Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

30. b i r

Ollen gelegen. Man beobachtet, daß das schloß anfänglich vomKöniglich-Französischen Haus - Hofmeister oder Major Domüs,Pipino (der hernach an. 752. nach verstossung des rechtmäßigenKönigs Childrichs, selbsten König in Franckreich worden ist) er-bauet , und zu einem jägerhaus gemacht und gebraucht wordenseye. In den alten documenten der Stift Münster in Granfel-den, wird die lands-gegne, so nun die Landvogtey Bipp begreift,Comitatus Pippinensis genennct. Sie war vor diesem ein ei-aenthum der Grafen von Vroburg und Neuenburg,aus welchensie besessen hatte GrafVollmar an. 1313. desgleichen Johannesund Hermann an. 1322. Von ihnen ist sie an die Grafen von Thierstein gefallen , aus welchen Graf Simon selbige an. 1329.besessen, dessen gemahlin Verena, eine gebohrne Gräfin von Ny-dau, samt ihren söhnen Otto und Simon, haben solche an GrafRudolff von Neuenburg und Nydau, (der der Gräfin bruderwar) an. 1338. und fernersan. 1333· pfandsweis übergeben;aber nach seinem absterben, fiel fie wiederum an die Grafen von Thierstein , und hat Graf Simon selbige an. 1379. seinerMutter schwestcr, Anna, gebohrner Gräfin von Nydau und ver-wiltibten von Kyburg, wie auch ihrem söhn Rudolff, Graf zuKyburg, verpfändet oder verkauft. Von diesen: ward fie an.,;8s. dem Ertz-Hertzog Leopold von Oesterreich übergeben, alsvon dem sie ferners an. 1396. dem Schultheißen zu Freyburgin Uchtland, Wilhelm von Thudingen, zu bewahren zugestelltworden. Hernach an. 140;. hat gemeldter Ertz-Hertzog selbigedem Graf Ego von Kyburg versetzet,und an. 1406. ward von de-nen Grafen Ego und Berchthold das darinnen gelegene dorfNteder-Bipp an Conrad von Lauffen, Edelknecht und bürgerzu Basel , verkauft. In eben diesem jähr hat Graf Ego seinrecht und antheil an dieser Herrschafft Bipp, den beyden städ-ten Bern und Solothurn für geleistete dienste schenckungs-weisübergeben, jedoch mit vorbehält 2000. gl. losung dem Ertz-HausOesterreich abzustatten. Nach dieser vergabung aber überliessengedachte beyde statte, ermeldten beyden Grafen und ihren söh-nen, diese Herrschafft als ein leib-geding. An. 1407. erfolgte derverzüg, den das Ertz-Haus Oesterreich durch Hermann Grafenzu Sultz, Oesterrcichischcn Landvogt in Schwaben und im Er«göw, auf diese Herrschafft zu gunsten beyder statten gethan. An.1410. schenckte schon gemeldter Graf Ego seine an der vesteBächburg und dem schloß Fridau habende rechte der stadtBern, und an. 1411. übergab Ertz-Hertzog Friedrich aufgleiche weise seine auf der Herrschafft Bipp habende pfandschafft,an den Grafen Otto von Thierstein, welcher in gleichem jähr diegantze Herrschafft Bipp der stadt Solothurn verkaufte. Wor-auf beyde statte Bern und Solothurn wegen des von Oesterreichan Bern geschehenen Verzugs in etwas streit gerathen, sich aberan. 14:;. dahin vereinbaret, daß sie diese Herrschafft zugleichbezahlen, und also gemeinschafftlich mit einander besitzen sollten.Sie kauften auch in gleichem jähr, von Cuntzli von Lauffen,Edelknecht, bürgern zu Basel , das schloß Neu-Bächburg, undbeherrschten solche Herrschafft auch gemeinsamlich. Hernachan. 1416. verkaufte Fr. Margareth von Iffenthal, Hemmansvon Landenberg, Ritters, wiltlb, der stadt Solothurn das schloßAlt-Bächburg. Endlich an. 146;. schritten die beyden stattezur theilung, also daß Solothurn Bächburg behalten, und Bippan Bern überlassen. An. 1508. kauften sich die in das amtBipp gehörige leuthe von der leibeigenfchafft los, jedoch fo, daßsich die Obrigkeit eine jährliche steuer auf jeden köpf, wie auch ei-nen gewissen Pfenning nach absterben eines jeden haus-vattersvon dessen erb-guth zu beziehen vorbehalten. Die kopf-steuer aberward ihnen 12. jähr hernach wieder erlassen. Die Herrschafftbegreift 2. grosse kirch-spiele, worinnen das städtlein Wietli-fpach gelegen. Stumpf, lib. VII. p. 235. Urßis chron. Basil.lib. I. p. 4 6 . Stettler. chron. Bern . P. 1 . p. ivg. Schilling, chron.Mscr. Khan. annal. Heb. Docum. publ. *

Birago, (Renatus) ein Cardinal, war aus einem geschlecht,so es jederzeit mit Franckreich gehalten, zu Mayland gebohren.Als er sich dem grimm Ludovici Sfortiä zu entgehen nachFranckreich geflüchtet, machte ihn Franciscus I. als für welchendieser samt dem gantzen Haus der Biraguer sich in den May-ländischen Händeln gäntzlich aufgeopfert hatte, zum Rath imParlement zu Paris , hernach zum Surintendanten äs Ia juili-ce, und zum Präsidenten im Rath zu Turin . Er schickte ihn auchauf das Concilium nach Trident, und darauf nach Lion widerdie Reformisten. Carolus IX. bestellte ihn an. 1370. zum Sie-gel-verwahrer, und 3. jähr darnach zum Cantzler von Franck-reich. Henrieus III. brachte ihm an. 1378. den Cardinals-hutzuwege, da Birago die siegel-verwahrung aufgegeben. Übri-gens hatte er auch die Abteyen Flavigni, Long-pont, St. Pier-re zu Sens, und die Priorey zu Souvigni. Er starb den 24.nov. an. 1 383. im 74. jähre seines alters. Von sich selbst soll erhaben zu sagen pflegen: Er wäre ein Cardinal ohne titul,ein Priester ohne Beneficio , und ein Cantzler ohne siege!.Die Franzosen wissen durchgehends gar wenig von diesem mannzu rühmen, wenigst von der zeit an, da er sich in Franckreich re-lirirt; wie er dann der Königin Catharina von Medieis in al-lem zu willen gewesen, und solche fachen versiegelt, welchen keingebohrnerFranzos,der nur einige liebe für sein vatterland gehabthätte, jemal das siege! wurde aufgedruckt haben. Zu entschul-diguna dessen pflegte er zu sagen: Er wäre nicht Cantzler vonFranckreich, sondern Cantzler des Königs von Franckreich, sodoch falsch und wider den klaren zweck dieses hohen amts lauffet.In ansehung seiner erlangte auch Horatius Birago, »ein Vetter,das Bißthum Lavaur. Dieser war ein söhn Hieronymi, Rit.ters des vrdens St. Michael, und ein bruder Ludovici, Abts zu

b i r

Flavigni, und Pompeji , Abts zu St. Vincent. Jean de Mau.mont & Thevet , in seinem leben. Brav torne. Thuan. Aubery,P etrameüarius. La Croix du Maine 'esc. *

* Birago, (Lapus von) von Castiglivne in dem Florenti,nischeu gebürtig, lebte um das jähr 144°. und übersetzte die Rö-mischen antiquitate:: des Dionysii Haluarnass. nebst unterschied-lichen aus den leben der berühmten männern Plutarchi; er hataber weder gute latinität, noch ist ihm in seinen Übersetzungenin allem zu glauben; dann weilen er die gaaben zu dieser arbeitnicht hatte, und sich an die terminos seiner authorum bindenwollte, so gab er ihnen nicht den eigentlichen verstand, undbenahm ihnen alle annehmlichkeit. a. j. Voßus , de Hiftor.Latin. lib. 111. c. 10. Kcemg , biblioth. vet. & nov. D. Buetius,de dar. interpret. lib. II. pag. 164. BaiBet, jugemens des Sa-Aans für Jes traducteurs Latins art. 804.

* Birbiesca, ein feiner aber offner marckt-flecken in Alt-Ca-stilien, in Spanien , zwischen Miranda d'Ebra und der stadtBurgos , welcher denen von Velasco gehöret, und ein schönesFranciscaner-kloster hat.

Bircherodius, ( Janus ) war zu Birckeröd in Seelandvhnfern Friedrichsburg an. 1623. gebohren, aüwo sein vattergleiches nahmens Prediger war, der ihn an. 1633. nach Her-low in die schule geschicket, allwo er verblieb bis an. 1640. daer auf die Academte nach Coppenhagen gezogen, woselbst er an.1641. Baccalaureus Philosophis worden. An. 1646. gieng ernach Leiden in Holland , und hörte Salmasium, Hcinfium,Boxhornium und andere. An. 1648. that er eine reise durchdie Spanische Niederlande nach Franckreich, von bannen er imfolgenden jähre zu Hause wiederum ankam, und etliche jähre diePhilosophie privatim lehrete. An. 1631. wurde er Magister undRector der schul zu Slagels. Er blieb aber nicht darbey, son-dern nahm noch eine reise durch Holland , Franckreich, Teutsch-land und die Schweitz vor , und kam erst an. 1637. wieder nachhaus. An. 1638. würde er nach Coppenhagen zur philosophi-schen Profession beruffen, und an. 1660. bekam er Graecam. An.1668. wurde er Professor Theologiae, und an. 1673, Doctor.Er starb endlich an. 1686. verschiedene schriften hinterlassende,als da sind: r. ) de vera Natura Philosophis. 2.) Collegium Phy-sicum. 3. ) Collegium Ethicum. 4. ) Synopsis locor, commun.theologicor. 3. ) Sacrarum Antiquitatum de ortu mundi Vesti-gia in Hesiodo aliisque Poetis Graecis. 6. ) de Graecanicis qui-busdam Antiquitatibus circa ludos veteres Gymnicos. 7. ) Dia-tribe de Legis Mosaicae divina origine & auctoritate.) LumenHistoriae Sacrae. 9. ) Fides Evae de Messiae divina natura &c. Pip~ping. memor. Theol. p. 149. Witte ^ diar. biogr. ad an. 1686. *

* Bircherodius, ( Thomas Broderus) Magister Philoso­ phi « , und Rector der schulen zu Ottensee in Fünen, wie auchProfessor Eloquentiae des Gymnasii daselbst. Er besaß einegründliche wissenschafft in den alterthümmern, der natur-leh-re und den Morgenländischen sprachen, und ist an. 1731. ver-storben. Man hat auch von ihm den entwurseines tractats deCornu bus & Cornutis , Und ein Specimen antiquae Rei Mone-tär!« vanorum , Coppenhagen 1701. in 4to. Sonst hat erauch viele andre philologische, historische und antiquarischeschriften hinterlassen, deren Verzeichnis Rauppach de prasentistatu rei litterariae in Dania, p. 106. und die von ihm Übergän-gen worden , Thura in idea hist. littet. Danorum erzehlet. Ge-lehrte Zeitung 173 t- 9- 389-

* Birchilo, oder Birctilo, ein söhn Guntrami, Grafenvon Habsdurg, wird von etlichen vor den stamm-pflantzer derHertzoge von'Zähringen gehalten, und hatte im Eltzen-thal sei-nen Hof-sitz , lebte UM die Mitte des X. feculi. Speneri syllogegeneal. hilfor. p. 7. Lucä Fürsten-saal, p. 113.

* Birckbeck, (Simon) ein Englischer Baccalaureus Theo-logi« und Vicarius der kirchen zu Gollingen und Forcet, warzu Hombei in West-Morland gebohren, und starb an. 1636.den n. sept. Er ließ in Englischer spräche Vindicias Protestan-tium, Londen 1623. 1634. 1633. in 4to; und cum additamen-tis 1637. in fol. Reiponsionem contra Antidotistam Pontifi-cium , ib. 1637. Confirmationes cordis und einen tractat deMorte , Judicio , Inferno & Crelo. Wood.

Bircken, (Sigmund von) sonst auch Betnlius genannt,welchen nahmen sein groß-vatter an statt des Teutschen Bircke-ner angenommen, war zu Wildenstein, einem marckt-flecken inBöhmen , i. meile von Eger gelegen, den 23. apr. an. 1626. ge-bohren , und muste in seinem dritten jähre wegen der religionqus seinem vatterlande weichen. Als er hierauf nach Nürnberg kam, wurde er von Dilherro und Wulfero zu der hohen schulevorbereitet, zog auf deren einrathen an. 1643. nach Jena , undtrieb allda die Rede-kunst, Philosophie und Rechtsgclehrsamkcik.Doch im oct. des folgenden jahrs muste er, wegen Mangel derMittel, wiederum nach Nürnberg kehren. Weil er nun vonjugend auf einen trieb zur Poesie, und sonderlich zur TeutschenTicht-kunst gehabt, so wurde er Hardsdörffcrn und Clajo, so da-zumal in der Teutschen Poesie etwas thaten, bekannt, und an.1644. in den Pegnitz -schäftr-orden, unter dem nahmen Elo-ridans , aufgenommen. Hierauf gieng er nach Wolfcnbüt-tel, aüwo ihn Hertzog Augustus zu seiner beyden Prtntzen, An-ton Ulrichs und Ferdinand Albrechts, Informator ernannte,und ihm nach einiger zeit, da ihm das hos-icben mißfallen woll-te , mit vielen gnaden-bezeugungen abschied gab, da er denn ei-ne reise nach Nieder-Sachsen that, und inzwischen nach Dan-nebcrg, eine Mecklenburgische Printzcßin daselbst zu unterrich-ten, beruffen wurde. Weil man hierauf zu vollztehung des

Osna-