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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
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tochter Renati von Fronlay, Grafens von Tesse, vermahlet,und mit ihr folgende3. kinder gezenget: i.) LudovicumRenatum Eduardum Colbert, Marquis von Maulevrier,welcher an. 1719! bey dem regiment von Piemonk Obristexwar. 2.) Renatum Eduardum. 3.) Mariam Henriet-ten, welche an. -722. Carolum Franciscum, Grafen vonEstoing, zum gemahl bekommen.

Zu dem gcfchlechte Colbert gehören auch die Marquis Villa-cerf und von St. Pouanges. Odoardus Colbert, Herr vonSt. Pouanges, zeugete mit Maria Fouret, Frau von Villa-cerf, folgende 6. kinder: 1.) Ödoardum, einen Parlements-Rath zu Paris , dessen söhn Michael an. 1694. als Requeten-meister starb, und keine männliche erben nach stch ließ. 2.)Johannem Baptiftain, Herrn von Paris Pouanges undVillacerf, von dem hernach. ;.) rfticolaum, Herrn vonTurgis, von dessen nachkommen einer an. 1729. Abt vonAnmale oder St. Martin cl'Auchy und Canonicus zu Tour-nay war. 4.) Simonem, Parlements-Rath und Königli-chen Almosenier. 5.) Antoniam, eine gemahlin LudoviciSaladini von Anglure von Bourlemont, Hertzvgs von Atri .6 .) Margaretham, die mit Vincentio Holman, Intendan-ten der finanzen, verheurathet gewesen. Qbgedachter Jo-hannes Laptista Colbert, Herr von St. Pouanges undVillacerf, Königl. Staats - Rath und Intendant von der Pi-cardie, so an. i 6 ü;. gestorben, zeugte mit Claudia, desCantzlers Michaelis le Tellier schwester, 3. söhne, von denenGabriel ein Malthefer-Ritter gewesen, Johannes Baptiftaan. 1710. als Ertz-Bischoff von Toulouse , und Michael an.1676. als Bischoff zu Macon , mit tode abgegangen, Edu-ardus aber und Gilbertus ihren stamm fortgepflanzethaben:

A. ) Eduardus Colbert, Marquis von Villacerf, Staats,Rath, Premier Maltre dHötel erst bey der Königin Maria Theresia , hernach bey des Dauphins gemahlin, und Ober-Aufseher über die Königlichen qebaude, starb an. 1699. Seinesöhne» die ihm GenevievaLarcher gebohren, waren: r.) Edu-ardus, der an. 1677. in der fchlacht bey Mvnt-Cassel blieb.2.) Franciscus Michael, der an. 169z. bey der belagerungvon Furnes umkam. 3.) Carolus Mauritius , Abt vonSt. Andre en Goufer, General - Agent der Geistlichkeit. 4.)Petrus Gilbertus, Marquis von Villacerf, der erst ein Mak-theser-Ritter war, nachmals bey der Madame la Dauphinc,Ludovici XV. mutier, Premier Maitre dHötel wurde, undan. 1733. im mertzstarb. Er hatte sich an. 1696. mit AnnaMaria Magbalena, einer tochter Johannis Carvli von St.Nectaire, Grafen von Brinon, verehelichet, und mit derselbenunter andern Margaretham gezeuget, welche an. 1697. ge-bohren, und an. 1714. mit Francisco Emanuel von Crussol,Grafen von Lestranges, vermählet worden.

B. l Gilbertus Colbert, Ritter, Herr von St. Pouangesund Chabanois, abgedachten Eduardi, Marquis von Villacerf,bruder, war erstlich bey der Königin Maria Theresia 8eereta-rius, wurde hierauf an. 1-701. Groß-Schatzmeister der König-lichen erden, und starb an. 1706. in dem 64. jähre feines al-ters. Sein einiger söhn, Franciscus Gilbertus Colbert,Herr von Chabanois, den er mit Francisca Renata Berthe-met, so an. 1732. den 28. febr. zu Paris in ihrem 83. jähreverschieden, geseuget, war an. 1704. Obrister zu pferd undBrigadier der Königl. armeen , wurde an. 1719. den i. mertzMareedal de camp, und starb den I I. nov. des besagten jahrs.Er hatte sich an. 1702. mit Angelica, der einzigen tochter Fran-cisci vonEscvubleau, Grafen von Sourdis, verehelichet, welcheihm an. 1703. Franciscum Gilbertum Colbert gebohren.Ausser diesen sind auch folgende drey zu mercken: 1.) AndreasColbert, der an. 1704. als Bischoff von Aurerre, das zeitlichegesegnet. 2.) Michael Colbert, der an. 1702. alö General desPrämonstratenser -ordcns, verschieden. 3.) Carolus Colbert,du Terron, heran. 1684. als Intendant von, fee-Wesen ge,storben, und 4. töchler nachgelassen. Anfiime , Kilt. geneal.tom. IX. p. 231.308.324. 323. 327· & 341·

Colbert , (Johannes Baptista ) Marquis de Seignelay und de Chateau - neuf für Eher, Baron de Sceaur, Linieres,Ormois, rc. war einer der grasten Staats-Minister in Franck-reich bey dem Könige Ludvvico XIV. Er war ordentlicher Rathin allen Constliis, Ministre und Secretaire dEtat, Commandeurund Groß-Schatzinerfter der Königl. orden, General-Controleurder sinanzen, Ober-Aufseher über die gebäude, fünfte und Ma-nufakturen in Franckreich, rc. Sein vatter Nicolaus Colbert,Herr von Vandieres, war anfänglich ein weinhändler, hernachhandelte er mit tuch, und endlich mit seiden-waaren; seine mut-ier aber hieß Maria Pussort, welche ihn zu Rheims in Cham­ pagne im aug. an. 1619. gebohren. Er war von seinen eiternzur kaufmannfchafft bestiinmet, zu welchem ende er sich erstlichnach Paris , und nachmals nach Lyon begab; doch änderte erseinen sinn, und gab bey unterschiedenen Ädvocaten einen schrei-ber ab, bis er endlich zu einem der vornehmsten Staats-Mini-ster , Michael Tellier, kam. Dieser überließ ihn dem Cardinal Mazarin , welcher, da er seine geschicklichkeit und treue wahr-nahm , ihn nach Rom schickte, daß er wegen ausjohnnng desCardinals de Retz und restitution des Hertzogthums Castro anden Hertzog von Parma tractiren sollte. Da er nun wieder kam,Hissor. Lexhofi u. Theil.

unterließ er nicht sein glück ferner zu beobachten, sorgte abevauch für seine brüder, und brachte es dahin, daß Carolus Col-bert Intendant über Elsaß und Präsident im Parlemente zuMetz, Nicolaus aber Bischoff zu Lugon und Königl. Bibliotbe-carius wurde. Endlich als der Cardinal Mazarin an. -66l.starb, hatte er diesen Colbert vorher dem Könige aufs beste re-commendiret, welcher ihm auch alsobald das finanz-Wesen ineinen bessern stand zu setzen auftrug. Gleichwie nun Nicolaus Fouquet hierdurch gestürtzet, und wegen seiner üblen Haushal-tung an. 1664. zu ewigem gefängnis verdammet, auch zu diesemende nach Pignerol geschickt wurde, weil er schiene des Colbertsglücke im wege zu stehen; also ließ er stch im qegentheil äusser-angelegen seyn, die einkunfte und ausgaben des KönigS in dierichtigste Ordnung zu bringen, so daß er auch zu sagen pflegte:der König wüßte feine einnähme und ausgäbe weit genauer, alSeinige privat - person im Königreiche. Bey dem falle desFouquets aber ließ sich Colbert angelegen 'seyn, den vortreflich-sten Poeten, Paul Pelisson , zu erhalten, welchen er mit vie-len wohlthaten in seine dienste gezogen. Colbert wurde hieraufzu vielen andern wichtigen Verrichtungen gebraucht, und warstets beschafftiget, etwas zu erfinden, so zur aufnähme deSReichs und Vermehrung des ruhms vor den König gereichenmöchte. Denn er hat die Handlung nach Indien stabiliret,und zu diesem ende die Ost-und West - Indianische societätaufgerichtet; weil er auch die anfsicht über die Königlichengebaude hatte, so ließ er viel prächtige gebäude aufrichten, unddas Louvre ngch dem entwurffe des Perraut, der ein Mitgliedder Academie der wissenschafften war, vollführen. Ferner hater den canal in Languedoc auf angeben des Alans. Riquet an-gefangen, und mit grossem rühme vollendet, wodurch das Mit-telländische mit dem Aquitanischen meere vereinbaret worden.Nicht weniger hat er sich geneigt gegen die studia erzeigt, in-dem er an. 1663. eine Academie aufgerichtet, darinnen die Me-daillen , devisen, inscriptionen, rc. die auf den König ge-macht , sollten untersucht werden. An. 1666. stiftete er die Kö-nigliche Academie der wissenschafften, zu welcher Hugenius auSHolland , und der berühmte Astronomus Caßini von Padua be-ruffen wurden; und weil diese auch die Chymie perfectionirensollte, ließ er in der Königl. bibliotheck ein grosses Laboratoriumbauen, woselbst sich auch diese Academie zu versamnrlen pflegte,und an. 1667. ein Observatorium zu beförderiing der Astronomie.Den gelehrten und berühmten leuthen, sowol in Franckreich alsan andern orten, verschaffte er von dem Könige ansehnliche pen-stonen, und vor sich sammlete er eine ansehnliche bibliotheck,wobey er aber nicht unterließ, die Königliche bibliotheck zuvermehren. Er schranckte auch das ansehen der Parlementer,sonderlich des zu Paris , viel enger ein, um dadurch die machtund authorität des Königs zu vergrössern. Zu Verbesserung deSFranzösischen Rechts konnte er zwar seinen endzweck nicht errei-chen , doch setzte er die criminak-sachen auf einen andern fuß,machte auch unter den kaufleuthen wegen der assecnrationen einander reglement., In summa, er war eifrigst bemühet, diefehler in allen ständen zu verbessern, und die studia , fünfte,handwercker und kaufmannfchafft in grössern flor zu bringen, in-sonderheit aber die Franzosen zu den see-commercien zu animiren.Weswegen ihm denn nicht allein der König die wichtigsten bedre-nungen Anvertrauet, sondern er auch einen grossen reichthum zu-wege gebracht. Er starb endlich den 6. sept. an. 1683. und mustesein cörper bey nacht mit einer starcken wache begraben werden,damit er nicht von dem gemeinen pöbel angegriffen würde, beywelchem er, wegen erfindung vieler neuen auflagen, sehr verhaßtwar. Von seiner gemahlin und kindern siehe oben im geschl. art.La vie de Jean Baptist. Colbert. merckwürdige Histvr. VVM jähr1704.

Colbert , (Carolus) Marquis von Croissy , Minifee undSecretaire dEtat, war ein bruder des vorhergedachten berühm-ten Johannis Baptista, durch dessen recommendation er Präsi-dent im Parlement zu Metz und in dem obersten Rath über El­ saß worden, auch noch viele andere vornehme bedienungen er-halten hat. Er wurde als Ambassador zum öfter« verschickt,und in den wichtigsten angelegenheiten gebraucht; wie er sichdenn insonderheit an. 1668. bey dem friedens-schlusse zu Aachen mit befunden , auch den frieden zwischen den General-Staatenlind dem Bischoffe von Münster mit befördert. An. 1679.war er als ein ausserordentlicher Ambassador und Plenipoten-tiarius bey dem friedens-schlusse zu Niemägen, zu welcher zeiter atich zum Präsidenten des Parlements zu Paris ernennet wur-de , welche stelle er bey seiner Wiederkunft antrat: bald dar-auf wurde er nach München , wegen der Heurath der Bayeri-schen Printzeßin mit dem Dauphin zu tractiren, abgeschickt.Er starb endlich den 28. jul. an. 1696. Von seiner gemahlinund kindern siehe den geschlechts-artickul. La vie de Jean Bapt.Colbert .

* Colbert , (Eduardus Franciscus 1 Graf von Maulevrier,Herr zu Vendieres, Ritter der Königlichen orden, und Gene­ ral -Lieutenant über seine armeen, ein bruder Johann BaptistäColbert, und geheimer Cabinets-Minister und Staats-Secreta.rius des Königlichen Raths. Er ergriffe den wehrstand , undlegte grosse proben seiner tapferkeit ab. An. i66r. war erCömmendant zu Philippsburg , an. 1622. Capital« über dieKönigliche leib-wache, an. 166;. Capitain-Lieutenant der Mukquetaires, an. 1669. befände er sich beyder belagerung Candia,

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