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daS glück , daß er doch die Unten und forts eroberte , die Hol-länder defreyete, und ihnen behülflich war, daß sie Hülst ein-nehmen konnten. Die Spanier suchten zwar diesen sthimpf zurächen , und weil sie durch ankunft des HertzogS von Lothrin gen verstärckt worden , wollten sie ihn mit zusammen gesetztenkrassen in Menin überfallen. Gaßion aber erwartete ihre con-junction nicht, sondern griff den Grafen von Fuensaldagne beyFpern an, und schlug ihn gäntzlich aus dem selbe. Er fortifi-eirte hernach die an der Lys eingenominene platze, setzte fastgantz Flandern in contribution, und that dem feinde durch con-timnrliche streifereyen groffen schaden. Ja, er fiel selbst demHcrsoge von Lothringen , welcher damals auf Spanischer feitecommandirte, in das haupt-quartier zu Ath, ob gleich solchesweit entfernet, und durch die Scheide bedeckt war. Dann erbemächtigte sich in der stille aller schiffe auf der Scheide vonVercoin bis Oudenarde , ließ in der eil eine drücke davon schla-gen , und marfchirte gantz unversehens gegen Ath, allwo er allebagage der Lothringischen tronppen erbeutete. Als man mitdem ansang des frühlings an. 1647. wegen der folgenden cam-pagne rathfchlagte, ließ man den Marfchall von Gaßionnach Liencourt kommen , dahin sich auch der Hertzvg vonOrleans , der Cardinal Mazarin , und Monfr. Tellier verfüg-ten. Unter andern complimenten, welche anfänglich zu bey-den feiten vorfielen, sagte der Cardinal zu dem Marfchall:wollte GStt! ihr wäret Catholisch; ich wollte euchnoch besser zu Rom dienen, als bey Hofe. Gaßion aberantwortete: Ick) bin verlohren, Montiern! wenn ihr al-lein vor meine seliczt'eit sorget. Der Cardinal lächelte zwardarüber, sagte aber wieder: So ein grosser mann als ihrstyl, wißt ihr doch noch den unterscheid nicht unter ei-ner müye und einer pickcl-haube. Ich will euch aberdoch wider euren willen hierinn behülflich seyn , laßtmich nur machen. Worauf der Hertzog von Orleans sagte:wann er nur einmal Cardinal ist, wird er gar bald Ca-tholisch werden. Gaßion aber nach seiner gewöhnlichen brus-querie antwortete: Daß man ihn wegen der religion mitfrieden lassen sollte; daß er die Catholische religiongenugsam kenne, und so viel davon wüßte, daß erdem Papst und allen Kardinälen den köpf bietenwollte. Man berathschlagte hierauf wegen der campgne,und war der Cardinal der meynung, .daß man einen wichti,gen platz an der »scheide angreiffen sollte, da immittelst dieHolländer Antwerpen wegnehmen könnten; aber Gaßion,der sich besser ins seid als ins cabinet schickte , wollte nichteinstimmen, sondern rieche zur belagerung von Dünkirchen ,und erbot sich Antwerpen einzunehmen; wobey er so halsstar-rig war, daß er wider den Cardinal selbst einige freye wertefahren ließ. Inzwischen blieb es bey des Cardinals meynung,welcher zu folge Courtray belagert, und in vierzehen tagen ero-bert wurde; »vorbey Gaßion nicht mehr allein commandirte,sondern ausser dem Hertzog von Orleans noch den Duc ä'En-guicn über sich hatte. Die gantze armee stieß hierauf zu denHolländern, die an dem canal von Brügge stunden ; weil sieaber damals schon friedeus-gedancken hatten , »narschirte mangerades Weges auf Dünkirchen los. Der Marfchall von Gastsion wurde voraus geschickt, »!m den weg frey zu machen , unddas fort Ventismuler wegzunehmen, welches er auch bewerck-stelligte. Weil aber die Holländische flotte noch nicht angekom-men >var, um Dünkirchen von der see zu sperren, belagerteman erst Winoxbergen ; nach dessen eroberung man auch Mar-dyck mit ziemlichem vertust eindekam. Furnes ergab sich ohnesonderlichen widerstand, nachdem Gaßion die Spanier ausden vielen abschnitten und canälen verjaget hatte, worauf end-lich Dünkirchen bald folgte. Die Winter - quartiere wurden ander Lvs genommen, und Gaßion die sorge vor die dasigcnPlätze überlassen, von »velchen die Spanier inzwischen bereitsMenin und Quenoy eingenommen hatten , und bald her-nach auch Lanoy einbekamen. Gaßion setzte Courtray inguten defrnsivns - stand , aber seine Uneinigkeit mit dem Mar-schall von Rantzau war ursach an dem Verlust von Armentieres,an dem mißlungenen anfchlag auf St. Omer , und auf denentsatz von Landrecies , »velches die Spanier belagert hatten.Sie wurden endlich beyde von einander abgesondert , und damachte sich Gaßion alsobald meister von Ja Bassee , und Ran-tzau von Dirinuyden. Gaßion belagerte hierauf Lens, »vurdeaber durch den entsatz der Spanier davon »veggetricben. Erconjungirte sich hierauf wieder mit Rantzau, um Avern weg-zunehmen; aber die continuirliche Uneinigkeit dieser beyden Ge-nerals machte das unternehmen fruchtlos. Gaßion, um diesescharte auszuwetzen, belagerte hierauf »viederum Lens, »vurdeaber davor todtlich bleßirt, und nach Arras gebracht, woselbster vier tage hernach den 2. octobr. an. 1647.'den geist aufgab.Man muß ihm nachrühmen, daß er an Hertz und tapferkeit we-nig seines gleichen gehabt. Er war vigilant, und unaufhör-lich in bewegung. Wo es am gefährlichsten und desperatestenaussähe, ließ er sich am liebsten gebrauchen. Aber zum rath-schlagen und grossem nachdenckcn war er nicht geschickt. Dan-nenhero unter seinen thaten viel temerität mit untergelaussen,welcher aber jederzeit das glück favorisiret hat. Um deswillenhaben andere von ihm geurtheilet, daß er zwar ein guterpartey - gänger, und Held unter den Croaten oder Husarengewesen , aber nimmermehr einen rechtschaffenen Capitaineiner armee würde abgegeben haben; und der Hertzog von En«Histor. Lexicon III, Theil.
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amen nennte ihn nur un ewuräi Caporal , einen unbesonnenenCorporal. Darneben war er aus der Massen opiniatre in sei-nen Meynungen, und ließ sich oft von den allerklügsten Capi,tainS und Ministern nicht eines andern berede»». Seine solda-ten liebten ihn »vie einen vattcr, theils weil er alle fatignen mitihnen theilte, theils »veil er ihnen jederzeit gute quartiere ver-schaffte , und sie meistens auf discretion leben ließ. In derjugend hatte er ziemlich studiret , und nach der zeit ausserder Lateinische» die Teutsche spräche erlernt. In fortificaüonenwar er besser als mancher Ingenielir. Gleichwie er aber vonnatur zum kriege gleichsam gcbohren war, also hatte er einenabfcheu vor dem weibs - volck, und vor dem Hof-leben. Einschönes pferd war ihm lieber als die allerschönste Dame, undman konnte ihn niemals bereden, sich zu verheurathen. Erhatte auch allezeit mehr vergnügen in seinen minier - quartieren,als bey Hofe, ui»d kam niemals dahin, wenn er nicht erpresseberuffen »vordem Seine allzu grosse frcyheit im reden, und sei-ne Unwissenheit zu flattiren machten ihn nicht nur ungeschicktzu einem Hvf-maim, sondern brachten ihn auf die letzt indas grbste ungluck. Cr verdarb es mit den vornehmsten Mini-stern und Generalen, auch mit denen, die ihm zu seiner erhö-hung geholffen, als dem Hertzog Bernhard von Weiinar, demHertzog von Enguien und andern. Er »varf sich mit allenMarschallen ab, die neben ihm commandirte»». Der Cardi nal Mazarin war ihm anfänglich gewogen, aber durch seineeigene schuld machte er sich denselben zum ärgsten feind. DerGraf von Paluau wollte ihm cininal die charge eines Meffie äsCamp der cavalerie legere adkauffen, und weil er nicht ge-nug baares geld hatte, bot er ihm jemand zur caution ai».Als Gaßion nicht damit zufrieden »var , sagte der Cardinal Mazarin , der dabey stunde: Ich will selbst bürcze seyn.Aber Gaßion antwortete ohne vedencken: Gc» soll Ich michbetrügen lassen '( denn wer eine mächtigere caution an-bietet', als der Credite ist, hat keine rechte lust zu be-zahlen * ich muß einen bürgen haben, den ich zwingenkan, wann er nicht bezahlet. Er war auch so unbedacht,daß er ofttnals in gegcntvart des Mazarin die grossen qualitä-ten des Richelieu erhöbe, »velches jenen nicht wenig verdroß.Ja , er nennte ihn einen äffen des Richelieu, der aber nur dierothe färbe mit demselben gemein habe. Als einsiuals eine or-dre von Hof kam, die ihm nicht anstünde, sagte er: Diß könn-te von niemand anders herkoinn»en , als von einem un-wissenden Pfaffen, oder von einem Italiänischen coyon.Weiler sich nun dengantzen Hofund alle Generals zu feindengemacht, konnte ihm sein Unglück nicht fehlen. Dann feinefeinde brachten ihn in den verdacht, als wann er mit den Hol-ländern in tractaten stünde, um ihnen Courtray zu liefern, unddaß er mit der gantzen armee untreu »verden »vollle. Der Car-dinal war deswegen zweymal »villens ihn arrestiren zu lassen;verschob es aber noch auf eine kleine zeit, bis er mehr crläute-rung von der fache »vürde bekominen haben. Ob er nun ivolhierinn unschuldig befunden wurde, »var dxr Hof doch »villensihn abzufetzen, und >venn er nicht darzlvischen gestorben wäre,hätte er seinem Unglück nicht entgehen können; »vie dann derCommendant zu Arras , »vohin er sich nach seiner letzten blessurbegeben, bereits ordre bekommen, ihn zu arrestiren. Du Prat,elog. du Marechal de Gaffion , impr.ä Paris an. >6^4. Amn.histoire du Marechal de Gaffion. Ä ’iri, Mercurio de tempi cor-renti tom. X. Vajsnr , histoire de Louis XIII . Aufatme, histoir.geneal. de la Maison de France tom. I.
* (Bctlt, (Abraham ) »var zu Scbwibus in Schlesien ge-bohren, und studirte zu Gvrlitz unter Mylio, einem in der Lau«sitzlschen Historie sehr erfahrnen »nann. Er fetzte seine stndicnferner zu Franckftwt fort, da er in der Jurisprudemz, Orato-rie, Poesie und Music treflich zuqcnominen., Er »vurde dahernach Gubcn zum Syndico und Asseffore der Königlichen Landes-Regierung in der Nieder-Lausitz beruffen.^ Erbat AnnaliumGoerliceniium brevem Deductionem 5« Erfurt r z 86 . in Versenheraus gegeben , die mehrentheils aus Manlio genommen sind.Sie stehen auch in Hofmanni script. rerum Lusatic. tom. l.P. II. p. 101. sqq. Aenelius, Sileiiograph. p. 547.
* Gastaud, ( Francifcns) »var zu Aix in Provence auö ei-ner angesehenen familie gebohren, und begab sich in dem 14.jähre seines alters in dje Eo>»gregation des0ratorii, die er abernach fünf jähren wieder verließ, als er in derselben sowol diePhilosophie als Theologie gehöret hatte. J»»desse„ »vicdmeteer sich doch dem geistlichen stände, und legte sich zu PariS msondcrheit a»>fs predigen , »vorinnen er auch theils wegen sei-nen guten äusserlichen gaaben, theils aber »vegen ieincs gründli-chen u»»d aufge»veckten vortraqs, einen grossen bcyfall angetrof-fen. Hierauf verfügte er sich an. 1700. wieder in feine vatter-stadt, und weil um diese zeit sein älterer bruder, ein berühmterAdvocat, initttode abgegangen, studirte er die Rechtsgelehrstrm«keit, und ward, nachde»n er mittlerweile eine difpenfarion ausRom erhalten, zu Aix unter die Parlements-Advocatcn aufge-nommen. Hieselbst nun that er sich in unterschiedenen wichtigenRechtssachen hervor, »vurde aber endlich an. 1727. und sodannzunFalldern mal an. 17z». nach Viviers verwiesen, all»vo er auchden 18. mertz an. 1732. das zeitliche gesegnete. Seine fchrif-ten sind: Elnesainmlung, von feinen Predigten über die Epistelan die Römer in zwey bänden; Defenfo du Discours de Mr.de Gaufridi &c. La Politique des Jesuites demasquee , con-
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