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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Montmorency vor den köpf zustoßen, sie selbstwieder vertrüge,dem ungeachtet Effiat doch fortfuhr, heimlich des Montmo-rency seine wohlgemeynte Unternehmungen zu hindern, unddadurch verursachte, daß er sich auf des Hertzogs von Or-teans feile schlug. An. meng der Marschall ä'Effratmit einer armee nach Teutfchland, den von den Spaniernverjagten Churfürsten von Trier wieder in fein land einzu-setzen. Allein, da er eben im begriff war, Trier ru bela-gern , starb er den 27. iulii bemeldten jahrs zu Lutzelstein,und ward als ein alter freund vom Cardinale sehr beklagt.Von seinen Andern siehe den vorhergehenden geschlechts-ar-tickul. Dieser Marschall von Effiat war ein guter foldat undgeschickter Staats-mann, wie er denn sonderlich dem finan-zen-wesen wohl vorgestanden. Man setzt aber an ihm aus,daß er arglistig und ruhmräthig gewesen, und sich dem Car­ dinal Richelieu allzusehr ergeben. Memoires de BaJJompierre.VaJJor, histoire de Louis XIII. &c.

(toisfier, (Heinrich) genannt Ruze d'Effmt, war einsöhn des vorigen, an. 1620. gebohren, und ist meistens un-ter dem nahmen des Marquis von Cinqmars in den geschich-ten bekannt. Er kam an. i6;6. schon an den Hof, und wardCapitain unter der Königlichen garde, da er sich denn aufdem zuge, den der Köntg nach der Picardie vornahm, beydemselben sehr angenehm machte. Der Cardinal Richelieu beförderte seine gunst bey dem Könige ungemcin, nicht nur,weil er seines vatters freund gewesen war, sondern auch,weil er gerne eine solche person zu des Königs lieblinge ma-chen wollte, die sich , wie er von Cinqmars hoffte, lediglichnach ihm richtete, deswegen er es denn an. 1637. dahinbrachte, daß ihn der König zum Grand-Maitre de la garde-robe bestellte. Der König gewann ihn so lieb , als er jemalsjemanden gehabt hatte, und der Cinqmars fieng zeitig andem Cardinale selbst gefährlich zu werden. Der König gabihm an. i6zy. aus eigner bewegung das Ober-Stallmeister-amt , und seinem brüder eine reiche Abtcy von des Cardi,nals Valette verlassenschafft; wiewol Richelieu eine andereeintheilung davon gemacht, und dem Könige eine Verzeich-nis übergeben hatte, nach welchem dem jungen Effiat einmäßig Beneficium zugedacht war, welchen aufsatz aber derKönig zerriß, und gedachter Massen änderte. Diß verdroßden Cardinal dergestalt, daß er von stund an schwur, ihnzu stürtzen, wie er ihn denn nach der zeit .hinderte, wo ernur konnte, und von ihm unter der Hand übel redete. Sowidersetzte er sich ihm, da er ein Mitglied des KöniglichenRaths werden wollte , und ließ sich dabey vernehmen, eSwürde dadurch der Königliche Rath bey allen auswärtigenin Verachtung kommen, wenn der unverständige Cinqmarsin demselben sässe. Da ferner dieser sich mit der PrintzeßinMaria von Revers zu vermählen gesonnen war, redete derCardinal abermal mit grosser Verachtung von ihm, und gabihm auch schuld, daß er sich in der belagerung von Arras an. 1640. sehr feuerscheu aufgeführt. Hingegen faßte Cinq-mars gegen den Cardinal auch feuer, und ließ sich die lustankommen, ihn zu unterdrücken, suchte ihm auch in allengelegenheiten bey dem Könige ein bein zu stellen, und hofftemit der zeit selbst Premier-Minister zu werden; zumal da sichder König ' zum öftern in vertrauten Unterredungen merckenließ, daß er des joches, welches ihm der Cardinal bisher auf-gelegt , uderdrüßig sey; wiewol ihn der König auch vielmalwarnete, daß er nichts wider den Richelieu vornehmen sollte,sintemal er ihn gegen denselben, der ihm noch unenlbährlichsey, nicht schützen könne, wenn er sich öffentlich vor feinenseind erklärte. Indessen war Cinqmars zwar der liebe desKönigs vollkommen versichert, ließ sich aber dadurch zu ei-nem unbesonnenen üdermuthe verleiten, so gar, daß er mitdem Könige, wie mit seines gleichen umgieng, ihm nicht auf-wartete , wenn es seiner bequemlichkeit zuwider war, unddarüber manchmal in harten wort-wechsel mit ihm gerieth,da er ihm aber nichts verschwieg, und bisweilen gar denstuhl vor die thüre setzte, welches alles ihm doch der Königzu gute hielt, und nur jedesmal etliche tage mit ihm schmoll-te. An. 1640. ließ er sich mit dem Graftn von Soissousund Hertzoge von Bouillon ein, die des Cardinals feindewaren, und hielt den König geraume zeit ab, daß er diesenbeyden Herren, nicht, wie es der Cardinal gerne wollte, mitgewalt auf den leib gicng. Man meynt, der Graf habe ihmdavor seiner schwester tochter, eine Printzeßin von Longue-ville, zur ehe zu geben versprochen. AIs aber dieser Handelan. 1641. durch den tod des Grafen von Soissons aus ward,machte er neue anschläge wider den Cardinal mit den Hertzo-gen von Orleans und Bouillon. Er vor seine person wollteden Richelieu todt haben, dazu aber gedachte beyde Herren nichtstimmen wollten. Er trug es selbst dereinst dem Könige vor,der zwar hernach vorgegeben, daß er den mord nicht gebilligt.Cinqmars aber soll bey seiner inquisition das gegentheil aus-

« t haben. Damit nun die verbundenen einen rückenhaltall der noth haben möchten, richteten sie mit der CronSpanien ein bündnis auf, vermöge dessen sie sich verpflichte-ten , die bisherigen ausgeführten rathschläge des Cardinals ge-gen das Haus Oesterreich zu hemmen, und zwischen Spa­ nien und Franckreich auch mit gewalt friede zu stiften. Alsan. 1642. der König nach Rvußillon zu selbe zog, erwies er

sich gegen den Cinqmars, der ihn nebst dem Cardinal beglei,tete, überaus gnädig, wollte auch, wenn Richelieu etwaswider ihn redete, demselben kein gehör geben. Hingegennahm Cmqmars dieser gelegenheit wahr, und setzte durch sei-ne Vorstellungen den Cardinal vollend aus allem glauben beydem Konrge. Zu Lyon sollte derselbe ermordet werden, undwaren dazu eine grosse anzahl Edelleuthe aus Auvergne ver-geben. Es unterblieb aber, weil der König sich nicht ent-schlieffen konnte, solches ausdrücklich zu befehlen. Gleichwolhatte es Cinqmars so weit gebracht, baß des Königs gemürhegantzlich von dem Cardinale abgewendet war, und Richelieu selbst glaubte, er sey ohne Hoffnung verlohren; deswegen ersich ziemlich weit vom Hofe wegmachte, und sich schon gefaßthielt, bey zunehmender gefahr das Königreich gar zu verlas-sen. Es würde solcher gestalt Cinqmars seinen zweck auch ohneSpanischen beystand vollkommen erhalten haben, wenn nichtzu allein Unglück der Cardinal Nachricht von dem bündnisse mitSpanien bekommen hätte, die er dem Könige ertheilte, wel-cher nach langer unentschlossenheit endlich den Cinqmars inarrest zu nehmen befahl. Verschiedene memoires dieser zeitwollen auch versichern, daß der König sich niemals zu diestmschluß hatte bringen lassen, wo nicht gleich zu derselbigen zeit,und zwar auf heimliches anmahnen des Cardinals sechsten,welcher die art und das gemüth seines Herrn kannte, eineschlacht in Picardie durch den in dieser provintz commandiren-den Generalen wäre verlohren worden , wodurch selbige gren-tzen auf einmal den Spanischen Unternehmungen schienenblos gestellet zu seyn. Wie nun ohne Richelieu, der bis da.hin alle Reichs-geschaffte, und sonderlich auch die anordnungdes kriegs-wesens allein unter Händen gehabt, der einbrechen-den gefahr nicht konnte vorgebogen werden; so muste nun derKonig sich in allem nach dessen willen bequemen, und denCinqmars ohne Weigerung seiner raach zum opfer dargeben.Die arrestirung geschahe zu Rarbonne, dahin er dem Königeaus dem lager vor Perpignan gefolgt war, den 1;. jun. an.1642. Es ward ihm zwar verrathen, und er versteckte sich, weisdie thore geschloffen waren, bey einer frau, in deren Hause erzuweilen seinen lüften nachgegangen war. Der mann aber ver-rieth ihn, worauf man ihn nach der citadelle von Montpellier brachte. Seinen Proceß machte man ihm zu Lyon , und ließsich der König verleiten, selbst wider ihn von den dingen, diezwischen ihm allein vorgegangen waren, zu zeugen. Er wardhierauf den 12. sept. zum tobe verurtheilt, das urtheil auchnoch denselben tag vollzogen, und ihm der köpf abgeschlagen,wobey er eine grosse unerschrockenheit, die fast etwas ruhm-räthiges an sich hatte, bezeigte. Dieser Herr sahe sehr wohlaus; hatte viel verstand und hertzhafftigkeit in seinen Unterneh-mungen. Weil er aber zu jung und ohne erfahrung in grossesglück kam, wußte er sich darein nicht recht zu schicken, und über-nahm sich desselben mit vieler Unbesonnenheit. Vafßr , bist. deLouis XIII. liv. XLV-L. Vittorio Siri , memorie tom. VIII. Mutmires du Duc de BouiUon , &c. *

Cotgnac, eine kleine stadt in der landschafft Angoumois, ge-gen die grentzen von Xaintvnge zu, zwischen Jarnac und Xam-tes, liegt an dem fluß Charente, auf einem sehr fruchtbaren Ho-den, worauf insonderheit viel wein wächset. Sie führt den ti-tul einer Castellaney, und ist deswegen berühmt, weil sie Fran-cisci I. geburts-stadt gewesen, welcher auch die vestung daselbsterbauen lassen. An. 1562. bemeisterten sich die Protestirendmdieses orts, und erhielten ihn auch an. 1569. ungeachtet ihn derHertzog von Anjou, nachdem er die schlacht bey Jarnac gewon-nen, belagerte. Es wurde auch an.i6;i. der Printz von Condedurch die Königlichen trouppen von hier abgetrieben.

Eoignet, (Caspar) Herr von Tuillerie und Graf von Cour-son, hatte Matihäum Coignet, der unter der regierung Hein-richs IV. in Franckreich bekannt gewesen, zum vatter. Er wardan. 1618. Parlemcnts-Rath, so dann an. 1624. Requetenmei-sier, ingleichen Königlicher Staats- und Finanzen-Rarh. DerKönig Ludwig XIII . machte ihn zum Intendant de Justice inden provintzen Taintonge und Poitou, und ließ ihn daher nacheroberung der stadt Rochelle daselbst zurück, um die schleiffungder bevestigungs-wercke zu besorgen, in welcher Verrichtung ersich/0 verständig aufgeführet, daß er ohne des Königs befehlezurück zu setzen, sich dennoch der Rocheller gewogenheit erwor-ben , die ihm zu ehren kleine müntzen schlagen lassen. Denmeisten rühm hat er durch seine Gesandtfchafftcn erhalten.Denn an. 16,2. ward er zum Ambassador nach Venedia er-nennet , wo er den rang der Crone Franckreich über die Spa-nier mit grossem rühm behauptet, auch die Republick von denUneinigkeiten mit dem Papst Urbano VIII. abgehalten, und diePrintzeßin Maria von Gonzaga, eine Wittwe des PrintzenCarls von Mantua , mit ihrem schwieger-vatter versöhnet.Hernach hat er an. 16,7. und 1640. eine ausserorbentliche Gc-sandtschasst an den Italiänischen Höfen und bey den Hollän-dern verwaltet, von dar aber ist er bey dem an. 1644. ent-standenen kriege zwischen Dänemarck und Schweden an beydeCronen abgeschickt worden, wo er so glücklich gewesen, daß er an.

1645. den frieden zu Brömsebroo vermittelt, und sich beyderHöfe Hochachtung dadurch erworben. Er kehrte von bar an.

1646. zu seiner Gesandtschafft nach Holland zurücke, die er nichteher als an. i6;o. verließ, da der König seine geleistete dienstedadurch vergalt, daß er die landschafft Courson zur Grasschafft

machte.