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worden, ingieichen, daß nach der Macht bey Ramelies dasmeiste von den Spanischen Niederlanden m der Atlnrlen Händegekommen. In Spanien aber bekam Philippus V. alles wie-der , nur Catalonien ausgenommen, indessen eroberte der En-glische Admiral Leake die insul Sardinien , und der GeneralStanhope die insul Minorca. An. 1709. ward der Papst ge-zwungen Carolum 111 . für einen Konig in Spanien zu erken-nen , und in dem folgenden jähr waren die Waffen der Allitrtenwieder glücklich. Philippus V. kam dadurch sehr ins gedrän-gt, und es hatte beynahe das ansehen, als würde er sich überdie Pyrenäischen gebürge reliriren müssen. Sein anschlag aufSardinien wurde durch den Admiral Norris zu wasser ge-macht. Carolus gieng ihm selbst zu leibe, und kam es beyAlmenara zu einem treffen, darin» Philippus den kurtzern zie-hen , auch sein lager im stich lassen muste. Ein gleiches ge-schahe bey Saragossa, worauf sich der groste theil AragoniensaufCarvli feite wendete, welcher seinen öffentlichen einzug zuMadrid hielte. Allein es währcte nicht lang, so war alles wie-der in Philippi Händen. Da solcher unter dem Hertzog vonVendome einen starcken succurs erhalten hatte, verliesse CarolusMadrid, und begab sich nach Catalonien . Auch hier verlohrer alles bis auf Barcellona und Tarragona . An. i?n. lang-te botschafft an, daß Josephus , der Kayser, todes verblichensey; Carolus verliesse hierauf Spanien . Er hinterließ seinegemahlin zur Regentin, und übergab dem Grafen von Stah-remberg das commando bey der armee. Den 12. oct. gedach-ten jahrs wurde Carolus zum Römischen Kayser, als dersechste dieses nahmens, erwehlet, welcher an eben diesem tag zuGenua an das land gestiegen war. Den 19. dec. erfolgte dereinzug zu Franckfurt, und den 22. die cronung selbst. An.1712. ernennete er 21. Fürsten und Grafen zu Rittern des gül-denen Vliesses, und begab sich noch im jenner nach Wien .Den 2;. may wurde er als König in Ungarn zu Preßburg ge-crönet. Indessen wurde der krieg annoch, obwol mit nicht son-derlichem glück, fortgesetzt. Zwischen Portugall, Spanien undFranckreich kain es noch dieses jähr zu einem waffcn-ftillstand.Der Kayser selbst muste sich zu einem evacuations-tractat vonCatalonien , Maiorca und Pvica verstehen, um die Kayserin,undseine darinn hinterlassene völcker zu retten. Die Catalonierwehreten sich zwar noch immerfort wider die Spanier . Alleinda an. 171z. der friede zu Utrecht unterzeichnet wurde, anbeyin fortsetzunq des kriegs zwischen Franckreich, Spanien unddem Kayser sich mehr muth als glück zeigele, mithin Landau und Freyburg verlohren gieng; wurde die friedens-handlung zuRastadt veranlasset. Diese wurde zu Baden in dem Ergöw fort-gesetzet , und zu end gebracht, also daß auch der Kayserl. Ge-sandtschafft aufgetragen wurde, von Reichs-wegen mit Franck-reich daselbst zu schließen. Hiedurch gelangete nun der Kayserzum besitz der Niederlande . Cöln lind Bayern wurde» restttuirt.Zu Utrecht wurde auch der friede zwischen den vereinigten Nie-derlanden und Spanien richtig gemacht. Doch wurde der kriegzwischen dem Kayser und Spanien fortgesetzt, und Barcellona von diesen letzter» endlich erobert. An. 1715. wurde wegen derNiederlande mit den General-Staaten unter Groß-Britan-nischer Vermittelung zu Antwerpen ein neuer barrier-tractat ge-schlossen , krafft dessen denselblgen in denen städten uitd vestun,gen Namur , Tournay , Menin, Fürnes, Warneton , Ipcrn, undkorrLnoke eine eigene garnison zu halten, zugestanden wurde.Bald darauf nahm der Marquis de Prie , der im nahmen desPrintzen Eugenii die Statlhalterschafft zu verwalten bekommenhatte, im nahmen des Kaysers von den Niederlanden besitz .Der zwischen der Ottomannischen Pforte und der RepublickVenedig entstandene krieg gab gleich anfangs das ansehen, daßder Kayser wegen der allrantz , darinn er mit dieser Republickstunde, in solchen wurde verwickelt werden; welches nachge-hends um so viel gewisser zu vermuthen war, weil die Pfor-te in einem einzigen feld-zug gantz Morea eroberte, auch demKayserlichen Residenten, welcher zum frieden rieth, sehr trotzigbegegnete. Der Kayser setzte sich daher bey zeiten in gute Ver-fassung. Der krieg wurde auch würcklich den 5. jun. an. 1716.wider die Türcken publicirt, und sogleich der feld-zug unter an-führung des Printzen Eugenii eröfnet. Den 5. aug. kam esschon bey Peterwaradein zu einer schlacht, darinnen die Tür-cken auf das Haupt geschlagen, der Groß-Vezier selbst gctödtet,und das gantze lager erbeutet wurde. Temeswar wurde deniz. oct. nach kurtzer belagerung durch accord erobert, und da-durch der gantze Bannat, nebst Panzova und Vipalanka unterKayserlichen gehorsam gebracht. Der Raitzische Ober - Capi-tain Dettine holete sogar den Wallachischen Hospodarn, Nico-laum Maurocordatnm,nebst seiner gantzen familie,aus seiner re-sidentz Bukarest , und brachte ihn nach Hermanstadl in Sieben bürgen . Immittelst hatte der Graf von Volckra mit KönigGeorgio I. eine neue defensiv - alliantz geschlossen , welche aufdie allgemeine ruhe von gantz Europa abzielte. Der Türcken-krieg wurde noch an. 1717. fortgesetzet. Belgrad wurde vonder Teutschen armee belagert, der Türckische entsatz glücklichgeschlagen, und gedachte vestung samt Semendria, Sabacz undOrsova erobert. In Italien waren zwar krafft eines neutra-litats-tractats alle fcindscligkeiten eingestellet worden. Alleinder Cardmal Alberoni vermeynte,dieses wäre eben die rechte zeit,dem Kayser abbruch zu thun. Zu dem ende wurde Spanischerscits eine flotte ausgerüstet, unter dem vorwand, den Venerta-nrrn wider die Turcken hülffe zu leisten; welche sich aber unver-
mutheter weise nach Sardinien wendete, und die gantze insul er-oberte. Diese Unternehmung verursachte in gantz Europa vielaufsehcns. Es war aber einmal geschehen , und man meynetedie fach damit zu entschuldigen, daß man mit Oesterreich an-noch keinen frieden geschlossen habe. Indessen ward zu Wien eine neue Academte aufgerichtet, darinn sonderlich die krjegs-bau-kunst und Mathcmatic gelehret werden sollte. Auch erklä-rete der Kayser durch ein öffentliches patent den ort Vinodolein Histerreich, sonst Port-Royal genannt, zu einem freyen han-dels-platz, um dadurch den Commercien aufzuhelffen. In demmlio 1718. wurde zu Passarowitz in Servten mit den Türckenein friede geschlossen, krafft welches der Kayser alle feine erobc-rungen behielt, und also ein stück landes von -8c>. Ungari-schen Meilen seinen erb-landen beyfügte. Solcher gestalt bekamzwar der Kayser auf der einten feite friede, aber auf der an-dern feite wurde der im verwichenen >ahr angefangene kriegmit desto mehrerm eifer fortgesetzet. Man bildete sich zu Wien nichts gewissers ein, als daß nunmehr» die Spanier das König-reich Neapolis angreiffen wurden. Allein wider alles vermu-then langte der Spanische Admiral Carlagnetta mit einer star-cken flotte unweit Palermo an der Sicllianischen küste an, und
e den 2. ,ul. daselbst eine armee von igooo. mann unterMarquis von Leede an das land, die bald darauf auSSardinien aho verstärktet wurde, daß sie auf ,0000. mann an-wuchs. Dieser macht nun konnte der Savoyische Statthalternicht widerstehen, daher in kurtzem die gantze insul bis aufMcßina, Melazzo , Syracusa und Trapani m Spanische Händeverfiel. Immittelst war den 2. augstm. zu Lenden die soge-nannte vierfache alliantz zwischen Groß-Britannien,Franckreich,dem Kayser und den General-Staaten geMossen. In die-sem tractat verpflichtete sich der Kayser, nicht nur PhilippumV. vor Konig von Spanien zu erkennen, sondern auch auf die-ses Reich ewig verzicht s* thun. Die Hertzogthümmer Tosca,na, Parma und Piacenza sollten, als Rcichü-manns-lchen, demältesten söhn des Königs von Spanien aus zweyter ehe, im fallsie verlcdigt wurden, überlassen werden, jedoch so, daß sie nie-mals zu der Spanischen Monarchie kommen sollten. DemHertzoge von Savoyen wollte man das Königreich Sardinien cediren, und ihn in qualttät eines Königs erkennen, auch nichtnur den zu Turin an. 170;. getroffenen vergleich bestätigen,krafft dessen derselbe behalten sollte, was ihm in Montferratund in dem Mayländischen ehemals abgetreten worden, son-dern auch desselben recht der nachfolge in Spanien , wenn dasjetzige Königliche Haus aussterben sollte, gelten lassen. Hinge-gen aber sollte der Kayser, als Ertz-Hertzog von Oesterreich , mitleinen nachkommen in dem ruhigen besitz aller seiner Reichenund Staaten verbleiben , die vor diesem zur Spanischen Mo-narchie gehöret, und worauf Philippus V. ewige verzicht thun,anstatt Sardinien aber ihm, dem Kayser, Sicilien überlassenwerden sollte. Htcrnächst verbanden sich die aliirrten Höfeeinander ihre Reiche und Staaten zu garantircn. Der Her,tzog von Savoyen weigerte sich nicht lang dieser vierfachen al-liantz beyzutreten. Er trat dem Kayser sein recht auf Sici-lien ab, und nahm hingegen sogleich den Königlichen titulvon Sardinien an. Allein der Spanische Hof wollte von al.lem diesem nichts wissen. Deswegen griff der Admiral Binqsdie Spanier bey Syracusa an, und schlug sie, wie auch balddarauf zwischen Sicilien und Malta . Nichts destoweniger nah-men diese Meßina ein. Indessen wurde auch der erste gründzu einer handlungs - compagnic gelcgcl, welche zu Ostendc inden Niederlanden ihre» sitz haben sollte. Man ficnge an denHafen zu Ostende zu vergrössern , und diesen ort zu einem rech-ten handels-platz zu machen. In Sicilien fand sich im may an.1719. ein succurs von 15000. mann unter dem Grafen vonMercy ein. Die Spanier huben daher die belagcrung von Me lazzo auf, und musten Meßma den Kayserlichen überlassen.Da auch die Engellander und die Franzosen Spanien selbstangriffen, anbey der Cardinal Alberoni , als ursächer aller die-ser Unruhen, in Ungnade fiel, sieng man an den sriedcns-vor-schlagcn mehr gehör zu geben. Dem krieg wurde auch würck-lich ein end gemacht, indem der Spanische Hof tcn 26. jan.an. 1720. der vierfachen alliantz bcygetreten. Sicilien undSardinien wurden hierauf von den Spaniern verladen, unddieses letztere von dem Printzen von Ottaiano Medices im nah-men des Kaysers dem Hertzog von Savoyen übergeben. DerHertzog von Monteleone nahm von Sicilien als Vicc-König be-sitz. Die übrige streitigkeilen beyzulegen ward ein congreß zuCambray beliebet, und Kayscrlicher seils der Graf Leopold Vi-ctorin von Windischgrätz und der Baron Bendtenrieder vonAdelshausen zu Gevollmächtiglen ernennet. Ein andrer frie-dens-congreß wurde zu Braunschweig angestellet, auf welchemunter Kayscrlicher Mediation alle streitigkcitcn des Nordischen krieges gehoben und beygelegt werden sollten. Allein, da die wi-der Schweden alliirlen Machten sich in besondere tractaten ein-lieffen, ward der congreß aufgehoben. Sonst »st auch merk-würdig, daß der Kayserliche Hof an. 1721. mit dem Preußi-schen in ziemliches Mißverständnis gerathen. Die ursach warendie vielen reltgions-beschwcrdcn in dem Reich, in anschung de-ren es insonderheit in der Pfaltz ziemlich bunte gieng, da derChurfürst seinen Reformirtcn Unterthanen gebot, die achtzigstefrage aus dem Heidelbcrgischen Catcchismo auszuthun, auch ih-nen den 4. sept. an. 17-9. das schiff der H. Geist-kirche zu Hei delberg wegnehmen ließ. Da mit klägden nichts auszurichten
war,