Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

476 car

rett Grafen von Bonneval geführet wurden, behielten aller or-ten die oberhand. Ein gleiches geschahe in dem dritten ftld-zug; daher der Graf von Neuperg, krafft der durch den Gra­ fen von Wallis erhaltenen vollmacht, unter Vermittelung desFranzösischen Adgesandtens, Marquis von Villeneuve, an einemstieben arbeitete, und den i. sept. an. 1739. die Prälimina-rien in dem lager unterzeichnete, durch welche die vestung Bel­ grad und Sabacz, nachdem ihre devestigungs-wercke geschleiftworden , nebst gantz Servien, und dem, so das Haus Oester­ reich in der Wallachcy besessen, den Türcken überlassen wur-de. Obwol nun der Kayfer diesen schimpflichen frieden fürgenehm halten muste, wurden doch die beyde obgedachte Gra-fen mit arrest belegt, und der einte auf die vestung Spielberg,der andere nach Grätz gebracht. Da also der friede aller ortenhergestellet wurde, und es dem Käyftr zu besonderm tröst ge-reichte , daß Franckreich immerfort die steiffe Versicherung gab,die pragmatische Sanction zu schützen, starb er nach einer kur-zen kranckheit den 20. oct. an. 174«. in einem alter vonzz.jähren. Dieser Monarch war sonst überhaupt ein gerechtig-keit liebender Herr, von mittelmäßiger leibes-länge, etwas ha-ger , und seinem vatter Leopolds ziemlich gleich. In seiner re-ligion war er eiftrig, und halten die Geistlichen immer einenfreyen zutritt, auch ihre Vorstellungen vielen eindruck bey ihm;daher es auch den Protestanten in dem Reich , sonderlich aberin den erb-landen, nicht allemal wohl gegangen. Er hatte sichden 2;. apr. an. 1708. vermählet mit Elisabeth« Christin«von Braunschweig -Wolffenbüttel, welche die Catholische reli.aion angenommen hatte. Mit dieser zeugete er i.) einenPrintzen, nahmens Leopoldum, gebohren den 13. apr. an.1716. allein er starb den 4. nov. schon wiederum. 2.) Ma­ ria Theresia walpurgis, gebohren den 13. may an. 1717.ward den 12. febr. 17*6, vermählet mit Francifeo Stepha-no, Hertzog von Lothringen , und Groß-Hertzog von Toscana .3.) Maria Anna Eleonora, gebohren den 14. sept. an.1718. Gebauers grundriß zu der Historie der Europäischen

Staaten. Corps diplomatique. Memoires de Lambcrti.Zschackwitz neueste Europ. Staats-und Reichs-Historie. Let-

tres £sf Mim . für In conduite di la prifente guerre. ConduiteAu Duc de Marlboroug. Afies Memoires de la Paix dU-trecbt. Bulers kurtzer begriff der neuesten Reichs - Historie.

Conduite des Cours de la Gr. Britagne & dEßagne. @ttUsvens Historie der religions-befchwerden. Vie de Philippe DucdOrlians. Fahrt Staats-Cantzley. Roujfet, actes & memoires.Europäische Fama. Genealogisch-Historische Nachrichten.

Röntge von Engelland:

Carolus I. König in Groß-Britannien, ein söhn Iacobi l.und Annä von Dänemarck. Er war den 19. nov. 1600. itiSchottland gebohren , und weil sein vatter die Englische Croneerhalten hatte, ward er an.161;. nach seines ältern druders tobe,zum Printzen von Wallis erklärt, da man ihn zuvor zum geistli-chen stände und zwar insonderheit zum Ertz-Bißthum Porck be-stimtnt hatte, weswegen er auch in allerhand zur gelehrsamkeitgehörigen wissenschafften war unterrichtet worden, die er auchnoch fortsetzte. Sein vatter ließ sich durch die Spanier bereden,daß sie diesem Printzen eine Infantin zur ehe geben wollten, dan-nenhero er ihn denn nach vielen deswegen geschehenen Unterhand-lungen , als man meynte, die fache würde aufrichtig seyn, mitdem anfange des 1623. iahres selbst allein mit dem Hertzoge vonBuckingham und einem diener gantz heimlich und mir verstell-tem gesichre über Franckreich nach Spanien reisen ließ. Da warder nun zwar bey seiner unvermulhelcn ankunft überaus wohlempfangen, der König gab ihm die ober-stelle, des Papsts einwiüi-gung kam an , und weil man von Englischer seilen viel zum vor-thetl der Römisch-Catholischen verwilliget hatte, schien die Heu-rath so gut als geschlossen. Allein der Printz merckte endlich, daßman in Spanien nicht aufrichtig mit ihm umgehe, indem aller-hand eitle ausflüchte gesucht wurden, er die Infantin, die dochstine braut hieß, anders nicht, als öffentlich sprechen durfte, unddie Wiedereinsetzung seines schwagers, des Churfürsten von Pfaltz,darauf man Englischer seits grossen theils mit dieser Heurath ge-sehen hakte, immer auf die lange danck geschoben ward. Deswe-gen zog er im september bemeldten iahres wieder nach Hause, be-schwor zwar zum schein das ehe-bündnis , und ließ dem Engli­ schen Gesandten eine vollmacht zu dessen Vollziehung, aber auchtugleich einen heimlichen befthl nichts ohne nähere Verordnungvorzunehmen. Nach seiner rückkunft fieng zwar der SpanischeHos die fache mit grösserm ernst an zu treiben. Die Infantin be-kam, als braut, ihre besondere Hof-statt, und muste Englisch ler-nen, allein die Englischen zogen nun die Hand um so vielmehr zu-rücke. Vielmehr ward die Verbindung mit der Französischen Printzeßin, Henrietta Maria , so bald vorgenommen, und 1624.zu stände gebracht, obgleich die Spanier solche möglichst zu hin-dern suchten , und deswegen den Printzen von Wallis , wiewolvergebens, einer verrätherey gegen seinen vatter schuldig machenwollten. Bald nach schliessung dieses bündnisses starb der alteKoma, und Carolus bestieg an. 1623. den thron, darauf er zuför-derst bcmeldte Heurath vollziehen, und die neue Königin nach En-aelland holen ließ, wiewol seine Unterthanen wegen der Vortheile,so man den Katholischen bey dieser Verbindung versprechen müs-sen, sehr darüber murrcten. Dieses hinderte alsobald im ansangftiner regierung das gute Verständnis zwischen ihm und seinen

c a r

Unterthanen, und dasselbe ward die gantze zeit feines lebens überfortgesetzt, zumal da cr sich durch lieblinge regieren ließ , die ihnmit der nation immer mehr und mehr verunwilligten. Der erstewar der Hertzog von Buckingham , den er von seinem vatter ge-erbt. Dieser brachte ihn auf die gedancken, einen krieg mit Spa­ nien wegen der Pfältzischen fache anzufangen. Allein das Parle«ment, welches er bald im anfange seiner regierung beruffen, woll-te sich auf die subsidien nicht recht einlassen, wenn der König nichtdie den Cathoiicken verstatteten frcyhciten widerrufte, und dieEnglische kirche wider dieselben sowol, als die ArminianischenNeuerungen, die Wilhelm Laud vertheidigte, in sicherheit setzte.Es fieng auch noch dazu an, den Hertzog von Buckingham zu ver-folgen, welches den Konig bewog, solches aufzuheben, und zu demSpanischen kriege gelb aufseilte eigene briefe zu borgen. Dieserlief aber auch nicht nach wünsche ab, indem die kostbare flottezwar nachCadix gieng, und ein am haftn gelegenes kort einnahm,weiter aber auch nichts that, und also unverriehteter fachen wie-der zurück kam. Man hatte zu dem ende auch mit Franckreich,Dänemarck und Holland bündniffe gemacht. Aber Franckreichthat damals nichts, Dänemarck ward nicht gnugsam unter-stützt , und Engelland wüste sich auch den Niederländischen kriegnicht zu nutze zu machen. Im folgenden 1626. jähre ward zwarwieder ein Parlement zusammen geruffen, welches sich aber ebmwie das erste endigte. Denn ob man zwar, die Unterthanen zubesänftigen, den Catholifchcn einige schrancken setzte, und der Kö-nigin ihre leuthe meistens wieder nach Franckreich schickte, sowollten doch die gemeinen durchaus den Buckingham zur rechen-schafft ziehen , und so ließ es der König im innlo abermals auseinander gehen, und gab noch dazu ein bitteres manifest gegendas Parlement heraus , dem aber dasselbe mit fast eben so jchar-ftn Worten,wenigst gegen den .Hertzog von Buckingham,antwor-tete. Indessen hatte der König, äusser denen wider das HausOesterreich angefangenen ftindseljgkeiten, auch noch auf sich ge-nommen, den Französischen Reformirten zum besten einen krieganzufangen, und zu dem allen muste er das geld abermals durchallerhand eigenmächtige auflagen,die ihn desto verhaßter machten,aufzubringen suchen. Er schickte auch an. 1627. würcklich einemächtige flotte denen von Rochclle zu hülffe, die zwar in der insulRhe an land stiege, aber theils wegen ihrer schlechten anstalt,theils auch wegen tapferer gegenwehr der Franzosen mit Verlustund schände zurück kehren mäste. Das dritte Parlement ward an.1628. versammlet, und willigte zwar anfänglich dem König/ sub-sidien , damit er denen von Rochclle zu hülffe kommen könnte,wollte aber eben sowol nicht nachlassen, sich über die schmälerun-gen der frcyhciten des volckü und Verwahrlosung der religion zubeschweren, und deswegen auf den Hertzog von Buckingham zudringen, dahero es der König anfänglich verschob. Ob nun gleichder Hertzog indessen erstochen ward , waren doch die gemeinennoch nicht desser,ztifrieden; weil sie theils wegen Wilhelm Lands,der viel beym Könige galt, die religion vor ungesichert hielten ,theils auch über gewisse auflagen mit dem Könige streitig wurden,zu deren eigenmächtiger ausschreibung er sich berechtigt zu sennglaubte, da das Parlement hingegen behauptete, es sey seine be.willigung jedesmal dazu nöthig, darüber denn der König dasselbean. 1629. abermals, und zwar mit grosser bitterkeit, caßirte, wel-che auf beyden feiten noch mehr zunahm, da der König, ob erschon die Unterthanen wegeit ihrer frcyheiten öffentlich versichernließ, auch mit einiger schärft gegen die Cathoiicken verfuhr, den-noch fortfuhr, auflagen nach seinem gefallen zu machen, und denals einen Arminianer verhaßten Laud zu hegen. Zum deschlußdieses jahres machte der König mit Franckreich einen eben nichtgar zu rühmlichen frieden, nachdem auch die andere schiff-rüstungden Rochcllern zu gefallen gar schlecht abgelausten war. In demfolgenden jähre schloß er auch mit Spanien frieden, ungeachteter sich kurv vorher mit dem Könige in Schweden zur Wiederein-setzung des Pfaltzgrafen in ein bündms eingelassen hatte, dasaber eine schlechte würckung erlangte. Denn er selbst griff diefache nicht ernstlich genug an, weil er von seinem Parlcmenlekeine subsidien hoffen konnte, und der König in Schweden , derseine wanckclmuth und schwäche wohl kante,' machte keinen gros-sen staat auf seinen bcystand, daher die 6000 . mann, welcheunter Hamiltons anführung an. 1631. den Schweden warenzugeschickt worden, nach einem tahrc, in welchem sie meistensgeschmoltzen waren , zurück geruffen wurden. An. 1633. ließer sich in Schottland crönen, und da gieng das lermen mit denPresbyteriancrn an, denen er mit gewalt den Bischöfflichen got-tesdienst aufdringen wollte. Auf diesem fuß blieb es in denGroß-Äritannischen provintzen voller unruhe. Die Englischenkonnten die willkührliche und unumschränckte macht, die sich derKönig heraus nahm, nicht leiden, und in Engelland sowol alsin Schottland war den Prcsbytcrianern die neue liturqie, dievon Wilhelm Lauben herrührte, der mittlerzeit Ertz-Bisdhoffvon Canterbury worden war, unerträglich. Von auswärti-gen dingen nahm man sich indessen wenig an, ausser daß an.1636. wegen des fischens in den Englischen meercn gegen dieHolländer eine flotte ausgerüstet ward, dadurch sich diese bewe-gen liessen, ein gewisses jahrgeld zu vertprechen. Hingegen kames mit obbemeldten religions-beschwerdcn so weit, baß die Pres-byteriamsche partey in Schottland ein dündnis, welches Cvn-venant genannt wurde, machte, darinne sie von Franckreich sollseyn gestärcket worden, weil der König Carl selbige Crone inihrem absehen aufDünkirchen damals gehindert hatte. Beydeparkeyen zogen gegen einander an. 1639. zu ftlde, und war der

König