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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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die Polen in ihrer ersten Gesandtfchafft keinen rechten ernst Ittzeigten / die andere aber zu späte kam. Der Schwedische Ge-neral Wittenberg gieng durch Hinter - Pommern und Neu-marck in Polen , dem sich zwar die mtlitz von Groß - Polen beyUsci an der Netz bey 15000. mann stacck entgegen setzte; aberals es ernst werden sollte, ergaben sie sich in des Königsvon Schweden dcvotion. Da dieser nun stlbst in Polen an-kam , fiel ihm alles hauffen-weise zu. Er conjungirte sich beyConim mit dem General Wittenberg, und gieng auf den Kö-nig Johann Casimir los. Warschau und andere städte ergabensich ohne widerstand, und als er nach Cracau marschirte, schluger bey Czernowa den König von Polen mit tausend mann, undbald darauf die übrige Polnische armee bey dem ffujse Donaica,acht weilen von Cracau. Johann Casimir retirirte sich nachSchlesien, und Carl Gustav bemeisterte sich innerhalb dreymonaten des gantzen Königreichs Polen, wenig Otter ausge-nommen. Der Churfürst von Brandenburg zog zwar inPreussen seine völcker zusammen, ungeachtet man schon intractaten stund; doch so bald der König von Schweden an-kam , ergaben sich die vornehmsten städte in Preussen , eini-ge Brandenburgische trouppen wurden geschlagen , und derChurfürst bequemte sich an. 1656. mit dem versprechen, daßer das Hertzogliche Preussen ins künftige als ein lehn von derCron Schweden recognosciren wollte. Diese grosse progresssen machten fast gantz Europa stutzig, daß man daher allent-halben bedacht war, selbige zu hemmen. Der König JohannCasimir wurde dadurch aufgemuntert, da sich Carl Gustavin Preussen aufhielt, wiederum nach Polen zu setzen, unddie Polen sielen mit hmdansetzung aller eydschwure hauffen-weife von den Schweden ab. Hierauf setzte es viele schlach-ten , die bald vor die eine, bald vor die andere partey glück-lich abliefen. Der Polnische General Czarnecki wurde beyGolombo von dem König Carl Gustav geschlagen. Im ge-gentheil zog der Schwedische General, Marggraf Friedrichvon Baadcn , bey Marka an der Weichsel den kürtzern. Her-tzog Adolph Johann , des Königs bruder, befochte einen gutensieg wider den Czarnecki bey Gnesen , da sich unterdessen der Kö-nig vergeblich bemühete die stadt Dantzig unter sich zu bringen,weil ihr die Holländer mit 48. kricgs - sshiffen zu hülffe kamen.Auch riefen die Polen die Tartarn zu hülffe, daher sich der Kö-nig in Schweden mit dem Churfürsten von Brandenburg intractaten eiAeß ; wiewol unterdessen Warschau mit accord andie Polen überaieng, den aber die Polen nicht hielten, sondernden General Wittenberg nebst andern Officirern gesanglich nachSamoiski sichreren. Da nun die conjunclion mit dem Chur-fürsten von Brandenburg noch in selbigem zahre 1656. erfolgte,kam es bey Warschau zu einem blutigen treffen, welches dreytage, als den ig. 19. und 20. jul. währere, und darinnen diePolen und Tartarn, deren viel tausend auf der wahl-stattblieben , den kürtzern zogen. Die frucht dieses sieges war ebenso sonderlich nicht, sintemal der Churfürst von Brandenburgansieng zu wancken, dahero auch der König von Schwaden,um ihn beyzubehalten, demselben die souvcrainität von Preus-sen nebst andern Vortheilen einräumele. Die Polen machtenauch hin und wieder dem Schweden noch viel zu schaffen,weswegen dicftr den Fürsten Ragoczy in Siebenbürgen ansich zog, welcher bey solcher gelegenheit die Polnische Cronedavon zu tragen gedachte, welches auch der König endlichgern wollte geschehen lasten, und sich mit dem Polnischen Preus-sen begnügen, weil er doch wohl sahe, wie schwer Polen beyso grosser enllegenheit seiner ländcr ohne vestungen für ihn zuerhalten seyn würde. Im gegentheil thaten die Mofcowiter ei-nen einfall in Liesiand, belagerten zwar die stadt Riga vergeb-lich , thaten aber doch hin und wieder grossen schaden. Unter-dessen nahm sich das Oesterrcichische Haus dieser fache mit ernstan, wie nicht weniger die Holländer, welche endlich den Königin Dänemarck, Fridericuin III. dahin brachten, daß er denSchweden eine gefährliche diversion machte. So bald der Kö-nig Carolus Gustavus solches vernahm, gieng er an. 1657. mitunglaublicher geschwindigkeit aus Polen in das Holsteinische,und sodann ferner in das Königreich Dänemarck. Da unter-dessen Ragoczy, weil er auf cinrathen des Königs den sicherstenweg nicht ergriffen , von den Polen und Tartarn geschlagen,und zu einem schändlichen accorde gezwungen wurde. Der Kö-nig von Schweden, da er innerhalb vierzehen tagen alle von denDänen eingenommene Plätze wiederum erobert, that grosse pro-gressen im Holsteinischen, eroberte die stadt Friedrichs-Oede in-nerhalb etlichen stunden, und schlug 5000. mann Dänische völ-cker , so dabey stunden. Jngleichen hatten auch die Schweden zur see, da die flotten zwey tage mit einander schlugen, einigenvertheil. An. 1658. fror die Ost-see zu, welcher gelegenheit sichder König in Schweden bediente, über das eis nach Fünengieng, und die daselbst stehende 4400. mann nebst 1500. be-wehrten dauern mit leichter mühe über den Haussen warf. Hier-auf wollte man gleich nach Coppenhagen gehen; die Dänenaber wollten die extremität nicht erwarten, und also kam es nochin demselbigen jähre zu einem frieden, der zu Rokschild geschlos-sen wurde; in welchem Schonen, Halland, Bleckingen, dieinsuln Huen und Bornholm, ingleichen Bahus und Dront -heim in Norwegen an Schweden kam. Ob nun gleich beydeKönige zu Friedrichsburg auf eine gar vertraute art zusammenkamen, wurde doch dieser friede noch in demselbigen iahre ge-brochen. Die Schweden machten zwar den ansang, gaben aberHistor. Ltxicon n. Theil.

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vor , daß durch die feindseligen conissia der Dänen sie ihnenvorzukommen wären genöthiget worden. Der König vonSchweden gieng gleich auf Seeland,und belagerte die stadt Cop-penhagcn. Weil man aber die Schwedische armee bey Korsoeraus land gefetzt, welches 16. meilen von Coppenhagen ist, be-kam diese stadt ein wenig zeit sich in Positur zu stellen. Nuneroberte zwar unterdessen der General Wrangel die vestung Cro-nenburg, allein mit Coppenhagen wollte es nicht glücken ; sin,temal sich der Holländische Admiral Opdam in dem Sunde durch die Schwedische schiffs - flotte, wiewol mit grossem blut,vergiessen an beyden feiten, durchschlug, und der belagertenstadt Coppenhagen succurs zubrachte. Worauf der König vonSchweden die belagerung in eine bloquade verwandelte, undsein lager nicht weit von der stadt bevestigte. Es wurden auchin demselbigen jähre die alliirten völcker in Holstein von denSchweden repoußirel. Nachdem aber der König merckte, daßsich nicht nur Holland , sondern auch Engclland und Franck-reich mit ernst des Königs in Dänemarck annahmen, that eran. 1659. im febr. bey zugefrornen wasser - grüben nochmalseinen versuch auf Coppenhagen, wurde aber in einem blutigenstürme zurück geschlagen. Hierauf nahm er die kleinen insulnum Seeland ein. Im gegentheil trat fast gantz Europa aufdie Dänische partey, auch musten die Schweden die insul Fü-nen verlassen , worbey sie in die viertausend mann cinbüsseten.Unterdessen bekamen auch an. 1657. die Polen durch hülffe derOesterreicher Cracau wieder. Im folgenden jähre nahmen dieSchweden den Hertzog von Curland , Jacobum, nebst seinergantzen familie gefangen, und führten ihn nach Narva ; inPreussen aber büßten sie Thoren ein, wiewol Riga von den Po­ len vergeblich belagert wurde. An. 1659. verlohren sie Cur-land , auch conjungirte sich Brandenburg und Oesierreichwider die Schweden . Und weil sich auch zur selbigen zeit,wie zuvor gedacht, Engelland, Holland und Franckreich desKönigs in Dänemarck annahmen, verursachte solches bey demKönige von Schweden keinen geringen kummcr. Er gieng alsoim anfange des jahrcs 1660. nach Gothenburg , wohin er dieStände seines Reichs verschrieb , und wurde daselbst von einemsieber überfallen , an welchem er auch den 2;. febr. im acht unddreißigsten jähre seines alters starb. Darauf wurde noch indemselben jähre den 27. may der Dänisthe krieg durch den frie-dens - schluß zu Coppenhagen, der Polnische aber durch denfriedens - schluß zu Oliva den 2;. april geendiget. Seine ge«mahlin war Hedwig Eleonora , Hertzog Friedrichs von Hol-stein - Gottorff tochter, die ihn überlebt, und mit welcher ersich an. 1654. vermahlet, und an. 1657. Carolum XI. gezeu-get, der ihm in der regierung gefolget. Von Brigitta Allertshat er auch einen natürlichen söhn Gustavum Grafen Carlsonhinterlassen, der ehemals Oberster in Holland gewesen, nach-gehends aber seinen sitz zu Bedkum in West - Fneßland genom-men , welches er an. 1685. mit Maria Amassa , Fräulein vonSchwartzenberg,erheurathet. Er starb den i. jan. «11.1703. sei-nes alters 59. jähr. Loccenius , hüt. Suec. üb. IX. Pufen-dnrff. de rebus Caroli Gustavi & klick. Wilh. M. und in der ein«leitung zur Schwedischen Historie ; Asmoires cks Talon, &c. *

Carolus XI. ein söhn des vorhergedachten Königs CarlGustavs und Hedwig Eleonoren, einer Holsteinischen Prin-tzeßtn, wurde den 24. nvv. 1655. gebohren. Er verlohr seinenvattcr 1660. zu einer zeit, da Schweden in verdrießliche krie-ge verwickelt war. Allein es erfolgte bald nach des Königs todefriede, weil mit demselben ein grosses theil der feindlichen er-bitterung gegen die Schweden abgestorben war, diese auchnun, anstatt auf erweiterung ihrer herrschafft zu sinnen, frohwaren, daß sie das behielten, so sie vor dem letzten kriege er-worben , wiewol ihnen doch auch die von Dänemarck abgerisse-ne länder blieben , und die Polen verzicht auf Schweden undLieflaud thaten. Bald anfangs föchte der Reichs - Rath dasKönigliche testament an, darinnen einige anstatt wegen dervormundschafftlichen regierung bey des Königs seiner zartenjugend gemacht war, die von der Königin und den fünf vor-nehmsten Reichs,beamten geführet werden sollte. Der Rcichs-Ralh wandte vor, daß solches ohne Zuziehung der Ständenicht verordnet werden können, machten auch würcklich eineänderung, indem sie den Pfaltz - Grafen Adolph Johann undHermann Flemmingen , von der Feld - Marschall-und Schatz-meister - stelle ausschlössen , die sie vermöge des testament -haben, und folglich mit zur vormundschafft gezogen werdensollten , da man denn diese stelle Carl Gustav Wrangeln undGusiav Bonden anvertrauele. , Der gesamte Reichs - Rathverwaltete die regierungs - geschäffte , behielt auch die ober-aufsicht über des Königs erziehung , welche jedoch der König-lichen mutier und den fünf Reichs - beamten , als Vormün-dern , zu gantz besonderer sorgfalt überlassen ward. Die Vor-münder waren hiernächst vornemlich besorgt, das Reich wäh-render Minderjährigkeit in ruhe zu erhalten, und dem Handelwieder aufzuhelffen, welches ihnen auch beydes ziemlich vonstalten gegangen, wiewol man doch meynt, daß sie in der ein-bildung , der König würde dereinst ein schwacher Herr wer-den , öfters in verwaltuug der angelegenheiten von der Cronefowol als der finantzen nachläßig und eigennützig gewesen.Die erziehung des jungen Herrn ward auch nicht sonderlich inacht genommen, und von den wissenschafften, die vor einenRegenten gehören, ihm nichts beygebracht, so daß er hernach

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