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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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war, gebrauchte der König in Preussen in feinen landen re-prcssalten, also daß die fach ziemlich ernstlich zu werden begun-te. Doch legte sich der Churfürst zum ziel, und die fach hattekeine weitere folge. Weil dieses so vorgieng, bemühete sichder Kayfer , die Sanctionem Pragmaticam wegen der nachfol-ge in feiiren erb-landen aller orten einzuführen und vest zu fe-tzen, von welcher ein eigener artickul an feinem ort folget. Ergabfthon an. 171z. allen seinen geheimen Räthen und Mini-stern zu erkennen, daß an. 170;. zwischen dem Kayfer Levpvl-do, dem Römischen Könige Iosepho, und ihm, als damals neu-erklärtem Kölüge von Spanien , eine gewisse ordnung der nach-folge errichtet worden. Dieser Verordnung nachzuleben ver-pflichteten sich an. 1720. die Oesterreichische und Schlesische,an. 1722. die Ungarische und Siebenbürgische, Land-Stande.Nachdem auch an. 172;. die Huldigung und crönung in Böh­ men für sich gegangen, ward die Pragmatische Sanction auchallda vest gestellet, wozu endlich auch die Niederländische Stän-de gekommen. In eben diesem jähre belehnete der Papst denKayfer mit dem Königreich Neapolis. Der congreß zu Cam-bray wurde an. 1724. fruchtlos zerrissen, weilen Spanien nichtnur bey seinen alten forderungen beharrete, sondern auch im-mer neue machteanbey der Papst wider die Kayserl. lehns-reichung der Hertzogthümmer Parma und Piacenza protestirte.Daher ward an. 1725. derHertzog von Ripperda in geheimnach Wien gesandt, der mit den Kayserl. Ministern im nah-men des Spanischen Hofs den 30. apr. einen würcklichen frie-den , und den ersten may einen besondern cominercien-tractat,und zugleich ein freundschaffts-bündnis und defensiv - alliantzschlösse. Man legte dabey die vierfache alliantz zum gründe,that auf beyden feiten verzicht anfalle Reiche und länder, diebeyde Machten damals besassen, und garantirte die erbfolgeDon Carlos in den Staaten von Toscana und Parma, wieauch die Oesterreichische Sanctionem lragmaticam. Dieseswurde das Wienerische dündnis genennet, welchem Franckretchund Groß-Britannien das Hannoverische entgegen setzten, demauch der König in Preussen bevtrat. Hingegen trat Rußland ,wie auch die Churfürsten von Mayntz, Trier , Cöln , Bayern und Pfaltz , ingleichen der Hertzog von Wolffenbüttel der Wie-nerischen alliantz bey, welche insgesamt zugleich die Oesterrei-chische Sanctionem Pragmaticam garantirt haben sollen. An.1727. schiene es, der krieg zwischen den Wienerischen und Han-növerischen Alliirten wurde in volle flammen ausbrechen. DieSpanier machten den ansang, und klickten vor Gibraltar ; al-lein der Kayfer trug bedeiicken daran theil zu nehmen, welcherinzwischen veranlaßt wurde, einige präliminar-artickul anzuneh-men , und krafft derselben die Ostendische handels-gesellfchafftauf sieben jähr aufzuheben. Diese wurden nachgeyends auchvon Spanien unterschrieben, und hierauf in dem folgendenjähr ein general-friedens-eongreß zu Aachen angesetzt, aber demCardinal Fleurn zu gefallen nach Soissons verleget. Er wur-de auch würcklich hieselbst gehalten, aber ohne frucht. An.1729. schlössen Franckretch, Spanien und Groß-Britannien denbekannten traetat zu Sevilien, welcher dem Kayfer sehr mißfie-le , weil unter anderm ausgemacht wurde, daß Don Carlos inToscana rc. mit 6000. mann Spanischer trouvpen sollte einge-setzet werden. Der Kayfer besorgte sich dahero einiges ge-walks, und ließ viele völcker in Italien marschiren; schloß auchmit dem Groß-Britannischen Hof einen neuen traetat, durchwelchen die alte freundschafft zwischen beyden Machten wiederhergestellet wurde, welches den 16. mertz an. recht zumstand kam. Diesem tractat traten die General-Staaten, undzuletzt Spanien selbst bey. Dadurch wurden die bisherige miß-helligkeiten auf einmal gehoben, die Ostendische handlungs-com-pagnie auf ewig eingestellt, die einsührung der 6000. Spa­ nier in Italien bewilliget, anbey die Oesterreichische SanctioPragm. garantirt. Der Französische Hof war mit diesem tra-ctat sehr übel zufrieden. Er bemühete sich insonderheit, denTeutschen Reichs-Ständen die von ihnen begehrte garantie deroft-qemeldten Sanction als sehr bedencklich vorzustellen. Nichtsdestowentger wurde dieselbe auf dem Reichs - tag zu Regen-spurg den n. jen. an. 1752. durch die Mehrheit der stimmenübernommen; doch so, daß die Churfürsten von Bayern , Sach­ sen und Pfaltz darwider prorestirten. Da indessen der HertzogAntonius Franciscus von Parma an. 17;!. gestorben, und seinegemahlin eine schwangerschafft vorgegeben , aber nichts erfol-get, wie im art. Antonius Franciscus, Hertzog von Parma rc.zusehen ; wurde derInfant Don Carlos zur nachfolge gelas-sen. Du Repudlick Genua hatte schon seil an. 17,0. mildenrebellischen Corsicanern vieles zu tbun. Sie sahe sich genö-thiget, bey dem Kayserlichen Hofhülffe zu suchen , welcher denGeneral Wachtendonck mit einigen reaimentern, rmd da solchenicht genug waren , an. 17,2. den Printz Ludwig von Wür-temberg mit mchrern trouppen dahin sendete, und ihm zu-gleich vollmacht ertheilte, einen mittler abzugeben. Der ver-gleich wurde auch würcklich getroffen, worauf die Kayserlichenvolcker im junio an. 17;;. ihren abschied nahmen. Das 17,2.jähr ist sonst auch merckwürdtg, weil der Kayfer auf der jagdden traurigen zufall gehabt, daß er unversehens seinen Obcr-Hof-Marschall, den Fürsten von Schwartzenberg, erschoß, wel-ches ihm sehr zu hertze gieng. Sonst wurde im may gedachtenjahrs mit Rußland und Danemarck ein neues bündnis zu Cop-penhagen geschlossen, krafft dessen diese beyde Machten die prag-matische Sanction zu garantlren versprachen. Auch wurde der

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Hertzog Franciscus von Lothringen zum General -Statthalterund Vice-König von Ungarn bestellet. In dem 17z z. jähr ent-stünde ein neuer blutiger krieg. Der Kayfer solle noch bey leb-zeiten des Polnischen Königs Augusti II. von dem Primas,nebst einigen andern Magnaten ersuchet worden seyn, die frev-heit ihrer Republick beschützen zu helsscn. Um deswillen har-te er einige völcker an der Polnischen grentzc zusammen ziehenlassen. Da nun der tod des Königs dazu kam, verstärkte erdieses corpo. Allein Franckretch nahm daher qeiegenheit, alsseine abfichten, den Konig Stanislaum Leszinsky auf den thronzu bringen, mißlungen, (siehe Anna Ivanouna, Kayftrinvon Rußland ) die Kayserlichen lande mit krieg zu überziehen.Spanien und der König von Sardinien verbündeten sich mitFranckretch. Der ansang wurde zwar erst im october gemacht.Doch gieng noch vor ende des jahrs Kehl verlohren, Lothrin­ gen wurde mit Französischen trouppen besetzt, und das gantzeHertzvgthum Mayland durch die vereinigte Französische undSarvinifche macht erobert. Der neue Churfürst von Sachsen übernahm zwar die garantie der pragmatischen Sanction , umdem Kayfer einiger Massen den schaden zu ersetzen. Die Reichs,Stände willigten an. 1734. durch die meiste stimmen in denkrieg, nachdem man den Protestanten gute Versicherung wegender clausel des IV. art. des Ryßwickischen friedens gegeben; alleindie Churfürsten von Cöln , Bayern und Pfaltz erwehlten die Neu-tralität. Es verftnnmelte sich darauf an dein Rhein-strom einestarcke armee, zu welcher mich Dänische, Preußische, Hanöveri-sche und Heßische hnlffs-völcker stiessen. Das general-comman-do ward dem Printzen Eugenio von Savoyen übergeben. Al-lein ehe noch diese armee zusammen kam, hatten die Franzosenschon Trier besetzt, Trarbach erobert, die Etlinger linie durch-drungen , und Philippsburg belagert. Weil sich auch daselbstdie Franzosen sehr starck verschantzt hatten , muffe man gcfkhe-hen lassen, daß der Commendant, General von Wutgenan , nachtapferer gegenwehr sich den 18. julii an den Marschall von As­ feld , der an des erschossenen Hertzogs von Bcrwick stelle com-mandirte, mit accord ergäbe. In Italien wurde der feldzugeben so unglücklich geführt. Der Graf von Mercy nahm zwarMirandola in besitz, und griff die feinde bey Parma an ; bliebaber nebst vielen hohen Officierern selbst auf dem platz, unddie armee muffe sich zurück ziehen. Der Graf von Königseckwar zwar glücklicher; setzte in der stille über die Secchia, undjagte die feindliche trouppen unter dem Marschall von Broglio aus ihrem lager. Es kam aber unweit Guastalla zu einem blu-tigen treffen, welches den Kayserlichen keinen Vortheil brach-te. Immittelst war auch der Hertzog von Montemar mit ei-ner Spanischen armee in Italien angelangt, welcher mit demInfamen Don Carlos das Königreich Neapolis angriffe. Die-ses gerieth nach der unglücklichen schlacht bey Bitonto völligin ihre Hände, also daß Don Carlos zu Neapolis seinen einzughielte, und zum König ausgeruffen wurde. Ein gleiches ge-schahe in Sicilien, allwo ebenfalls im mertz an. 17^5. Don Car-los alles in seiner gemalt hatte. Die Kayftrin von Rußland und der König von Polen Augustus III. waren zwar ihrer ftitsglücklicher; hatten aber so viel zu thun , daß sie dem Kayfernicht die geringste hülffe leisten konnten. Die Niederlande blie-ben neutral, und daher ward auch den General-Staaten keinanlas gegeben , sich wider Franckretch zu erklären. Au. 17;^.wurden die Kayserlichen aus dem Stato delli Presidii , wie auchaus der gantzen Lombardie vertrieben , so daß ihnen nur nochdie stadt Mantua übrig blieb. Da nun eben an dem Rhein eine ansehnliche hülffe von Russen und Sachsen angelangetwar, auch der Graf von Seckendorff über die Franzosen eini-gen Vortheil an der Mosel erlanget halte; wurden die feind-seligkeiten plötzlich eingestellt. Der friede ward zu Wien mitFranckretch in geheim abgehandelt, und die Präliminarien den;. oct. unterzeichnet. Krafft derselben blieb Augustus III. würcklich König in Polen , Stamslaus aber sollte mit beybe-haltung des Polnischen Königs-tituls die Hertzogthümmer Lo­ thringen und Bar mit der bedingung erhalten, daß solche nachdessen tobe der Cron Franckretch anheim fallen sollten. DemKayfer wurde Mayland zurück gegeben, und zugleich Parmaund Piacenza ; allein Tortona und Novara samt den FeudisLangharum wurden dem Könige von Sardinien zu theil. DieSanctio Piagmatica wurde von Franckretch garantirt; und demHertzog von Lothringen die anwartschafft auf Toscana gege-ben. Don Carlos behielt Neapolis und Sicilien nebst dem Kö-niglichen titul; dem Reich aber wurde alles wiedergegeben.Da nun Frankreich feine völcker aus Italien zog , muffe auchSpanien und Sardinien mit dem Kayfer einen stillstand tref-fen. Und ward also mit ziemlichem vertust des Hauses Oester-reich dieser krieg geendiget. Hingegen nahm an. 17,7. ein an-drer mit dem Turcken seinen ansang, welcher ebenfalls mitnicht geringem schade» abgeloffen. Der anlas dazu war dieleistung der hülffe, welche der Kayfer den Russen vermögevormals getroffener alliantz schuldig war. Der erste feldzugbrachte den commandirenden Generalen Grafen von Secken-dorff in solche Kayserliche Ungnade, daß er bey seiner rück«kunft nach Wien den haus-arrest bekam , darauf examinirt,und den 2;. jul. an. 1738. nach Grätz gebracht, und daselbstbis auf den tod des Kaysers bewahret wurde. Dem GeneralDoxat wurde wegen der übergab Nissa das Haupt abgeschlagen.Allein es war deswegen in dem zweyten feldzug nicht mehrglück. Die Türcken, welche durch die anftbläge des abgefalle-

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