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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Unter sich die Commendatores Castri, Haus-Comthuren. Unterhen Land-Comthuren sind einige unmittelbare Reichs-istände,welche ihren sitz unter den Prälaten haben; als da sind die-jenigen, welche der Balley Elsaß und Coblentz vorstehen; an-dere aber sind den Ständen, in deren territoriis sie ihre-ther haben, gewisser Massen unterworffen; als da sind dieLand-Comthuren in Oesterreich , Sachsen , Thüringen , Hes­ sen , rc. Was den Johanniter-orden anlangt, so ist die Teut-sche Zunge die siebende an der zahl, und begreift vier Prima-ten : das Teutsche, böhmische, Ungarische und Dänische un-ter sich. Weil sie aber das Dänische und Ungarische Prioratlängst eingebüßt, haben sie blos ihre Comthereyen in Teutsch-land und Böhmen . Wiewol ihnen auch in den vereinigtenNiederlanden viele Comthereyen entzogen sind. Sie haben«herüber dem in Teutschland das Heermeisterthum oder Baju.iajum Brandenburgicum , oder die Brandenburgische Balley,wie man nach der allen spräche in dem orden zu reden pflegt,wozu gleichfalls unterschiedene Comthereyen gehören; wiewoldie Vergebung derselben und das jus prasentandi , heutigestages dem Könige von Preussen, als Patrone, dieses Heermei-sterthums, zustehet. Im übrigen werden solche Comthereyenfowol den Rittern, als auch bisweilen den so genannten Fra-tribus servientibus gegeben; und was die Ritter anlangt, sofind derselben zweyerley gattung : Cavalieri di giustizia undCavalieri di grazia , unter welchen diese ohne genügsame pro-ben des Adels wegen ihrer meriten zu dem Ritter-stande erho-ben sind, und zu den Commenden gelassen werden, ob sie gleichsonsten nicht aller Vorzüge dieses ordens geniessen. Caroiusdu Frefne , in gloslar. voce Commenda. Öfterhausen ,irn bericht vom Maltheser-Ritter-orden. Becmanm Johan-niter-orden, rc. imbof. N. P.

Commercv, eine kleine stadt in dem Hertzogthum Baran der Maast, 2. meilen oberhalb St. Michael gelegen, wor-auf der tilul eines Fürstenthums haftet, welcher bey der Lo-thringischen Fürstlichen familie von Lislebonne eine Zeitlangüblich gewesen, und war darunter insonderheit bekannt dertapfere Printz Caroluö von Commercy , so an. 1661. geboh-ren, und als Kayserlicher General den i;. aug. an. 17°». inver schlacht bey Luzzara geblieben. Maty.

(^ommerstad, (Georgius) Chur - und Fürstlich - Sächsi-scher Rath, war aus einem alten adelichen geschlechre inSachsen , den 28. mertz an. 1408. in der stadt Missen ae-bohren. Seine eitern waren Dietrich Commerstad, und sei-ne Mutter Anna von Betschitz. Er begab sich auf die studien,wurde beyder Rechten Licentiatus , und in selbigem stände8vndicub und Bürgermeister zu Zwickau . Nachmals nahmer den titul eines Doctoris an, ward bey Hertzog Georg undHeinrich gebrüdern zu Sachsen , ingleichen bey Hertzog Mo-ritz und Hertzog August auch gebrüdern und Churfürsten zuSachsen , Rath, und kam wegen seiner geschicklichkeit und tu-

S 't in grosses ansehen. Sonderlich wird an ihm feine freund-eit, Vorsichtigkeit, liebe zu den studien , beredtsamkeit undgutes gedächtnis gerühmet. Er starb endlich auf feinemstamm-hause Kalckreuth oder Falckenreuth beym Hayn an.1560. und wird von Fabricio als ein exempel eines glückseli-gen menschen vorgestellet. Seines bruders Iohannls söhn,Hicronvmus,ist gleichfalls berühmt. Er war beyder Rechten Do-ctor, Dom-Herr zu Meisten und Merseburg , rc. Er hat deö Pro-cti Metaphraiin in quadripartitam Ptolemad aus der biblivtheckzu Mayntz bekommen und ediren lassen, welches werck ihm auchzugeschrieben ist. Georg. Fabricius , in annal. urb. Mifniae,lib. III. p. 214. Aib'mi Meisnische land-chronick, tit. 25.p. ,46. Adam. in vit. Germ. JCtor. siehe RSMMerstädt.

<£ommire , (Johann) war ein Französischer Jesuit: ersoll eigentlich Lommere geheissen, solchen nahmen aber, weiles ihm zu harte auch zugleich etwas lächerlich geklungen,wenn man le Pere Commere spräche, in den von Commireverwandelt haben. Er war an. 162;. zu Amboise gebohren.Die natur hatte ihn mit einem vortreflichen erleuchteten ver-stände begäbet, welchen er durch seine belesenheit in den Al-ten so ausgezieret, daß hernach seine schreib-art eine besondereannehmlichkeit daher an sich genommen. Er legte sich nichtweniger auf die Theologie als auf die Literas elegantiores,und war ein gottsfurchtiger offenhcrtziger mann, daher ersich auch niemal in weltliche Händel zu mischen begehrt. Erstarb an. 1702. zu Paris . Seine Lateinischen getichte, darun-ter sonderlich die Lyrica hoch geschätzt werden, sind bey sei-nem leben öfters gedruckt worden, und hat man auch nachseinem tode Opera pollbuma von ihm heraus gegeben. Ball.let , jugemens des Savans für les Poetes. Menagiana ,tom. II.

* COMMITTE' , heißt in dem Parlement von Enqelland«in ausschuß gewisser glieder des Ober - und Unter - Hauses,welche ausgesetzet werden, gewisse schriften zu entwerffen, odergewisse geschäffte zu untersuchen, und ihr gutachten in der Ver-sammlung darüber abzustatten, und welchen man als Com-missarien die Untersuchung derjenigen fachen, so bey einemjedweden Hause angebracht werden, austräget, um die geschäfftedesto geschwinder zu expediren, und ihren gefaßten schluß undbericht darvon dem gesamten Hause zu erstatten, welches den.

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selben, nach darüber gehabten disputen, durch die meisten stim-men entweder gantz oder zum theil anntmmet, oder gar ver-wirft, auf welchen letztern fall die fache meistens recommitti-ret, das ist, einer neuen Commißion aufgetragen wird. Un-terweilen wird entweder das gantze Ober-oder das gantze Unter-Haus eine grosse Lommite ; wenn nemlich alle Deputirten ei-nes unter den beyden Häusern bemühet sind, die propositiones,welche ihnen der Sprecher solches Hauses gethan hat, zu un-tersuchen , um daraus eine bill zu machen. Über solche billrathschlagen hernach beyde Häuser in drey verschiedenen seßio-nen, da sie denn durch die meisten stimmen entweder ange-nommen oder verworffen wird. Unfa. Lexic.

itommodianus, ein Christlicher ftribent zu ansang des IV.feculi , zu Jetten des Papsts Sylvestri IV. der sich des HErrnChristi bettler zu nennen pflegte. Er sagt von sich selbst, daß erdurch lesung des N. Testaments bekehret worden, da er vorherein Heyde gewesen. Er hat ein werck unter dem titul Instrn-ctiones verfertiget, welches aus Versen bestehen soll, aber inkeinem andern stücke gebunden ist, als blos hierinn, daß einejede zeile einen vollkommenen verstand begreift. Er schreibet indemselben wider die Heyden und Jüden, und giebt, obschon ineiner sehr harten schreib-art, den Christen gute unterrichtung.Es ist solches lange zeit verborgen blieben, bis der P. Sirmondavon ein manuscript gefunden, nach welchem es Rigaltius an.1650. drucken lassen. Gennad. de script. ecclef Gelasius ,decret. de Apocryph. Du Pin , bibl. des auteurs ecclef.

Commodus , mit seinem völligen nahmen L. AureliuSCommodus Antoninus genannt, des Kaysers Antonini Phi.losophi , und der Faustmä söhn, wurde an. 161. gebohren, alssein vatter und Vetter beyderseits Bürgermeister waren. So baldsein vatter den 17.mertz an. 180. gestorben, wurde er in Teutsch,land zum Kayser erklärt. In seiner fugend hatten ihn Onesicri-tus, Atkejus und Antistius in guten wissenschafften unterrich-tet , und einige weise Philosophi waren bestellet, ihn zu einemsittsamen leben anzuführen; nichts destoweniger bezeugte er sichvon kindheit an zu allen lästern geneigt. Rom bekam an ihmeinen andern Neronem, indem er weder die götter ehrete, nochdie geringste ehrerbietung gegen die gesetze und bündnisse der Na-tur bezeugt. Darneben war er undanckbar gegen seine diener,untreu an seinen freunden, und achtete weder der leuthe Un-schuld noch Verdienste. Über dieses richteten seine diener undsavoriten vieles Unglück an. Weil er gerne für den Herculemwollte gehalten werden, pflegte er immer öffentlich mit einer-wen-haut und grossen keule einherzuqehen , wollte dahero auchnicht mehr Antonini, sondern Hercules, des Jupiters söhn, heis-sen, und demnach haben, daß man ihm altäre bauen und opferbringen sollte, welches ihm auch der Rath bewilligen muste.Die Christen aber, welche diesem gesetze nicht gehorchen woll-ten, wurden deshalben schrecklich verfolgt. Mittlerweile gienzer auch milden vornehmsten männern im Reiche auf das aller-grausamste um. Denn es war ihm ein geringes, die RömischenRaths-Herren und vornehmsten Reichs-beamten hinzurichten,wenn er nur das geringste aufsie zu bringen wußte. Mangel-te es ihm an einigen schein-ursachen hierzu, so ertichtete er selbstconspirationen , die man wider feine person sollte angesponnenhaben, und räumte unter solchem vorwande alle diejenigen ausdem wege, vor denen er sich entweder fürchtete, oder die er sonsthassete. Nachdem er der vornehmsten Raths-Herren weiber ge-schändet, verschonte er auch seiner eigenen schwestern nicht, gabseiner mutter nahmen einer von den ;oo. concubinen, die er hiel-te , und hatte noch über diß viel junge knaben, mit welchen erfeine mehr als viehische lnst ausübte. Zu Gouverneurs überseine provintzen machte er lauter lasterhaffte leuthe, und hieltes für seine groste tust, rechtschaffene männer zu verfolgen. Erwar allezeit mit zugegen, wenn die wilden threre und kämpfergegen einander stritten, und hatte sonderlich seine lust daran,wenn er seine geschicklichkeit in tödtung der löwen , tiegerthiereund leoparden konnte sehen lassen, welche er gleichwol nicht vorder saust angreiffen durfte, sondern aus der ferne an einem si-chern ort stehend mit pfeilen erschoß, worinn er in der that sehrgeschickt war. Wider die Gladiatores föchte er auch, und die-ses zwar aus der nähe. Aber es war unschwer zu erkennen, wiees denen guten kerls nie ernst wäre gezzen ihm anzugehen; unddie meiste gaben sich ohne gegenwehr für überwundene dar; wel-ches jedoch nicht hinderte, daß Commodus mit dergleichen siegenaufs unverschämteste pralete, und sich unter andern den titulnahm: eines üderwinders tausend Gladiatorum. Allein ebendiese rasende liebe zum fechten und den fechtern war letztlich diehaupt-ursach seines todes. Er hatte sich in den köpf gesetzt beymeintritt des neuen jahrs, welchen die Römer mit sonderbaremeifer und Pracht zu feyern pflegten, nicht wie gewöhnlich auSdem Kayserlichen pallast und in Kayserlicher kleidung und be-gleitung, sondern aus dem Hause, darein die Gladiatores ver-schlossen waren, auch auf die art dieser fechter bewaffnet,und unter keinem andern als ihrem gefolge seinen anszugzu halten, und sich also dem volck, weiches ihn zu bcgrüftstn, und ihm glück zu wünschen versammlet war, zu zeigen.Wie er nun dieses vorhaben erstlich der Marti« seiner concu,bine, welche er aber nicht anders als seine rechte aemahlinhielte» und sonst gar sehr liebte, hernach auch Lato, demObersten über die leib - wache, und Electo dem vornehm-sten Cammerer vffenbarete, mißriethen sie solches alle aufs

höchste,