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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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welcher er auch unter dem Könige Carolo XI. als Premier-Mi-nister undReichs-Drozetbisan feinende, so an. 1686. erfolgte,viel löbliches ausgeführet. Seine gemahlin, Maria Euphrosina,Pfaltzgräfin bey Rhein , und König Carl Gustavs leibliche schwe-rer, die er an. 1647. geehlicher, gedahr ihm Jacobum Augu-stuin und Magnum Gabrielen,, so beyde frühzeitig verstorben ;Gustavum Adolphum, Grafen von Lecköö, Präsidenten desJustitz - Raths, oder Königlichen Hof - Gerichts, welcher an.169;. ohne erben verstorben; Johannem Carolum und Ludo,vicum Apelium, welche beyde ohne erben abgegangen ; Catha,rinam, welche an den berühmten Venetianifchen General-Feld-Marschall , Graf Otto Wilhelin von Königsmarck ; undHedwigen, welche an Graf Carl Gustaven von Orenstirn ver-mählet' war. Hamburgische historische remarquen, 1700.pag. 524. ,

(gardie, (Iacobus Castmirns de la) Schwedischer Rathund General -Lieutenant von der infanterie, war Iacobi de IaGardie anderer söhn. Er hielt sich im Polnischen und Schwe­ dischen kriege sehr tapfer, brachte an. ,655. das Bißthum Vil-na in Litthäuen unter Schwedische devotion, war a». 1656. beyder bloquade von Mariendurg in Preussen, wie auch in derdreytägiqen schlacht bey Warschau . An. 16,-7. commandirteer die Königliche armee in Polen , auch hierauf die infanterieden ;o. jan. an. ,658. bey dem marsch über den Belt nach Füh-nen. Er wurde aber im oct. besagten jahres in der belagerungCoppenhagen auf der insul Amack von einer Dänischen fre-gatte mit einer stück-kugel erschossen, und hinterließ von seinergemahlin, Ebba Sparre , keine erben. Hamb. histor. rem.1700. p. 524.

(Fnrdie, (Pontus Fridericus de Ia) ein söhn Jacob,,Schwedischer Reichs - und Königlicher geheimer Rath, war an.i6;6. als General-Major bey der belagerung Cracau, und hieltsich an. 1657. wider die Moscowiter, auch an. i6;8. bey derer-pedition über das eis sehr wohl. Nach diesem hat er viel hohechargen verwaltet, bis er an. ,6y;. zu Stockholm verstorben.Von seiner gemahlin Beata, GrafIoh. Christophs von Königs-marck tochter, hat er Ebbam Mariam gezeuget, die wegen ihrergelehrsamkeit berühmt ist. Hamb. hist. rem. p. 524.

* (gardie, (Edda Maria de la) des vorherstehenden PontiFriderici, Grafen de Ia Gardie, älteste tochter, war ei» sehr ge-lehrtes srauenzimmer,wie sie denn einen geschicktenSchwedischen,Französischen, Teutsche» und Niederländischen vers geschrieben,auch einige devote Meditationes in Teutscher spräche verfertiget,welche die gelehrte Sophia Elisabeth Brennerin gesehen, auchihnen eine gute approbalion ertheilet. Sie muste aber an. 1697.im jul. dieses zeitliche verlassen. Vrennerin, epist. ad Petr.Hedengran. differt. ejus de mulieribus philosophant. adnex.

Upsal 1699. Historische remarquen über die neuesten fachenin Europa , 1700. p.; 24.

Gardiner, (Stephan) war Richard Woodswils, der einbruber von König Eduards IV. gemahlin Elisabeth gewesen, na-türlicher söhn, und zu Edmundbury in der Grafschaffl Suffolckgebohren. Er studirte zu Cambridge , allwo er sich absonderlichin den weltlichen und geistlichen Rechten eine grosse wissenschafftzuwege brachte, dabey aber auch der Humaniorum nicht vergaß,gestalt er denn sehr wohl das Griechische verstanden, und zier-lich Lateinisch rede» und schreiben können. Er war unter demCardinal Wolsey Secretarius , und machte sich durch seine ge-schicklichkeit, lebhafftige und demüthige Manieren so beliebt,daß er an. >528. nebst andern von dem Könige Henrico VIll. inGesandtschafft wegen seiner ehescheidungs - fache nach Rom ge-schickt ward, da er es so weit bringen half, daß der Papst einenLegaten nach Engelland schickte, mit dem Gardiner zurück kam,darauf er an. 1529. Staats-Rath ward, und von neuem nachRom gehen, aber auch noch in selbigem jähre zurück kehrenmuste, weil er bey den berathschlagungcn wegen der eheschei-dung gebraucht werden sollte, und zu Rom dem Cardinal Wol­ sey zur Päpstlichen würde zu verhelffen, ohne dem nicht so vielmehr nütze war, nachdem der Papst seine gesundheit wieder er-langt hatte. Seit dem setzte er sich in des Königs gnade im-mer vester , ward auch an. 1;^. nach Marseille geschickt, derUnterredung zwischen dem Papst und König in Franckreich bey.zuwohnen , und zum Bischoff von Winchester gemacht; daherer denn des Königs partey wider den Papst ergriff, so viel dieSupremacie anlangt, und deswegen auch ein buch de vera &falsa Obedientia schrieb. Hingegen war er der reformation inder lehre und der Protestantischen religion sehr zuwider, die erauch daher aus allen kräfften hinderte und Ursache war, daßdie Teutschen Protestanten zu keiner Vereinigung mit Engellandkommen konnten. Er widersetzte sich des Ertz - Bischoffs Cram-mers anschlagen auf alle weise, half Cromweln stürtzen, undmachte, daß die lehren der Römischen kirche, ohngeachlet mansich vom Päpstlichen stuhle absonderte, doch noch grossen theilsdurch einen öffentlichen Parlements - schlnß bestätigt wurden.Er hielt überall seine spionen, welche ihm die heimlichen Pro-testanten verrathen musten, und sahe, wie er sie auf den schei-tcr-hauffen brachte. Heinrich VIII. hatte zwar schon zuvor ebenwegen dieses seines eifers wider die reformation einen verdachtauf ihn geworffen, als ob er mit dem Kayser, der sich der un.ächt erklärten Printzeßin Mariä annehmen wollte, unter einerdecke läge, und es waren auch von dem Französischen Hofe,

an dem er sich als Gesandter befand, Nachrichten eingelauffen,die seine treue sehr zweiseihafftig machten, daher er auchzMberuffen ward; er wußte sich aber durch seine äusserliche unter,thänigkeit und schmeicheleyen noch zu erhalten. Endlich aberversähe er es, daß er sich in einen anschlag wider des Komasletzte gemahlin Catharina Parr einließ, und dieselbe wegenchrer neigung zur Protestantischen lehre in Inquisition bringenwollte, (siehe Catharina parr) darüber er in völlige Un-gnade fiel, aus dem Slaals-Rath ausgeschlossen, und in kiKönigs testament, darinnen er sonst unter den Regenten undVormündern des jungen Eduards gencnnet war, aüsgestrichenwurde: Unter dieses Herrn regierung muste er gleich ,m erstenjähre wegen seiner Widersetzlichkeit in religions - fachen gar insgefängnis, und wiewvl er das erste mal durch den Königlichengeneral-pardon bald wieder los kam, ward er doch auch kurtz dar-auf an. ,548. zum andern mal gesetzt, weil er in einer predigtnicht nach dem sinn der Reformatoren geredt hatte, und weiler sich gar nicht ergeben wollte, setzte man ihn an. r;;i. garab. Hernach defreyete ihn an. ,5;;. die Königin Mariaaus dem kercker, und machte ihn zu ihrem Cantzler, welchewürde er durch den Kayser bey ihr heraus brachte. In dieserdedienung nun that er seinen möglichsten ßeiß, den Calhvlischmgvtlesdienst in Engelland wieder einzuführen, ausser daß erder Königin noch eine weile rieth, das Haupt von der kirche zubleiben, und solche den, Papst nicht zu unterwcrffen. Sonahm er sich auch der Staats - geschäffte eifrig an, und ob ergleich die heurath der Königin mit dem Könige in Spanien Philippo machen half, richtete er doch den heuraths - contrackalso ein, daß der Engelländer freyheit gegen die Spanischeherrschafft verwahrt ward. Dem Cardinal Polo traucte ernicht viel, sondern hinderte denselben, so lange es nur möglichwar, an seiner üderkunft nach Engclland. Er starb im nov.an. 1;;;. an einer kranckheit, die ihn eben den tag, da er vonRidleis und Latimerö Verbrennung Nachricht erhalten, über dertafel befallen. Er war ein mann, der sich ausser seiner gelehr-samkeit, zu Staats - gcschäfflen vortreflich schickte, alle Höfeund deren angelegenheiten, auch dabey seines vatterlandes fa-chen sehr wohl kennte, sich sehr verstellen und andere gewinnenkonnte, so daß man an ihin nichts, alS sein hartes verfahrenwegen der religion auszusetzen hatte, weswegen er auch mitdem Cardinal Polo, welcher zur gelindigkeil weit mehr ge-neigt gewesen, öfters streit gehabt. Pitfius , de script. Anglis.Gotxvcnn. de Episc. Angl. Sander us, hist. schism. Angl. Burm.hist. reform. Angl. Larrey, hist. dAngl. tom. I. Live: of theLords Chancollors.

Gardtngen, eine kleine stadt in dem Hertzogthum Schleß-wig, und zwar in dem Eiderstädtischeu, eine meile von Tön-ningen und drey von Husum , gelegen.

* GARDINGUS, ist eine benennunq, welche bey den West.Gothen gebräuchlich gewesen, und kommt unter andern in ih-ren gesetzen zu unterschiedenen malen vor. Es sind aber dieausleger ungewiß, was eigentlich darunter zu verstehen sc».Es kommt krafft des nahmens, indem das Alt-Sächsische Gar,tung, nach Spelmanns zeugnis, einen wärter oder aufsc-her bedeutet, am glaubwürdigsten vor, daß solches eine denen-nung gewesen, worunter man überhaupt die vornehmsten de.diente am Hofe begriffen. Gleichwie bey den Teutschen aufeme fast ähnliche art die allgemeine bedeutung des Works Mi-nister insgemein auf die würcklichen geheimen Räthe einqe-schrenckt ist. Sie werden dieserwegen L Wisigoth. lib. II. tit.1.1. 1 . mit den 8enioribns Palatü verknüpft: Videntibus am.ctis Sacerdotibus Dei, Senioribusque Palatii atque Gardingis.Daß sie vornehme Personen gewesen, ersiehet man aus demlib. IX. tit. II. I. 9- Si majoris loci persona fuerit, id est Dux,Lomes, sive etiam Gardingus. Und ob es gleich in dem vor-hergehenden I. 8- heisset : 8eu fit Dux aut Lomes Thyu-phadus aut Vicarius, Gardingus, &c. so scheinet es doch,daß sie nur deswegen noch nach den Vicariis gesetzet werden,weil sie nicht, wie solche, zu der verwaltung der previntzen be-stellet waren, und also dieses gesetz, welches von der veschü-tzung des landes wider den einbruch der feinde handelt, sienicht so eigentlich, wie jene, betraf. Pantinus , de offic. Go·thor. p. 200 . Du FreJ'ne , II. 1 . p. 66;.

Eardon, ein fluß in Nievdr - Languedoc , entspringet ausdem Sevenner-gebürge, läuft nach Alair zu, und nimmt da.selbst den nahmen Gardon an. Bald darauf vereiniget er sichmit dem Gardon d'Anduze, nimmt sodann noch etliche kleineflüsse zu sich, und ergeußc sich endlich gegen Beaucaire zu in dieRhone . Über diesen fiuß baueten die Rvmer zwischen Avignon und Nismes eine berühmte brücke, Pont de 6ard genannt, zuUnterhaltung einer gewissen Wasserleitung, wodurch das waffernach Nismes sollte gebracht werden, welche stadt sie in sonder-bares aufnehmen zu bringen suchten. Dieses wasser wurde auseinem ziemlich starcken bach dahin geleitet, welcher auf ei-ncm Hügel, nahe bey der stadt Usez , zwey messen von derbrücke annoch zu sehen ist, und so gar die wühlen zu Usez treibet. Weil nun zwey sehr hohe berge daselbst auf beydenfeiten dcS stusses stunden, so liessen die Römer drey reihen vonschwibbögen , einen über den andern , von lauter gehauenensteinen aufführen, so ungemcin dicke und lang waren. Die ersteuntere drücke hat 6. schwibbögen, die andere eilf, so zwar etwas

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