Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

52 b l a

woselbst der König Andreas I. ein kloster gestiftet, nur aufMey Ungarische meilen. Er ist reich von allerley fischen, manfindet auch otter und biber darinnen. Bey den Alten hat erLacus Volctea geheissen. Ranzani epit. Hung. StubelsHung. p. ,05.

Blau, oder Blaauw, oderJansson, (Wilhelmus) ge-nannt Ianffonius Cäfius, ein berühmter buchdrucker zu Amster­ dam , und sonderbarer freund Tychonis Brahe, hat fich durchschöne gedruckte fachen, insonderheit seinen Atlantem, den tractatde Globis, unterricht von der Astronomie, rc. bekannt gemacht.Er starb den 18. oct. an. 1638. im 67. jähr seines alters. Seinesöhne, Johannes und Cornelius, setzten ihres vatters arbeit fort.

Vojs. de scient. math. c. 36. & 44. &c.

Blau, ein fluß in Schwaben , welcher bey Blaubeuern un-ten an einem berge entspringet, und unweit Ulm in die Do­ nau fällt. Der ort, da er hervor quillt, wird der blaue topfgenennet.

+ Er hat drey rare und besondre eigenschafften, welche beyandern Offen nicht leicht anzutreffen, i.) Ist die quelle dessel-ben , welche ihres weiten umfangs willen mehr einem kleinensee, als dem Ursprung eines flustes gleich ist, nach vielen mitdem bleywurf gemachten proben unergründlich. 2.) Sieheteben diese quelle sowol in der nähe als ferne gantz Himmel-blauaus. 3.) Ist selbiger nächst bey seinem Ursprung schon so groß,daß er gleich unter dem kloster Blaubeuern etliche mühten trei-bet. M. Stein-meeg. manuscript.

Blaubeuern , Blaubüren, tat. Burrhonium , Blaubur-nium, Blabyrium , eine kleine stadt in dem Hertzogthum Wür-temberg, an dem kleinen fluß Ach gelegen. Sie ist zwey meilenvon Ulin entfernet, und hat ein schloß, welches ausserhalb derstadt auf einem Hügel stehet. Ehe noch die stadt erbauet war,befand sich hier ein Benedictiner-kloster, welches ums jähr 1095.von Anshelmo und seinen beyden söhnen, Henrico und Hugone,Pfaltzgrafen von Tübingen , und Grafen von Rugka, sundiretworden. Die stadt aber soll unter dem andern und dritten Abt,welcher diesem kloster von an. noi. bis 1122. vorgestanden, ih-ren ansang genommen haben. Der ort hat erst denen von Oe­ sterreich gehöret, welche ihn nebst Stauffen und Achalm an dieHerren von Riedheim versetzt, so es gegen den pfand-schillinq anWürtemberg überlassen. Seit dem sind die Hertzoge im besitzgeblieben, bis 1637. Oesterreich seine prätension wieder hervorsuchte, und die stadt samt ihrem zugehör ohne ersetzung despfand-schillings behalten wollte, welches Würtemberg muste ge-schehen lassen, bis in dem Wcstphälischen frieden alles restituirtwurde, wiewol sich Oesterreich sein recht ausdrücklich vorbehiel-te. Inzwischen sollen die von Würtemberg die Verpfändungnicht geläugnet, sondern nur vorgewendet haben, daß sieden Ver-lust des pfand-schillings um Oesterreich nicht verdient hätten.Daher man nicht weiß,was Crusius haben will, wenn er schreibt,daß an. 1447. Graf Conrad von Helffenstein, Ludewigen, Gra-fen von Würtemberg, die stadt Blaubeuern verkauft. Das ob-gedachte nahe bey der stadt gelegene Brnedictiner-kloster hat manzu einer Fürstlichen land-schule gemacht, welcher ein LutherischerPrälat vorstehet. Siedet, theatr. pratens. lib. II. s. 1. c. 13.Obrecht, ad instr. pac. Osnabr. art. IV. §. 24. Lundorp. tom. IV.act. publ. lib. III. c. 89· n. 6 . Cruf. paral. p. 99. StumpfiiSchweitz. ehr. Felix Fahrt, in Bill. Suevor. Bruschtus, in chro-nol. Monast. Germ. p. 69. & 71.

t Das kloster ist nach der Reformation in ein Gymnasiumoder land-schule verwandelt worden , und stehet unter der in-fpection eines Prälaten, ist auch mit zwey klosters - präceptorenversehen. Die Evangelische Aeble sind gewesen, 1.) Dr. Mat-thäus Aulber, starb an. 1370. 2.) Alexander Bleßing, welcherauch die Form. Goncord.unterschrieben, starb an. 1384. 3.) Ioh.Schopff, starb an. 1621, 4.) Jacob Schopff, Iohannis john,ward wegen melancholey entlassen. 3.) Philipp Schickard,welcher an. 1630. krafft des Edicti restitut. das kloster einemCatholischen Abt einräumen müssen, starb 1636. 6.) JosephOsiander, wurde an. 1634. wieder ausgetrieben, und haben dieCatholische das kloster bis zu dem Westphälischen frieden beses-sen. 7.) Ioh. Phil. Hittstock, starb an. 1633. 8.) JerennasRebstock, starb an. 1660. 9.) ChristoffLindenmaier, ward her-nach Abt zu Hirsau . 10.) Ioh. Melchior Nicolai , ward her-nach General-Superintendent und Abt zu Maulbrunn, n.)Ioh. Jacob Müller. 12.) Joseph Cappef,hernach Abt zu Beben­ hausen an. 1673. 13.1 Ioh. Jacob Müller, hernach Probst zuDenckendorffan. 1683. 14.) Ioh. Joach. Bardili, welcher an.1693. von den Franzosen wegen der brandschatzung nebst andernals geissel mitgenommen, und nach Straßburg und Metz ge-führt, an. 1696. aber wieder losgelassen worden, starb ««.1703.13.) Iul. Friedr. Malblanc, starb an. 1710. 16.) MatthäusEsenwein, hernach Stifts.Prediger zu Stuttgard, und Abt zuHerrenalb , starb an. 1713. 17.1 Ioh. Wendelinus Bülfinger,starb an. 1722. 18.) Philipp Heinr. Weissensee, nachgehendsConsistorial-Rath und Abt zu Hirsau , kam zu ansang des febr.1741. als Probst nach Denckendorff. 19.) Phil.Ioseph Henisch,starb an. 1736. 20,) Ioh. Christian Lang, lebte noch «».1741.

M- Steinrveeg. manuscript.

Blauen, ist ein Horn, oder arm des Iurten-gebürgs, sosich für Basel hinab in das Leimenthal und Suntgöw ziehet.Essind vor altem viele schlosser daran gelegen gewesen,als Blomont,Fürstenstein , Schalberg, Monchöberg, Blauenstein, Rotberg

b l a

(sind zerstört und öde) Biederthan, Sterncnberg, Pfeffingrüund Landscron, stehen noch aufrecht, und zwar ist das letztereein vestes berg -schloß. *

Blauet, ein fluß in Bretagne , entspringt zu Grace, einemflecken in der Diceces von St. Brieux, gehet bey Pontivi undHennedont vorbey,und ergießt fich in dem haftn von Port-LouiS in das meer.

* Blauet, lat. Blavetum oder Blabiä, vor diesem, jetzo aberPort-Louis genannt, eine kleine stadt in der provintz Bretagnean der südlichen küste, zwischen Bannes und Qutmperlay inFranckreich, nebst einem vortreflichen haftn. Eigentlich heistder haftn Port-Louis , und das dabey gelegene meist eingegan-gene städtgen Blavet. Es ist dieser haftn an dem einflusse desflusses Blavet ins meer, von welchem auch dieses städtgen be-nennet ist. Es ist dieser ort heutiges tages einer der vestestenauf der küste von Bretagne . Im XVI. sicculo aber war ernoch nicht sehr bevestiget, doch da ihn die von der Gigue durchVermittelung des Hertzogs von Mercöur, damaligen Gouver-neurs von Bretagne , in Spanische Hände lieferten, bedientensich diese dessen gar wohl, bis er endlich an. 1398. durch denBervinischen frieden an Franckreich restituiret wurde, daraufihn denn zu ansang der regierung Ludovici XIII. die mißver-gnügten Printzen bevestigten, und also wurde er auch von demHertzog von Vendome, welcher einer von den vornehmstenMalcontenten war, an den Marquis de Cöurs übergeben;von dem Könige hernach zwar demoliret, aber da er seine im-portantz erkannte, wieder aufgebauet. Zu ansang des 1623.jahrs bekam derHcrtzog von Soubise,Benjamin de Rohan,diese stadt und haftn, in welchem sechs Königliche kriegs-schiffe wa-ren , ein, aber von der vestung muste er unverrichteter fachewieder abziehen, weil die Hertzoge von Vendome, von Ratsund Brissac den belagerten zu hülffe kamen, und die Huge-notten in die flucht schlugen. Der vorige König hat diesen ortvollends zur pcrfection gebracht, und ist diesem ort zur danck-barkeit der nähme Port-Louis beygelegt worden. Hist. remarq.ad an. 1699. p. 308. seq. De la Croix, geogr. univers. tom. III.c. 1. fünf. abtheil. p. 206. Audijfret , hist. & geogr. ane. &mod. III. 1. tom. II. p. 244.

Blaurer, (Ambrosius) war aus einem edlen geschlechte zuCostnitz den 4. apr. an. 1492. gebohren. , Er begab sich anfangsin das kloster Albersbach, auf der Würtembergischen grentze,als er aber Lutheri schriften gelesen , gieng er an. 1323. wiedernach seiner geburts-stadt. Worauf Ertz-Hertzog FerdinandusLandvogt im Hertzogthum Würtemberg, auf begehren des Abtszu Albersbach , von dem Rath zu Costnitz verlangte, Blaurernanzuhalten, daß er wieder ins kloster käme. Allein dieser führ-te in einer eigenen schrift alles an, was mit ihm vorgegangen,und setzte etliche bedingungen dabey, unter welchen er wiederins kloster kehren wollte. Weil aber selbige dem Abt nicht an-stunden, blieb er zu Costnitz, und lag den studiis ob. Als an.1328. zu Verneine disputation gehalten wurde, befand er sichwegen seines vatterlandes mit dabey, und vertheidigte die lehreLutheri wider die Catholischen, worauf man zu Bern und Cost.niy die messe, bilder, altäre und vorige ceremonien abschaffte,und ihn an dem letzter« orte zum Prediger bestellte. Als an.1331. zu Ulm die reltgions-anderung vorgenommen wurde,warder nebst Oecolampadio, Bucero, Zimbrechto, und Bartholomäovon Bibrach dahin beruffen,und ihnen aufgetragen, in der stadtund dazu gehörigem gebiethe zu predigen, auch die Haupt-pun-cte ihrer lehre in gewisse artickul zusa»imen zu fassen. Darüberstellte man eine disputation an, nach deren endigung die actadavon heraus gegeben, und die abschaffung der dinge, so manvor mißbräuche hielt, ins werck gerichtet wurde. Folgenbsward er zu einer gleichmäßigen Verrichtung nach Eßlingen undJßny beruffen, auch an. 1334. von dem Hertzoge Ulrico vonWürtemberg darzu gebrauchet. Ferner predigte er eine zeitlangzu Augspurg und Memmingen , und kehrte daraufwieder in seinvatterland, woselbst er nebst seinem bruder Thoma, so Büroer.meistcr war, in grossem ansehen lebte, und das predig-amt ver-richtete. Er behauptete auch an. 134«. auf dem GoIIoquio zuWorms seine lehre. AIs aber die stadt Costnitz gezwungm wur-de, das Interim anzunehmen, verließ er diesen ort, und begabsich in die Schweitz , allwo man ihn an. 1331. nach Viel zumPfarrer berief. Er ward zwar von bannen nach Myconii ab,sterben zum obersten Pfarrer naher Basel beruffen; aber wegenhohen alters und abnehmenden kräfften entschuldigte er sich solchestelle anzunehmen. Endlich als er alters wegen nicht mehr fortkonnte, zog er nach Winterthur zu seinen anverwandten, allwoer bald darauf an. > 3 64. gestorben. Er hat wenig schriften, alsnur einige predigten rc. hinterlassen. Seidan. comm. lib. VI. 21.&c Ptmtalem. prosop. P. III. Crusii annal. Suev. Adam. in vit.Theol. Scu/teti annal. Evang. ad an. 1328. & 1531. & 1334. Se-chen darf. hist. Luther, lib. III. §.8. &c. Freher. theatr. Hendr. *

t Er war aus dem geschlecht derer Blaarer von Wartensee ;'und hat heraus gegeben; Epistola exhortatoria ad EcclesiamConstantienscm ; Thesaurus spiritualis; Libellus consolat. deprspar. ferenda & afflict patienter ferend. Seine brieft werdenzu Bern aufbehalten. Dürstelers manuscript.

* Blaurerus, (Barcholomäus) ein berühmter Doctor Ju-ris von Costniv, hat um das iahr 1338. gelebt, und ist zu Jena Profesior, «»gleichen eben daselbst und zu Spener bey denGerichten Assessor gewesen, an welchem letzter» ort er auch ge-storben,

4