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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Dann erstlich wurde die Französische unter Petro Strozzi zumentsaft anruckende armee bey Marciano geschlagen. Und nach.dem hernach die Seneser neben ihrem Französischen Com-mendantcn Montluc für die rettung ihrer freyheit das äusserstegethan, musten sie letztlich durch Hunger gezwungen sich erge-ben an. 3 m Reiche machte Marggraf Albrecht von Brandenburg noch alles unruhig, und eben darum konnte derKanser an.i?;;. und i??4. keinen ReichS-tag zu stände bringen.Endlich ward an. 15??. einer gehalten, auf welchem der imPassauisthcn vertrage gemachte religio>-fricden bestätigt ward.Weil aber der Kayser durch die heftige gicht, die ihn Klagte,und durch die binnen den letzten jähren gehabte unglücklichebegebenheiren des regierens müde worden war, auch vielleichtdurch einige, die Philippum lieber hätten herrschen gesehen,angetrieben wurde, faßte er den schluß, sich der regierung zu be-geben, machte also mit Franckreich einen stillstand auf?. lahre,und übergab an. 1???. das Kayserthum seinem bruder Ferdi-nando; Spanten aber nebst den Niederlanden seinem söhnePhilippo, welches im ausgangc desselben iahrs zu Brüssel mitgrossen solennitäten geschahe. Hierauf begab er sich in daskloster St. Iusti, m Der provintz Extrcmadura auf den gren-tzen von Castilien und Portugall, war mit einer jährlichen pen-ston von 10000a. ducaten vergnügt, und soll die übrige zeit sei-nes lebens mit garten-werck und mechanischen Übungen zuge-bracht haben. Sonderlich hat er die letzten monate als einMönch gelebet, und sich nach der Ordnung der übrigen kloster-brüder gerichtet. Kurtz vor seiner letzten kranckheit ließ er sichein ordentlich leichbegängnis halten. Es sind einige scriben-ten, welche behaupten wollen, daß ihn die niederleguiig sei-ner Reiche gereuet habe, weil er theils bald, nachdem sie gesche-hen , sehen müssen, wie übel er bedient werde, theils auch her-nach mit der auszahlung des bedungenen jahr-geldes nicht all-zurichtig verfahren worden. Sein tod erfolgte den 21. sept.an. i??8. im ?y. jähre seines alters, und es haben einige vor-geben wollen, daß er in dem verdachte der Lutherischen religiongestorben. Dieses ist wol gewiß, daß man einige geistliche Per-sonen , die sich bey ihm befunden, als Constantinum Pen-tium , welchen einige für seinen Beicht -vatler ausgeben, wieauch den berühmten Bartholomäum Caranza, Ertz-Bischoffzu Toledo , und seinen Prediger Cagalla nachgehends in dieInquisition gezogen. Da denn Cacalla lebendig, Constanti-nus Pontius aber, weil er kurtz vorher gestorben, im bildnisverbrannt, und Caranza eine langwierige gefängnis ausstehenmüssen; wiewol jedennoch gewiß ist, daß solches ungewilterüber diese lenthe weder gleich nach Caroli tod, noch auch untermvorwand , als ob sie denselben zum irrthum oder ketzerey ver-führet hätten, erreget worden. Ja man hat auch gar desKaysers gedeine ausgrabcn, und sein testament als ketzerischverbrennen wollen, weil es nicht nach art der Römischen kircheeingerichtet gewesen, so aber noch von seinem söhne Philippoverhindert worden. Seine gemahlin war Jsilbella oder Elisa-beth , Emanuelis, Königs von Portugall, tochter, mit welcherer den 10. jan. an. 1526. beylager zu Sevilien gehalten; siestarb den 1. may an. i?;y. in der geburt eines Prinöen, wel-cher Ferdinandus qenennet wurde, aber auch gar'bald diewelt wiedrum verließ. Ihre übrigen drey linder, so zu er-wachsenen jähren kamen, waren Philippus II. so an. -527. zuDaltadolid gebohren, und ihm in der Spanischen Monarchiesucccdirte; Maria, welche an den Kayser Marimiltanum II.,und Johanna, welche an Johaimem, Jnfanten von Portu-gaü, vermählet worden. Sonst hat auch Carolus V. zweynatürliche kinder hinterlassen, davon er Margaretham, nach-malige Hertzogin von Parma, an. 1522. ehe er noch verheu-rathet gewejen, mit einer wittwe Madame äs Plumbes, oderwie andere meynen, mit einem Fräulein, Margaretha vonGest genannt; Johannem äe Austria aber an. 1547. in sei-nein wittwer-stande mit einem frauenzimmcr zu Regenspurg,Barbara Blumbergerm, gczeuget hat. Wiewol andere vor-geben , er sey eine liebes-fruchk von einer grossen Printzeßingewesen, deren nahmen niemand als der Kayser, der KönigPhilippus und des D. Juan pflege-vatter gewust, und habedie Blumbergerin nur zum deckmantel dienen müssen. DerPriamus Conrad, den einige noch vor des Kaysers natürli-chen söhn ausgegeben, ist zwar vom D. Juan vor seinenbruder, aber nur von der mutter, erkannt worden , und habendie überhaupt keinen gründ , die ihm, ausser obbenannten bey-den , noch mehr natürliche kinder bevlegen. Es ist dieserHerr unstreitig einer der gröstcn und lobenswürdigsten Prin-tzen gewesen. Er war in seinem goltesdienste sehr eifrig , undin den regierungs-gcschäfften unermüdet, von denen er sichnichts abhalten ließ , er liebte die gerechtigkcit, war scharfsin-nig , tapfer und vor aller gefahr unerschrocken. In essen undtrinckcn erwies er sich ungcmcin ntäßig, und ob er gleich dasweibliche geschlccht liebte, war er doch in seinen liebes-hän-deln sehr behutsam, und suchte auf alle weise das öffentlicheargernis zu vermeiden; so giebt man ihm auch das zcugnis,daß er zeit seines ehestandes gantz keusch gelebt. Seine ge-muths-art war zwar von nntur ernsthafft, jedoch hörte er die-jenigen gerne, die etwas bey ihm anzubringen hatten, und giengmit mnen bedienten jederzeit sehr gnädig um. So hielt erauch viel auf gute künste und wissenschafften , und übte sich son-derlich stets mit allerhand mathematischen dingen. Die arglist,die aus einigen seiner Handlungen hervor blickt soll er zum theilHistor. Ltxitm 11 Theil.

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aus lesung des Cominäi angenommen haben, zum theil ist sieauch wol feinen Spanischen Rachen zuzuschreiben. ZenocarusSandoval , Ulloa, Figveroa, Majexius , Litt , in dM lebens-be»schreibungen diefes Kavsers. Bruntöme. Joh. I.eonb. Weid. Do-min. Hispan. Sabimts , de elect. & coron. Car. V. Godelevaihiit. abdicationis. Thuanus. Meierai. S eidauus. Jovtus. Gute.ciardinus. Seckendorjs, hiitor. Lutheran. &c. *

* Carolus VI. Römischer Kayser, war der fünfte söhn desKayjers Leopoldi, und ein bruder Joftphi. Seine mutter warEleonora Magdalena Theresia, Churfürst Philipp Wilhelmszu Pfaltz tochter. Den r. oct. an. 168?. ü. n. ward er gcdoh-ren , und an. 1687. nach der crönunq Josephi zum UngarischenKonig, erhielt er den Ertz-Hertzoglichen titul. Er fieng fchonin seiner kindheit an die kriegs-udungen zu lieben, und erlern-te solche mit allem fleiß. An. 1694. ward ihm Anton Florian ,Fürst von Lichtenstein, zum Ober-Hofmeister, und der ?. An-dreas Bauer, ein Jesuit, zum Informator, bestellet. Manprägte ihm beyzeiten einen starcken eifer für die Catholische reli-gion, wie auch eine besondere Hochachtung gegen die Geistliche,sonderlich die Jesuiten ein , wobey man nicht ermangelte, ihnzugleich in den sprachen und andern wissenschafften zu un-terrichten. Der Konig von Spanien , Carolus II. übersandteihm den orden des güldenen Vliesses, wobey zugleich desselbenadsendung in Spanien verlanget wurde. Man konnte sichzwar damals nicht dazu entschliessen ; allein an. 1696. wurdeFerdinandus Bonaventura, Graf von Harrach , an den Spani-schen Hof gesendet, weil der König nicht nur ohne lcibes-er-ben, sondern auch ohne Hoffnung, solche zu bekommen, war. Esbemüheten sich zwar viele Grosse, daß er sich in ansehung derCron-folge für den damaligen Chur -Printzen von Bauern er-klären mochte, der von einer Oesterreichischen Printzeßin, derenmutter Königs Philippi IV. in Spanten tochter gewesen, ge-bohren war. Allein eine andre partey widersetzte sich dieser,und soll es würcklich dahin gebracht haben, daß der König ineinem testament den Ertz-Hertzog zum Nachfolger erkläret. Die-ses ward aber nachgehends wieder uingestossen, indem der Chur-Bayerische Erb-Printz, und nach dessn tod der zweyte söhn desDauphins, Philippus , zum erben der sämtlichen SpanlfchcnMonarchie ernennet wurde. Von diesen Handlungen allen wirdweitläufig in dem arttckul Carolus II. König von Spanien ,gehandelt, daher wir solche hier nicht wiederholen wollen.Stach des Königs tod entstünde der bekannte Spanische nach-folgungs - krieg. Philippus V. gieng sogleich an. 1701. inSpanien , und langte den 24. fcbr. zu Madrid an. Die Ge-neral-Staaten, wie auch König Wilhelm von Groß-Britannienerkenneten anfänglich Philippum, unterzeichneten aber sogleichdarauf die grosse alliantz mit den» Kayser. Der Hertzog vonMantua lieg Franzöfi,che trouppeu in seine residentz, und warddeswegen in dre acht gethan. Ehur-Evln nahm eben derglei-chen völcker, unter dem nahmen Burgundische kreis-trouppenern. Der Churfürst von Bayern nahm Französische partey.Printz Eugenius von Savoyen gieng hierauf über die Alpen nach Italien , und kam es bey Carpi und Chiari zu einem har-ten gefccht. In dem folgenden jähr geschahe die associarionder Rheinischen, Oesterreichischen, Fränckifchen und Schwäbi­ schen Kreisen, dabey dre disposition der gemüther in Teutscb-land ziemlich zu sehen war. In Italien wurde der Französi­ sche General, Marfchall von Villeroy, von den Teutsthen ausCremona heraus geholet. Philippus V. gieng persönlich nachNeapolis, und von dar nach Mayland, allwo es bey Luzarazwischen dem Printzen Eugenio und dem Hertzog von Vcndo-me zu einem harten treffen kam. Am Ober-Rhein belagerteder Römische König Joseph und Printz Ludwig von BadenLandau , welches capituliren muste. Es kam auch zwischengedachtem Printzen und dem Marfchall äs Villars bey Fried-lingen zu einer schlacht. Der Churfürst von Bayern überfielUlm , Kayserswcrlh aber kam an die Kayserlichen. In denNiederlanden führte der Hertzog von Marlborough das com-mando.. Man kan aber die weitere geschichten dieses kriegs inden artickuln Leopoldus, Iofephus, Euczentus rc. nachle-sen. An. 170;. ward der Ertz-Hertzog zu Wien zum Königvon Spanien , unter dem nahmen Caroli III. erkläret. Diesergieng hierauf über Holland , Engelland und Portugall nach Spa­ nien . Zu Lisabona gab er den 9. mcrtz an. 1704. ein mani-fest heraus, worauf Philippus V. durch ein gegen-maiiifest so-wol ihm als dem König m Portugall den krieg ankündigte.Den 4. aug. an. 1704. wurde von den Aüiirten die vestnngGibraltar erobert. Da an. 170?. Leopoldus gestorben, folgteihm in dem Teutschen Reiche Iofephus. Indessen eroberte Ca-rolus Barcellona, welches bald darauf vergebens von den Spa-niern belagert wurde. Die Portugiesen drungen in das Hertzvon Spanien ein , und liessen den 2. jul. an. 1706. CarolumIII. zu Madrid als König von Spanien ausruffen. Allein diePortugiesen wurden bald wieder von Madrid und derstlbengantzen gegend forgejagt, und Philippus V. hielte den 22. sept.schon wieder seinen einzug. In eben diesem jähr den 9. dec.starb Petrus II. König in Portugall, welches Carolum nichtwenig bestürtzte. Allein der neue König Johannes V. versicher-te nicht nur, daß er vest an der grossen alliantz halten wolle;sondern auch gesonnen sey, sich mit einer schwester Caroli zuvermählen. Er bekam zu gleicher zeit die erfreuliche Nachricht,daß erden i;. jan. 1707. zum Hertzog von Mayland erkläretRr, wor-

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