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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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nicht fähig war, gegen fremde nur ein rompliment zu ma-chen, oder von gemeinen dingen zu reden; wie er denn auchso gar wenig von fremden sprachen begriffen, daß ein Ge-sandter, der nicht Schwedisch oder Teutsch verstund, nicht mitihm reden konnte. Es war zwar der Printz von natur keinfreund vom studiren und von ernsthafften fachen, sondern stich-le seinen Zeitvertreib in allerhand ergötzlichkeiten oder starckenleides-üdungen. Aber der fehler lag auch an seinen ausschern,die ihn nicht gebührend anzuführen wüsten, und ihn meistensmachen liessen, was er wollte. Sein lehrmeister Grypenhilmbrachte ihin nur die zwey regeln bey, seine gedancken zu ver-stellen , und auf seiner meynung vest zu beharren, wornebenman ihn zu ordentlicher abwartung des gottesdiensts, zuin ge-bär auf den knien und zum catechismo anhielt. Die mutkerkonnte ihm aus liebe nichts sagen, und überschüttete ihn nurmit essen und trincken, dahero viele von den vornehmsten sichschon dazumal öffentlich über die versaumung des Königs be-fchwerten , welches aber nicht viel helffen wollte. Im übrigenwar Schweden in währender Minderjährigkeit immer gantz ru-hig , und gieng weder in noch ausser dem Reiche viel sonderli-ches vor, ausser daß die Schweden an. i666. die stadt Bremen mit 12000. mann belagerten und sie dringen wollten, sich desKayseriichen schutzes und der Reichs - freyheit zu begeben , wel-ches ihnen doch mißlung, indem sich die Bremer mehr wehrtenals man vermuthet, daher denn auf Vermittelung der benach-barten ein vergleich erfolgte, daß die Bremer nach endigungdes damaligen Reichs - taaes sich bis auf 1700. der stimme unddes standes auf Reichs-tagen enthalten sollten, welches aber,weil der Reichs - tag vor der zeit nicht ausworden, von keinerwürckung gewesen. Es mochte diese rüstung auch dahin abgese-hen seyn, daß sich Schweden bey dem damaligen kriege zwi-schen Engelland und Holland in einiges ansehen setzen wollte,damit es desto eher zum mittler von den kriegenden parteyen an-genommen würde, wie auch in der that erfolgte. An. 1668.liessen sich die Schweden zu Hemmung der Französischen Waffenin den Niederlanden in die bekannte tripel - alliantz ein, weil sieeben um dieselbe zeit von den Franzosen einiger Massen warenverächtlich gehalten worden. Allein diß bundnis bestund nichtlange. Denn die Spanier waren särimig , sie durch geld beygunsten zu erhalten, der Kayserliche Hof weigerte sich, den mitSchweden durch Gesandten gemachten vertrag gut zu heissen,und der Cantzler cle la Gardie war vor die Franzosen. Ob nungleich die Biörenkloische partey sich eifrig widersetzte, brachtenes doch des Cantzlers Vorstellungen und das Französische geld soweit, daß Schweden , da die Holländer mit krieg sollten über-zogen werden , den 14. april 1672. mit Franckreich ein bündnismachte, und gegen etliche tonnen goldes subsidien versprach,den Franzosen entweder durch gütliche Unterhandlung zu einemvorthcilhafften frieden zu verhelffen, oder, dafern ein Reichs-Fürst sich ber Holländer annehmen sollte, denselben auf den leibzu fallen. Es bemüheten sich darauf die Schweden, . theils dieTeutschen Reichs - Stände mit in das Französische bündnis zuziehen, theils den Kayscr vom kriege abzuhalten, wiewol das,was auf dem Reichs-tage vorgegangen, hernach vor einen Vor-schlag ausgegeben ward, den der Schwedische Gesandte vor sichgethan, wie ihn denn auch der König deswegen zurück berufte.So führten sich auch die Schweden bey der Colnischen friedens-handlung als mittler auf, wiewol man ihnen nicht viel traute,weil sie allzu offenbar vor die Französischen Vortheile arbeiteten.Hernach aber, da der Churfürst von Brandenburg sich in denFranzösischen krleg mengte, drungen die Franzosen darauf, daßdie Schweden mit ihm brechen musten, welches desto leichter zuerhalten war, weil der junge König gerne von krieg und kriegs-aeschrey hörte. Man meynt, es hätten die Schweden an-fänglich nicht gedacht, daß die fache so weit kommen würde,und gehofft, sie würden ihr geld mit blossen Unterhandlungenverdienen können, daher sie auch viele Verzögerungen suchten,ehe sie würcklich losschlugen , doch sahen endlich die altenReichs-Räthe den krieg so gar ungern nicht, weil der König da-durch , ihren gedancken nach, etwas zu thun bekam , darüberer nach ihrer Haushaltung zu fragen vergessen wurde. Sol-cher gestalt fiel die Schwedische armee zu ende des 1674. jahrs,unter dem vorwand , daß man keine gemalt üben, sondern nurquartier nehmen, und den Churfürsten dadurch bewegen wollte,das bündnis wider Franckreich fahren zu lassen, in die Marckein , hauscten aber bald als feinde, bemächtigten sich auch desschlosses Löckenitz mit gemalt. Allein sie zogen sich dadurch vielunheil über den hals , indem nebst dem Churfürsten von Bran­ denburg der Kayser, König in Dänemarck, die Holländer, dieHertzoge von Lüneburg , und der Bischoff von Münster auf siezufielen, nachbem sie aufdem Reichs-tage vor feinde des Reichswaren erkläret worden, und der Churfürst den ansang gemacht,und sie bey seiner unvermutheten zurückkunft nach geschwinder«roberung des passes Rattenau, durch das treffen bey Fehrbel-lin im junio an.167;. binnen wenig tagen aus allen seinen län-dern heraus geschlagen, weil die Schweden durch den iahlingenÜberfall in solche bcstürtzung gerathen waren, daß sie nirgendsstand hielten, ob gleich ihr Verlust eben so groß nicht gewe-sen war. So vielen feinden auf einmal zu widerstehen, warSchweden zu schwach , zumal hin und wieder die Teutschensolbaten wegen der Kayseriichen avocatorien nicht fechten woll-ten , und liefe» demnach die fachen dieser Crone sehr unglück-lich. In wenigen seid - zügen giengen alle Teutsche lander

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vrrlohren; ber einsall, der an. 1677. in Preussen geschahe, warfruchtlos, und an. 167«. ward Stralsund , als der letzte Schwe-dische ort auf Teutschen boden, von Chur - Brandenburg ero-bert , der rest aber von der armee, welcher nach Schweden übergeführet werden sollte, strandete bey Bvrnholm , und wasnicht ersoff, ward von den Dänen gefangen. Wobey vonSchweden grosse klagen geführet wurden, erstlich wider denBrandenburgischen Commandeur, welcher dieses unglück mit-riß sollte verursachet haben,, worwider folchcr sich doch ineiner ausgegebenen schrift schützte; sodann auch wider Dä-nemarck , welches diesen trouppen vermöge des accords vonStralsund päffe mitgetheilet hatte, und selbige nun unter demvorwand unkräfftig machen wollte, weil sie nur für diesee und die darinn kreutzende Dänische schiffe zu verstehenwären; aber deren kriegs - volck zu land keineswegeö verbän-den. Diese letztere fielen auch daS Schwedische Reich inSchonen, in Norwegen , sonderlich aber in der ersten pro,vintz mit grosser gemalt an, allwo es am schärfsten hergieng,weil der junge Konig selbst zu selbe zog. In der see wurdenzwar die Schwedischen flotten etliche mal geschlagen, so, daßsie sich auch zuletzt nicht mehr durften sehen lassen, und dieVerwüstung von Gothland , Oeland und Smaland keines We-ges hindern konnten , aber zu lande konnten hingegen dieDänen, ob sie gleich bey dem ersten anfall auf Schonenviel glück gehabt, ihrer nicht Meister werden, gestalt sie dennin drey namhafften treffen bey Halmstatt, Lundh und Carls-crona von dem Könige in Schweden erlegt wurden ; da beyden beyden letztem auch der Dänische Konig in Person zu-gegen gewesen war. Der Konig Carl folgte bey dieser ge-legenhett seiner kriegerischen Hitze, und föchte in eigner perjonmit grosser tapferkeit, dazu ihn denn Johann Güldenstem,einer von seinen lieblingen , noch mehr aufmunterte, welchergern sollte gesehen haben, daß der König ums leben käme.Wenigstens wurde ihm solches von einigen zugemessen, unddaß er im sinn gehabt, hernach ein gantz neues regiment inSchweden einzuführen,daher man denn unterschiedene verräthe-rische streiche bey den Schonischen feldzügen will wahrgenom-men haben. So schlecht es nun vor Schweden in diesemkriege ausgesehen hatte , so wohl wurden die angelegenhei-ten dieser Crone durch der Franzosen Vorsorge wieder her-gestellet , als dieselben im Nimägifchen frieden ihre partey mitgrossem ernst nahmen , auch die andern AlltiWen alle vonBrandenburg , und Dänemarck trennten, welche vor sich al-lein nicht mächtig genug waren , den krieg wider Schweden und Franckreich zu führen, und daher unter FranzösischerVermittelung an. 1679. mit König Carln friede geschlossen,in welchem demselben alles wieder gegeben ward, waS erverlohren hatte, ausser etlichen Reinigkeiten., so er an Bran­ denburg und Lüneburg abtrat. Nach dieser zeit hat sich derKönig in keine kriege mehr eingelassen , und ist blos auf dieinnerliche einrichtung seines Reichs bedacht gewesen, dabey erjedoch dem vdgedachten Johann Güldensternen allzuviel gemalteingeräumt. Dieser wollte ihn anfänglich, um sein ohr allein zubesitzen , von Vollziehung der Heurath mit der Dänischen Prin«tzeßin, Ulricen Eleonoren, abhalten, die dem Könige schon vordem kriege seit an. 167;. verlobt war, deswegen er ihm die-selbe auf allerhand weise zuwider zu machen trachtete, auch be-reits vor ihn um die Printzeßin Annam von Aorck anhalten ließ,und da die Vermählung dennoch geschahe, den König doch der-gestalt beredete, ihr kein gehör zu geben, daß derselbe mit dergemahlin meistentheils sehr kaltsinnig lebte. Durch seine Ver-anlassung war zwischen dem Könige und den Reichs - Räthenein stetes Mißvergnügen , als deren ansehen er unterdrückenwollte, da er hingegen Güldensternen in seinem Gouverne-ment von Schonen , Halland und Blcckingcn eine fast unum-schränckte gemalt verstattete, wie er denn auch in feiner abwe-senheit nichts ohne ihn that , sondern ihm macht gab , inSchonen alle briefe, die von dem Könige verschickt wurden,oder an den König kamen, aufzubrechen , und bey den letzter»darzu zu schreiben, was sollte geantwortet werden. Endlichnahm auch der König auf Güldensterns rath die grosse cinzic-hung der Cron-güther vor, die in vorigen zeiten den allerhandgelegenheiten an den Adel verschenckt waren worden. Dennweil ihn Güldenster» von der Französischen freundschafft seitdem verwichenen kriege abgezogen hatte, gab er ihm diesen rath,damit der König der subsidien von Franckreich um so viel destobesser entbehren konnte, und diesem war es um so viel lieber,weil in der that die Königlichen einkünfte sich nicht im bestenstände befunden. Dieses nun ins werck zu richten, wurden an.1680. die Stande nach Stockholin beruffcn, aber damit sie inder zucht gehalten würden, legte man das lcid-regiment in diestadt. Der Ritter - saal ward «derzeit mit 24. mann bewacht,und dieienigen, die etwan den mund zu weit hätten austhunmögen , waren unter allerhand vorwand von der bcrathschla-aung ausgeschlossen. Ob nun wol diese fache dem Adel sehr we-he that, indem man zumal mit der Untersuchung so weit zurü-cke gieng, als nur einige fußstapfen zu finden waren, daß die-ther dem Könige gehöret, drang der Hof mit seinem vorhabendennoch durch , weil die Bauern, Bürger und Geistlichen wi-der die Edelleuthe stimmten , der gemeine Adel auch wider dengrossen war, indem man ihn beredet halle, es sollte denen nichtsgenommen werde», deren durch schenckung erlangte güther nichtüber drevhundcrt khaler einkömmens trügen, wiewol in drey

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