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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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er sie eine so grosse gelehrsamkcit in den Rechten zuwege, daßer selbige zu Heidelberg zu profitiren erwehlet wurde, welcheser auch zu Basel und'an andern orten gethan, bis ihn endlichder Fürst von Anhalt Christianus zu seinem Cantzlcr annahm,und in viel wichtigen angelegenheiten in Franckreich, Teutsch-and, Engelland, rc. gebrauchte. Er war ein mann von ei-nem grossengeist und vieler geschicklichkeit, aber dabey etwashoffärtig, und aus dieser ursach auch unruhig; weswegen erin viele Verdrießlichkeiten verfallen, und von solchen orten, daman ihm viel gutes gethan, zuletzt Mit streit und zanck wegge-kommen. Er starb an. 1612. den 21. febr. im 91. jähre fei-nes alters. Seine schriften sind: Consiliarius Princeps;Axiomata de Nobilitate , so zu erst unter dem nahmen Sini-baldi Ubaldi J. C. ausgegangen, und hernach diesem letzternbuch beygefügt worden; Cornrnentarius ad tit. Digest, dediv. Reg. Jur. antiqui Palatinus seu Aulicus; ingleichen äsIncrementis Urbium. Adami , vit. JCt. Germ. Freber. in thea-tro, &c. *

* (Tolle, (Johannes a) ein Italiänischer Medicus, warzu Belluno im Venetianischen an. 1998. gebohren, studirteznPadua , und ward, nachdem er eine zeitlang an dem HofeFrancisci Mariä ll. Hertzogs von Urbino , als Leib-Medicusgestanden, Profestor Medicinte daselbst, und starb ander pestan. 16; I. Man hat von ihm Medicinam practicam, Pejüro1617. Cosinitorem Medicsum triplicem, Venedig ; Tracta-tus de Peste ; de Morbo Galileo; de Plica; Comment inHippocratem de Insomniis ; Elucidarium Anatomicum&Chi-rurgicum, ib. 1621. Tractat. de Medicina jucunda &c. Pa-pudopoli bist. Gymn. Patav. tom. I.

COLLECTA, hieß bey den alten Römern eine Portionvon geld oder essen, dergleichen einige zusammen trugen, mddavon mit einander speiseten; es wird auch vor die mahlzntselbst gebrauchet. In der alten kirche hieß Collecta nicht al-lein das almosen, sondern auch die versammlung des volckizum H. Abendmahl oder messe. Es mag wol dieses seinennahmen daher haben, weil man zu anfange der ersten kirchesein essen in die kirche zusammen brachte. Daher findet manin den scribenten mittlerer zeiten oft die Worte: Collectam ce-lebrare, ad Collectam properare. Hernach wird auch diesesWort gebrauchet von denjenigen geböten, welche man bey demH. Abendmahl gebätet oder gesungen hüt, die auch noch heu-tiges tages den nahmen der Collecten behalten haben. Col-lectaneum oder Collectarium heisset ein Collecten-duch. Du Fres.ue. Turnebm. Pitiscm.

* (Tollega, (Cnejus) oder wie andere lesen, Colliga,

(dann das Griechische Wort wird bey Josephs xoxxxyac ,oder den Varianten lectionen nach auch geschrieben)

ein Statthalter in Syrien , wo er bey abwesenheit Cesennii Peticommandirt hat. Er hatte viele mühe die bürger zu Antiochia abzuhalten, daß sie die gesamte Jüdenschafft nicht vertilget ha-ben , welche nach der zerstörung der stadt Jerusalem in grossermenge dahin flohen, und von altem her grosse freyheiten, ei-nen'eigenen tempel, und den freyen zugang wie die Griechenallda hatten. Der tumult wider die Juden gieng darum an,dieweil man ihnen zumasse, daß sie den vie'reckichten marckt,platz allda, welcher im feuer aufgegangen war, angesteckethätten. Dieser Collega aber untersuchte die fache, und erfüh-re, daß nicht dieselbe Jüden, sondern etliche böswichte, welcheschulden halben gedrücket worden, und bey einem guten brandsich erholen wollten, die Mordbrenner gewesen, welche dannwie billich darum gestraft, die Jüden aber losgesprochen wor-den. Dieser Collega heisset in den manuscripten Neo?

yac, woraus man muthmasset, es müsse kC neus gele-sen werden. Ob nicht vielleicht dieses Wort Neoc recht geschrie-ben sey, und xo^nyai bey dem Josephs das Lateinische WortCollega andeuten wolle, und also könnte übersetzet werden:Hovus Collega quidam Legatus gest. lässet man dahin gestelletseyn. Flavim Jofepbm, de bello Judaicolib. VII. cap. 3. edit.Havercampi , Amstei. 1726.

COLLEGIA. wurden sonst auch oft 8odalitates genen-net. Es waren zu Rom verschiedene Societäten oder Colle-sia, z. e. von den Geistlichen, dahin gehören die 4. vornehm-sten Collegia Pontificum , Augurum, Septemvirorum, Epulo-num unb Quindecimvirorum. Hernach hatten die handwer-cker ihre zünfte und innnngen, welche Numa Pompilius , oderwie andere wollen, Servius Tullius aufgebracht hat, der-gleichen in allen städten und provintzen waren: Z. e. Collegium

sigulomm, kabrorum, Xrariorum ct kerrariorum , dendröpho-rorum, tignariorum, &c. Weil aber in. den spätern undletzten zeiten der Römischen freyheit diese Collegia zu den sogenannten practicken und ämter-werbungen, auch wol zu er-wecknng vieler unruhen unter dem volck, und störnng dessenordentlicher Versammlungen sehr mißbrauchet wurden, müssendie, so miteinander in einem Collegio waren, in dergleichen fäl-len gemeiniglich alle für einen mann stunden, und ihr vorha-ben oder vielmehr das vorhaben derer, von welchen sie gewon-nen und gedingt waren, mit gewalt durchzudrücken, sich leichtbereden liessen, ward endlich zur zeit Ciceronis für nöthig er-achtet , selbige oder wenigst alle neu-ausgerichtcte Collegia aufeinmal durch eine ernstliche Ralhs-erkannlniS aufzuheben, und

zu zertrennen; mit dem klaren anhang: wer solche dennochunterstünde fortzusetzen, sollte angesehen und gestraft werdem°jt e . u £ §ewalt verübt, und die gemeine ru-he zerstöret hätte. Dieses war hauptsächlich wider P. Clo-

*t Un rJi et la ' "ne grosse anzahl solcher Collegien ausder schlimsten canaille gestiftet hatte, und durch dieselbe seinegewaltthätige Unternehmungen am meisten unterstützte, cic.hb iLad. Q. fratrem ep.9. Cajus J. C. lib.IV. ad Leg. XU.Tab. &c. Pitiscus. * °

COLLEGIUM CAPITOLINORUM, hat M. Furius Di-ctator aufgebracht, und bestund aus gewissen leulhen, die aufdem Capitolio wohnten, und die Capstolinischen schauspiele bestellten. Lm. hb. V. Cic. hb. I. ep. ad Q, fratrem ep. gGutherim, de jure Pontif. 3. ;8. * ^ 9 '

COLLEGIUM CORNELIORUM, war eine yarthie vonmehr als 10000. menschen, welche zur zeit des Triumviratsknechte waren, die aber L. Cornelius Sulla frey gemacht, undihnen das Römische bürger-recht gegeben, nachdem ihre Her-ren in dem vorhergegangenen bürgerlichen kriege, da sie deSSuüä gegen-partey hielten, umkommen waren, oder sonstvon Sulla proscribirt und verbannet worden. Diese habenvon ihrem Patron allesamt den nahmen Cornelius angenommen,und stunden ihm auch auf bedürfenden fall gleich zu diensten.Appian. de bell. civ. Cic. in orat. Car. Sigonim , de ant. jur.civ. Roman. II. 14. Pitiscm.* '·

* a (Tollen, oder ä Ceulen, (Ludolph) war von HjldeS-heim gebürtig, und legte sich mit solchem fleiß auf die Ma.thematic , daß man ihn zur ersten Profestion der kriegs-kunsinach Leiden berief. Er hat in Holländischer spräche de Circu-lo & adfcriptis , Leiden 1619. in 4. de Afuris ; GeometricasPropositiones, ib. 1615. in UNd Problemata geschrieben, undist an. 1610. den letzten dec. gestorben. Meurjü Ath, Batav.

Collenuccto, (Pandulphus) oder CoUmutius, ein be-rühmter Italiänischer Distoriois im anfange des XVI. sixculi,war gebürtig von Pesaro . Er war in sprachen, wie auch m dengeist-und weltlichen Rechten , ingleichen in andern stndien wohlerfahren, dannenhero ihn der Hertzoq von Ferrara als Am-baffador an den Kayjer Maximilianum I. schickte. Wie hocher zu seiner zeit von den Gelehrten geschätzet worden, erhelletaus einer epistel des Angeli Politiani, die er an ihn geschrie-ben , und sich in dem siebenden buche seiner episteln befindet.Paulus Jovius meldet, daß Johannes Sforzia, ein Tyrannvon Pesaro , denselben tm gefangnis habe stranguliren lassen.Pierius Valerianus aber berichtet, daß solches von dem Casa-re Borgia geschehen. Seine hinterlassene schriften find: Ui.florite Neapolitanae & Rerum« gestarum Regum Neapolitano-rum lib. VI. die er in Italiänischer spräche geschrieben ; eingespräche zwischen dem köpf und dem Hute unter dem titul:La Baröta contra i Cortegiani; Defensio Plinii adversus Leo-nicenum; de Vipera. Leander Alberti meldet auch, daß ereinen tractat von erfindung der büchsen geschrieben. Giralidial. 2. de Poet. fui temp. Joviw, in elog. c. ;6. Pier. Va!i.rian. de infelic. literat. lib. II. Voßiw, de bist. Lat. lib. III.Hugo/. Verrinus, lib. II. Florent, illustr. Alberti , defcr. Ital.

* (Tolles , (Matthäus) ein Neapolitaner, dessen Bacciusin natural. vinorum bist, V. p. 246. & 248· rühmlich gedeil-cket, war anfangs bey dem dasigen Vice-König Secretarius,wurde darauf in dem kloster St. Mariä de Victoria und St.Cakharina de Cella Abt, endlich aber an. 1679. Bischoff iuMarsi . Er half seinem Bißthum herrlich wieder auf, stiftetedie kirche St. Mariä Gratiarum , und legte nicht weit davoneinen Bischöfflichen pallast an, richtete auch ein 8emmarimnund andere geistliche Collegia auf. Weil er aber die jura sei,ner kirche gar zu eifrig hervor suchte und vertheidigte, geriether darüber in grosse Verdrießlichkeit, so gar, daß er eine zeitlang in der Engelsdurg arrest halten muste. Doch seine Un-schuld half ihm bald wieder los, nach welcher zeit er zu Rom sich noch weit nützlicher vor die gcrechtsame seines Stifts be-arbeitete. Er starb aber nicht lange darnach im 6z. jähre sei-nes alters an. 1596. Ugbelim, Ital. facr. tom. I. p. 914.

* (Tollet , (Philibert) ein gelehrter Französischer Jurist undAdvocat in dem Parlement von Bonrgogne, war zu Chatillonles Dombes an. 164;. den n. febr. gebohren. Nachdem erzu Lyon unter dem P. la Chaise und ?. Menetrier studiret, trater in das Novitiat der Jesuiten zu Avignon . Er verließ aberdiesen stand auf Veranlassung einiger häuslichen umständen baldwieder, und da ihm einige unvermuthete Verdrießlichkeitenvorgestossen, retirirte er sich nach Londen , und machte sich da-selbst mit Boyle, Willis, und andern vornehmen Gelehrtenbekannt. Nach einiger zeit kam er wieder in sein vatterlandzurück, legte sich aus die praxin, und erhielte die stell einesAdvocaten bey dem Parlement in Bourgogne , und eines Ge-neral-Procureurs zu Dombes. Er starb in seiner vattcr-stadkan. 1718. den 31. mertz, nachdem er viele schriften verfertiget.Darunter sind : Traite des Excommunications , Diio» IÜ8;.in 12. Tr. de FUfure, Lyon 1690. in 8. Paris 1693. in 8.Preface au Dictionnaire Mathematique dOzanam , 1691. ist4. Entretiens für les Dixrnes, Lnon, Paris 1693. in 12. £n-tret. für la Clöture religieufe, Dijon 1697. in 12. Lettres fürl'Distoire des Plantes de Tournefort; Catalogue des Plantes älentour de Dijon, Dijon 1702. in 12. Commentaire fürles Statuts de Dresse, DlM 1698. in svl. und noch Vtt-