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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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der Pairs abgefaßten urtheil beschimpfte. Eine gleiche thatwird ihm wider den Grafen von Foip , Gasto Phöbus, beyge-messen , welchen er durch des Grafen eigenen söhn, den er bere-det , daß es ein liebes-tranck sey, vergeben. Endlich starb die,erböse König im jan. an. -387. i» Pampelona. Sein tod wirdunterschiedlich erzehlet. Einige sagen, daß nachdem er sich inein tuch, welches zuvor in brandtewein und schwefel eingetun«cket worden, einwickeln lassen, um dadurch seine natürliche Hi-tze wiederum zu erlangen, welche durch sein liederliches lebensehr geschwachet worden, oder wie andere wollen , um da-durch die räude und den aussah, so er an sich hatte, zu curi-ren, hätte besagtes tuch, indem derjenige, so es zugenehct,den faden nicht mit der scheere abgeschnitten, sondern mit ei-nem lichte abgebrannt, ohngefehr feuer gefangen , wodurcher bis auf die gebeine lebendig gebraten worden. Andere sagen,er sey in seinem bethe verbrannt, welches durch eine ailzuheijsebeth-flasche angezündet worden. Aber es scheint, daß das ge-meine volck damals dergleichen fabeln ertichtet, weil es dnrch-gehends demselben gehäßtg gewesen. Denn in dem briefe,weichen der Bischoff von Acqs, als der vornehmste Ministerdes Königs von Navarra , an die damalige verwittwete Koni-gin von Franckreich geschrieben, wird gemeldet, daß er einesnatürlichen todes, wiewol unter grossen schmertzen, gestorben,und sich sehr bußfertig bezeuget. Er hinterließ, von seiner ge-mahlin Johanna, einer tochter Johannis II. Königs in Franck-reich, Carolum III. welcher ihm in der regierung folgte, rc.

Froijsard. lib. III. Juven. des Urfins, vie de Charl. VI. j£mil.lib. II. Belleforet. lib. VII. Mariana , lib. VIII. Garibay. Da-niel, hist. de France tom. II. col. 542. seqq. 571. 581. 604. 631.40. 666. 676. 697. 781. sqq.

Carolus III. der edele und andere Salomsn zugenannt,wurde an. 1361. zu Mantes gebohren, succedirte an. 1386.seinem vatter, dem vorgebuchten Carolo Malo , und wurdezu Pampelona gecrönet, worauf er seine Unterthanen mitsolcher gerechkigkeit, klugheit und fteundlichkeit regierte, daßer den zuvor erwehnten titul verdienete. An. 1404. schloß ermit Carolo VI. von Franckreich einen frieden, welcher sodannum seinetwillen die Herrschafft Nemours zu einem Hertzog-thum machte. Er erbauete die beyden schlösser Taffala undOlile, auf welchem letzter» er an. 1429. dieses zeitliche ge-segnet, nachdem er 39. jähr, 9. monat und 7. tage regieret hatte.Seine gemahlin war Eleonora, des Königs Henrici II. von Ca-stilien tochter, mit welcher er nebst unterschtedlichen töchtern zweysöhne, Carolum und Ludovicum, gezeuget hat, so aber beyde inder jllgend gestorben. Monßrelet. Surita. Oibenurt. Mariana,lib. XVIII. XIX. XX. &c.

Röntge und printzen von Neapolis, rc.

Grafen von Provence :

tsarolus I. von Franckreich, des Königs Ludovici VIH.söhn, und St. Ludovici IX. bruder, wurde an. 1220. geboh,ren, und vermählte sich mit Beatrix, des Grafen von Proven­ ce , Raimundi Berengarit V. tochter, krafft welcher Heurathihm sein bruder, der sonst auf Provence wegen seiner gemahlin,so die älteste tochter des letzten Grafen war, das beste recht hat-te , nicht allein diese Grafschafft, sondern auch noch Anjou undMaine gab. Darauf zog er mit diesem Könige ins gelobte land,da er wider die ungläubigen grosse tapferkeit bewies, und nach-dem er von bannen wieder zurück gekommen, befand er, daßeinige städte in Provence in seiner abwcsenheit revoltiret hatten,und brachte dahero solche wieder zum gehorsam, verglich sichauch mit feiner fchwieger-mutter, die ihm einige Plätze vorent-hielte. Nicht lange hernach bot ihm der Papst, welcher mitManfreds, König in Neapel und Sicilien, des Kaysers Fride-rici II. natürlichem söhn , grosse streitigkeiten führte, und den-selben excommunicirct hatte, die Crone von Sicilien an, die eraber sowol, als sein bruder, der König Ludovicus IX. aus-schlug. Der Papst übergab hierauf ermeldte Crone des Königsin Engelland Henrici III. söhn Edmundo; und im geqenthetlmachten die Romer Carolum zu ihrem Senatore oder Gouver-neur , und zwar auf lebens-zeit, da sonst diese charge nur höch-stens dreyjährig war, auch bis dahin an niemand als gebohrneRömer gegeben wurde. Dieses letztere aber stunde dem Papstaar nicht an; dahero er, um solches zu verhindern, Caroloäufs neue Sicilien und Neapel anbot, mit diesen conditionen,daß er und seine Nachfolger solche als ein lehen vom Römischenstuhl besitzen, alle jähre auf L-t. Petri 8000. untzen goldes bezah-len , und zum zeichen der lehens-pflicht alle drey jähre einen weis-sen zclter verehren, die succeßion bey abgang der männlichen er-ben auf die weiber, und bey ermanglung dieser auf den Römi-schen stuhl zurück fallen, Carolus hingegen das Senaloriat zuRom nicht länger als drey jähr behalten, und weder er nochseine Nachfolger jemals zugleich Kayser oder Könige der Lom-bardic sehn sollten. Hierein willigte Carolus, ob er gleich fastdie Unmöglichkeit vor sich sahe, Manfredum zu dethronisircn,Indem dieser oben in der Lvmbardie und bey sich in Sicilien einegute armee, und auf der see eine starcke flotte hatte. Nichtsdestowemger wagte ers, und war auch so glücklich, daß eran. 126?. zur see, und im folgenden lahre seine armee durch dieLombards nach Rom kam, worauf er theils durch verräthcrey,theils durch gutivilligc erqcbung, theils mit einiger gemalt diemeisten platze m Neapel embekam, und hierauf bey Bcnevcnto

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den 26. febr. an. 1266. Manfreds eine fchlacht lieferte, darin-nen dieser mit der Crone auch das leben verlohr. Doch bliebCarolus nicht lange ruhig. Denn Conradinus, des KaysersFriderici II. hinterlassener rechter söhn , dessen Vormund nurManfredus gewesen, kam mir einer armee aus Teutschland an.Carolus aber hatte wiederum das glück, daß er Conradinuman. 1268. nicht weit von dem see Celano schlug, und ihn nebstseinem vetter Friderico, dem letzten erben des Hauses Oesterreich,gefangen bekain, worauf er allen beyden zu Neapolis die köpfeherunter schlagen ließ. An. ,270. nahm Carolus einen zug vornach Tunis in Africa , woselbst der König in Franckreich , Lu-dovicus IX. sich bereits mit emer armee, so mit dem creutz be-zeichnet war, befände. Er kam aber eben, da Ludovicus IX.mit tobe abgieng, und die gantze armee durch kranckheiten undscharmützel geschwächel war; dannenhero man bald mit demKönig zu Tunis friede machte, als dieser sich erbot, den bishe-ro geweigerten tribut an Sicilien doppelt zu bezahlen. Jnmit-telst waren die Unterthanen mit Carolo nicht gar wohl zufrieden.Denn es hatte ihnen derselbe beym antritt der regierung verspro-chen , die rechte und freyheiten, so ihnen ihr ehemaliger KonigWilhelmus II. verstattet, wieder zu geben. Weil er aber einehrgeitziger Printz war, der mit lauter grossen desseius umgieng,preßte er die Unterthanen mit allerley auflagen. An. 1277. tratihm die Printzeßin von Antiochia ihr recht auf das KönigreichJerusalem ab, worauf er dem König von Cypern in der besitz»nehmung desselben zuvor kam. Nach diesem hatte er willens ,den Kayser Äichaelem Paläologum zu Constantinopel zu dcthro-nifiren, und seinen fchwieger-sohn Philippum, des vertriebenenBaldutni II. söhn, wieder einzusetzen. Allein er machte durch die,wegen der hierzu nöthigen kriegs'-kosteu aufgelegte, imposten dieUnterthanen schwürig, welche überhitz der Franzosen freyheit ge-gen ihre weider nicht vertragen konnten ; insonderheit machteauch der König in Aragonien , Petrus , welcher des obgcdach»ten Manfredi tochter zur ehe hatte, noch beständig anfpruch ,und endlich ließ sich ein mißvergnügter Lricilianer, Johannesvon Procida, sowol von Aragonien als dem Griechischen Kay-ser gebrauchen, einen allgemeinen aufstand wider Carolumanzurichten. Dieser Johannes zog von einem orte zum andernin einer Mönchs-kappen verkleidet, und brachte es endlich mitverwunderbarer geheimhaltung, welche aber eben das klarest«beweisthum ist des heftigen Hasses, welchen damals alles volckgegen die Franzosen trüge, dahin, daß man an. 1282. amOster-tage, da man zur vesper läutete, auf einmal alle Fran-zosen , ,<o in gantz Sicilien waren, angriffe, und dieselben mitder mosten grausamkeit hinrichtete; dergestalten, daß auchdie Sicilianische Mönchen und Priester selbst die bey ihnenHerdergende Französische Mönchen und Priester durchgehendstodschlugen; viele ihrer eigenen töchter, welche von Fran­ zosen , so gar durch ehrliche und von den eitern gebilligte Heu-rath , schwanger waren, ums leben brachten, und endlichso viel man aus den geschichten dieser zeit bericht haben mag ,keines einigen Franzosen verschonet, nur einen Edelmann ausProvence, Guillaume de Pourcelet, ausgenommen, dessensonderbare redlichkeit ihm aller Sicilianer liebe und Hochach-tung erworben hatte. Der König Petrus von Aragonien befände sich abgeredter Massen sogleich in der nähe, daer denn das Königreich Sicilien ohne grosse mühe einnahm.Das Neapolitanische Reich wollte gleschfalls revoltiren; al-lein Carolus kam ihnen zu geschwinde über den hals, er-oberte die stadt Neapolis , und ließ i?o. der vornehmstenPersonen aufhencken. An. 128;. belagerte er Meßina,der Konig von Aragonien aber zog ihn durch einen listiglichvorgeschlagenen zweykampf, der an einem neutralen orte zuBourdeaux geschehen sollte, und wobey er ftlbst hernach nichterschiene, davon ab. Der Papst nahm sich zwar Caroli ausdas äusserste an, ,that Petrum in bann, und schenckte Arago­ nien einem Französischen Printzen. Als aber Carolus im nächst-folgenden jähre vorhatte, wiederum nach Sicilien zu gehen,wurde sein söhn, der Printz von Salerno , von dem Aragoni-schen Admiral mit list gefangen genommen , und zwar nur dreytage vorhero, ehe er mit einer guten anzahl schiffe zu ihm hättestossen sollen. Nach einigen monarcn starb Carolus selbst indem castell Foggia in Apulien an. 128?. und hinterließ Caro-lum II. in der gcfangenschafft der Aragonicr und einige andere

taziUus. Ritzus. Ctllenutius. Blondus, Villunt. Wilhelm .de Nangis. Spondan. Bzovius. Raynald. Bauche , hilt. de Pro-vence. Daniel, hiit. de France tom. II. *

ioroluo II. der lahme zugenannt, wurde bey seines vatterslevMnrMkdtz von Salerno rituliret. Er wurde, wie im vo-rigen artickul gemeldet worden, an. 1284. von dem Aragoni-schen Admiral geschlagen und gefangen. Er war auch noch ge-fangen , als sein vatter Carolas I. dieses zeitliche gesegnete, undbekam nicht eher wiederum seine freyheit als an. 1288. durch ver-nuttelung des Königs von Engelland, weil er versprochen, Caro-lum den Grafen von Valois zu überreden, daß er sich seiner an-forderung aufdas Königreich Aragonien begäbe, wie auch denPapst dahin zu vermögen , daß er Jacodum von Aragonien mitdem Königrelche Sicilien belehnte; zu dessen Versicherung er seine3. söhne mit 50. Edclleuthcn zu geisseln gab. So bald er wiederauf freyen fuß gcstellet worden, kam er in Franckreich , undgieng von bannen in Italien , woselbst ihn Papst Nicolaus IV. von dem eyde, damit er den obigen tractat beschworen, absolvirtc,

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