnm , Hertzog von Bayern zum Kayser. Es geben zwareinige vor , Waldemarus sey nicht persönlich zugegen gewesen;es hat aber keinen gründ, siehe Bock 1 Nikolaus. ) Der Ertz,Bischoff von Cöln, Henricus von Virnenberg, hingegen, wardurch keine Vorstellung von der Oesterreichischen seile abzuzie.hen, absonderlich weil ihn« Fridericus versprochen, daß seinbrudcr Henricus, Hertzog von Oesterreich , mildes Ertz-Bi-schoffs brubers tochter eine Vermählung treffen sollte, (f) Zdiesem trat der Psaltzgraf am Rhein Rudolphus , wozu ihnsowol die natürliche feindschaffr, die er gegen seinen leiblichenbrtlder Ludovicum hegte, als das von den Ocsterreichern em-pfangene geld verleitete, (g) Diese beyde zogen Henricum,Hertzog von Kärndten, und Rudolphum , Hertzog von Sach.fen, an sich, davon jener wider Johannem von Luxenburgeine prätenflon auf Böhmen machte, (h) dieser aber bey derwähl ein besseres recht als sein bruder zu haben mennte, weilderselbe bereits zürn Bischoffzu Passau erwehltwäre, undalso keinen weltlichen Churfürsten vorstellen könnte. (i) Diesenun wehlten den 19. oct. an. 1314. zu Sachscnhausen, (h)einem über dem Mayn gerab gegen Franckfurt gelegenen städt-lein, Fridericum von Oesterreich , der sich nicht iveit davonpersönlich eingefunden, zum Könige, ( 1 ) führten ihn nachBonn , nicht aber nach Bingen, wie einige vorgeben, (m) undliessen ihn daselbst durch den obgedachten Ertz-Bischoffvon Cölnmit gewöhnlicher pracht salben, als die übrigen unterdessen Lu.dovicum zu Franckfurt erwehlten, und bald darauf zu Aachen erönten. (n) Durch diese zwistige wähl und Uneinigkeit derChurfürsten , gerieth Teutschland in einen erbarmens-würdigenzustand. Die städte am Nieder-Rhein hiengen Ludovicv, dieam Ober-Rhein aber Friderico an, und die Schiveiyer, sonach dem einen so viel als nach dem andern fragten, fandendie beste gelegenheit, sich in ihrer freyheit, wozu sie bereits un,ter Albert« von Oesterreich regierunq einen guten gründ gelegt,recht vest zu setzen, (o) Beyde Kayser zogen sich lange herum,ehe sie recht an einander kamen , denn die scharmützel, so beySpeyer , in Schwaben bey Eßlingen , an« flusse Neckar , imElsaß und an andern orten zwischen ihnen vorgienqen, warenzwar blutig genug, aber nicht zulänglich, einem so wichtigenstreit den ausschlag zu geben, (p) Endlich siel Fridericus, nebstseinem bruder Leopolds dem glorwürdrgen, an. i;rr. inBayern stlbst ein, verheerte das land, und nöthigte Ludovi-cum, daß er sich init seinen völckern in die vesten Örter wcrffenmufte. (q) Allein da die Oesterreicher bald hernach aufs neueihr heil versuchen «vollrcn, sich aber allzu tief ins land gewa»get, auch ihre macht getheilt hatten» indem Leopoldus mit ei.nein corpo abgeschickt war, die güther des Grafen von Mont-fort, der es mit Bayern hielt, mit feuer unb schwerdt zu ver-heeren, gieng ihnen Ludovicus mit 32000. mann entgegen»da es dann endlich ztvischen Oetlingen und Mühldorff zu einerschlacht kam,welche fast 10.stunden, von morgen bis in den abend,währte. Anfangs schien es, als wenn der sieg auf Oesterrei-chische seit« fallen wollte, denn die Böhinen ergriffen zum theildie ffucht, zum theil präsentirten sie ihr gcwehrfreyiviUig, undbegehrten lieber in die gefangenschafft als in den tod zu ge-hen ; ja es war alles auf Bayerischer feite in solcher Unord-nung , daß man nicht wußte, ob Ludovicus todt oder lebendigwäre. Doch endlich verkehrte Siegfried Schwcppetmann dieschlacht-ordnung, daß dem feinde der wind und die sonne in dieäugen fielen, machte den bedrängten Böhmen luft, und ließ denBurggrafen Fridericum von Nürnberg dem feinde in den n>ckcagehen. Als die Oesterreicher diesen ankomme» sahen, schlossm