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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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fett von Flandern , den derselbe mit feiner andern gemahlin,Isabella von Luxemburg, genüget halte. Nachdem lhm seinvatler an. 1296. alles recht, so er an Seeland hatte, abgetre-ten , nahm er den titul eines Grafen von Seeland an , undverband sich hierauf mit seinen übrigen brudcrn wider denKönig von Franckreich, als derselbe an. 1299. seinen vatlergefangen genommen hatte. Er föchte auch an. i;or. in derfchlacht bey Tournay , darinnen die Franzosen den kürtzernzogen , mit grosser tapferkeit, und gieng darauf wider denGrafen von Holland , der sich von emigen Seeländtschen «n-suln meister gemacht hatte, zu felde. Nun brachte er zwardieselbe an. izo;. bald wieder unter seine dotmäßlgkeit, alleinnrcht lange hernach hatte er das Unglück, daß er nicht nur in ei-nem see-gefechte geschlagen und gefangen , sondern auch nachParis gesandt wurde, um daselbst seinem vatler und beydenbrüdern gesellschafft zu leisten. An. i;o;. erlangte er durch denzu Alhies-lur-Orge geschlossenen frieden seine freyheit, machtean. i zc-9- unterschiedliche geistliche stiftungen , und starb, wieman will, an. i;io. in Italien . Dieses ist gewiß, daß erohnverehltchet mit tobe abgegangen, und im oclobr. des jetztbe-sagten iahrs nicht mehr am leben gewesen. Anseime , hist. ge-neal. tom. II. p. 75 a. seq.

. * Guido von Hcnnegau, Bischoff zu Utrecht , war derjüngste söhn Johannis von Avesncs I. Grafen von Hennegau ,von dessen gemahlin Adelheid, Florentii IV. Grafen von Hol­ land , tochter. Nachdem er eine zeitlang Canomeus und Schatz-meister zu Lütlich gewesen, wurde er daselbst, nach seines Vet-ters , Johannis von Flandern , an. 1290. erfolgtem tove zumBischoff erwehlet, fand aber sehr grossen Widerspruch, undkam es endlich dahin, daß der Papst Bonifacius VIII . an. 1296.seine wähl vor nichtig erklärte. Vier jähr hernach wurde erdurch hülffe seines bruders , Johannis II. Grafen von Hen­ negau , Bischoff zu Utrecht , und nahm dieses Stift an.izoi.in besitz. Er stund hierauf diesem seinem bruder an. 1,02.in dem kriege wider den Grafen von Flandern bey, wurdeaber gefangen, und erst nach dem an. i;o;. im jun. geschlos-senen frieden wieder los gelassen. An. ijn. wohnte er demContilio zu Vienne bey, woselbst ihm der Papst Clemens V. den Cardinals-hut anbot, den er aber anzunehmen bedenckentrug. Jmmiltelst erklärte ihn Philippus der schöne zu sei-nem Rath, und gedachte ihn bey sich zu behalten; alleindie öftern einfülle der Friesen nöthigten ihn , in fern Biß-thum zurück zu kehren, da er denn, um diese feinde abzu-halten , die schlösset Tollenbourg , Stoutenbourk und Gorrenanlegte, denen von Utrecht aber ansehnliche freyheicen er-theilte. Er starb endlich an. 1317. den 29. may plötzlich, undwurde in -er Cathedral - kirche zu Utrecht beerdiget. Seinenatürliche tochter, Maria, ist mit Giselberto von Amstel,Herrn von Jselstein, verheurathet worden. Anseime , hist.geneal. tom. II. p. 780.

* Guido, mit dem beynahmen von Siena , weil er ncm»lich aus dieser stadt gebürtig, war ein berühmter mahler, undverfertigte an. 1221. ein Marien-bild mit dem kiudeJEsu,welches ehedcssen vor ein meister-stück gehalten worden , undin der kirche St. Dominici zu Siena noch zu sehen ist. Diestadt Siena rühmt sich dannenhero, daß sie in Italien die Mah-ler - kunst zuerst wieder hergestellt; die Florentiner aber wollenihnen diese ehre streitig machen , weil Guido keine schüler hin-terlassen; dahingegen ihrCimabus , der an. 1240. gebohren,viele andere und gute mahler gezogen, welche dieser kunst sehraufgeholffen. Mont-faucon , diar. Ital. p. jso.

Guidonis, sonst genannt de la Guionie, (Bernhard )war Bifchoffvon Tuy in Spanien , und nachmals zu Lodeve inLanguedoc , Dominicaner-ordens. Er war m einem kleinendorfe des landes Limosin , vhnfern Roche-Abeille von geringeneitern gebohren. Als er an. 1280. oder 128?. in den Dommi-caner-orden getreten , wurde er eine der grösten zierden inFranckreich , und stieg durch alle chargen seines ordens. Erlehrte mit gutem succeß , predigte mit sonderbarer beredlfamkcit,und schrieb verschiedene bücher, die von allen geliebt wurden.Papst Johannes XXII. brauchte ihn in verschiedenen wichtigenaffairen, und gab ihm das Bißthum Tuy in Gallicien , nichtaber das zu Tülle in Limosin, denn er Tudeniis genennct wird,nicht aber Tutelenfis, wie andere wollen. An. 1; 24. wurde erin das Bißthum Lodeve versetzt, welches durch des Johannisvon Texandria, eines Franciscaners von Cahors , tob vacantworden. Eben dieser Papst machte ihn auch zum InquisitorsFidei wider die Albigenser, so noch in Languedoc übrig geblie-ben waren, fragte ihn auch zum öftern um rath. Er hat vieleandere fachen geschrieben, als: de Conciliis ; de Officio Mis-te ; eine Chronologie der Bischöffe von Toulouse und Limoges ;einen Catalogum derer von Lodeve , de Vitis Sanctorum ; &c.Er starb den i;. novembr. an. im ein undsiedenzigstenjähre seines alters, und sein leichnam wurde in die Dominica-ner-kirche zu Limoges gebracht, wie er befohlen hatte, i'ianta .vit de la Pause , de Episc. Lodev. Sammartb. Gall. Christ.Leand. Albert. Vosjiuu

Gutenne, eine Französische provintz, welche den titul einesHernogthums führet. Sie wurde vor zelten Aquitania genen-net·,' wiewoi sie heut zu tage nicht so viel länder in sich begreift,als das alte Aquitanien . Plinius giebt ihr den nahmen Aremo-rica. Das insonderheit sogenannte Guienne »st eigentlich dieHistor. Lexieon lll. Theil»

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Landvogtey von Bourdeaux; was aber insgemein diesen nah-men führet, flösset westivärts an die offenbare fee, südwärtsan die sogenannte Eandes und Gafcogne, ostwärts an Perigordund Quercy, und nordwärts an Saintonge . Das land ist an-muthig und fruchtbar, die tust lieblich und temperirt, und dasvolck sinnreich; doch beschuldiget man sie, daß sie allzu venvegenund unbcbachlsam seyn, und gewaltig prahlen , wann sie dieoderhand haben. Diese landschafft fasset in sich Bourdelois,Medoc, Bazadois , Agenois und Condomois nebst der zwischenzwey seen liegenden gegend, I'Entre deux Merz gencnnel. Diehaupt-stadl ist Bourdeaux, woselbst auch der Ertz-Bischöff-liche sitz und das Parlcment ist, die übrigen sind Agen, Condom ,Bazas , nebst Marmande , St. Foi, Libourne , Bourg an der fee,Nerac , rc. Die Römer gaben dieser provintz den nahmen Aqui­ tanien wegen ihrer wasser. Sie erstreckte sich vor Augusti zeltennicht weiter als was zwischen dem Ocean, dem Pyrenäischen ge-durgeundder Garonne gelegen; selbiger Kayser aber fügte nocheinige völcker bey. Die W.est-Gothen nahmen es den Römernab, bis der König Clodoväus sie von dannen vertrieb. Nach-mals hat dieses land seine eigenen Hertzoge gehabt. Sonderlichreden die scriptores von einem gewissen Basolo, welchen Clodo,väus zu Sens ins gefängnis bringen lassen. Aimotnus redetvon Willichario , und Gregorius Turoneniis gedencket des Re«gnovaldi und Ennodit. Man findet nachgehcnds von dem Sa«dregifclo, Bertrando , Bugifo, Agalfio, Abdone und Rivino,man kan aber nichts gewisses von ihnen sagen. Von den Hertzo-gen von Aquiranien ist an seinem orte gehandelt worden; dieaber von Guienne oder Aquitama sccunda stammen von den erb-lichen Grafen von Poitou her. Renaldus, Graf von Herbau-ges , wirb Graf von Poitiers und Marquiü von Bretagne ge.nennet. Er schlug die Normänner den 20. aug. an. 8;;. undwohnte an. 841. der fchlacht bey Fontenay bcy, und erhieltnachmals die Graffchafft Nante, so dem Lamberto genommenwar, der ihn aber den 2;. jnn. an. 84;. umbrachte. Seinesöhne waren Herveltus , welcher an. 844. oder 84z. durch ebenden Lambertum hingerichtet ward, und Bernhardus, Graf vonPoitters. Dieser vermählte sich mit der Bilichilde, Gosseltni,Bischvffs von Paris , schwefter, mit welcher er zeugte Ranul-phum 1 . von dem hernach ; Bernhardum , Grafen von Auver-gne; Emcnonem, welchen Papst Johannes VIII. in den bannthat, weil er sich mildem bastarb Hugone, des Königs Lotha,rii söhn von der Valdrade, verbunden hatte; und Gosberlum.Ranulphus I. war Graf von Poitiers und Abt zu St. Hilaire.Unterschiedene neuere audores melden, daß der König CarolusCalvua ihn zum Hertzoge von Guienne gemacht. Er wurde vonden Normännern den 6. nov. an. 882. bey Brillac geschlagen.Ein jähr hernach schickte er eben demselbigen Carolo Calvochenjungen Pipinum wieder zu, welchen er gefangen bekommen. Alser aber nebst Roberto Fort, mit den Normännern in einem dorrfe, Biserte genennct, in Anjou gelegen , abermals schlug, em-pfieng er eine wunde, an welcher er im jul. an. 8S7. starb. Erhinterließ Ranulphnm II. von dem jetzo ; Gosbertum, dessenRegino gedencket; und Eblonem, Abt von St. DenyS, vonSt. Hilaire in Poitiers , rc. welcher Paris wider die Normän-ner defendirte, und an. 8y;. bey belagerung des fchlosscs Bril.lac in Poitou getödtet wurde. Ranulphus II. bekam mit demKönige Eudone zu thun , welches den krieg in sein land zog,und nachmals , als er selbigem folgte, wurde er 894. mit gifthingerichtet. Man hält davor, baß er sich mit Adelheid! soman vor des Kayfers Ludovict Balbi tochter ausqiebt, vermählethabe, mit welcher er Eblonem, Grafen von Poitou und Her-tzog von Guienne, zeugte. Sein valter recommendirte ihn aufseinem tod-bcthe dem Grafen von St. Gcraud, Herrn vonAurillac . Dieser schickte ihn Wilhelm dem frommen , Grafenvon Auverqne, zu , der auch Heryog von Guienne war. Eblovermahlte sich mit Aremburge, nachmals mit Aemiliana, welchean. 9 >2. lebte, und zum dritten mal mit Hedwig, Königs Eduar-di des ältern aus Engelland tochter, mit welcher er zeugte Wil-helmum, der wegen feines weiffen Haares der siachs-kopf ge-nennet wurde, und Eblonem, Bischoff von Limoges , Abt zuSt. Maxent, so.um das jähr 97;. starb. Wilhelm, GrafvonAuvergne und Bourgogne der l. dieses nahmens , Hertzog vonGuienne, rc. defendirte sein volck wider den König Radulphmn,schlug die Normänner, stsstete und restaurirte an. 910. die Ab,tey Eluny, die Probstey Saucillanges, an. 916. und starbohne erben. Seine gemahlin war Jngelbergis. Ihm sncce-dirte sein vetter, Wilhelm II. von welchem die alte» Genealo,giften nichts wissen. Die neuern aber beweisen aus einigen Ur-kunden, daß er den König Radnlphum an der Loire , allwo erzu ihm gekommen, vor seinen König erkannt, und an. 927. ge-storben sey, seinen bruder Alfredum zum erben hinterlassend.Wilhelm III. auch der flachs-kopf genannt, war Hertzog vonGuienne. König Lotharrus ließ sich durch seinen vetter Hugo-nem den weisen bereden, daß er ihn mit krieg überzog, vertrugsich aber wieder mit ihm, daß er ihm auch an. 96;. in der bela-gerung Vitry beystunb. Als er von dar wieder zursick kam,faßte er die resolution, sich in ein kloster zu begeben , gieng auchin die Abtey St. Cvpriani zu Poitiers , und darauf zu St. Marxent, allwo er in demselbigen jähre verstarb. Dieser Hertzo,1 er.bantewleder die Adrcy von St. Jean d'Angeli, so durch die Nor,männer ruinrret war. Er vermählte sich mit Adelheid aus derNormandie , Gerloc genannt, Roüonis tochter von der Pove,mit welcher er Wlihelmum IV. zeugte; Jozelin, welcher zum

Lt ii Grafen