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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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hernach in den krieg, und wurde an. i6ry. Obrister unterChur-Mayntz, indem damals die innerlichen Unruhen inTeutschland zwischen der sogenannten Catholischen Liga und derProtestirenden religion sich hervor thaten. Da er dann dem Kay-ftr Ferdinandoll. 500. mann zu pferde in Bohmen zuführte.In der schlacht auf dem weißen berge bey Präge legte er ei-ne grosse probe seiner tapferkeit ab, sonderlich, indem er mit$00, pftrden einige Bayrische völcker, so bereits die flucht ge-nommen , wiederum in ordnung brachte, und sie secundirte.Hieraus nahm er Bayrische dienste an, und befand sich beyder armee des Generals Tilly in der Ober-Pfaltz, als diesermit dem Grafen Ernst zu Mannsfeld in tractaten stund, wur-de auch damals als ein aeissel mit von dem Tilly in dasfeindliche lager gesandt. Er befand sich noch ferner bey denberathschlagüngen dieses Generals in der Unter-Pfaltz, inglei-chen in der schlacht bey Wimpfen an. 1622. und bey der stadtLohn an. 162;. An. 1625. gieng sein regiment in die Nie-derlande zu dem Spanischen General Spinola, der damalsBreda belagerte. Im folgenden jähre warb er ein neues re-giment , und wohnte den kriegs-verrichtungen wider den Kö-nig in Dänemarck bey. Weil er aber bey dem General Wal-lenstein in Ungnade kam, wurde sein regiment abgedanckt,dannenhero er eine zeitlang ohne kriegs-dienste lebte. Er ver-tauschte auch seinen pfand-schilling an Saaralben und Saar-munde am flusse der Saar und der Lothringischen grentzen mitFriedrichs von Felß söhnen, gegen dero güther in Böhmen ,und richtete zu des Königs in Franckreich diensten ein neuesregiment aus, so aber wenig zeit gestanden; sintemal er sichbald wieder in Bayrische dienste begeben. An. i6;i. schickteihn der General Tilly , die stadt Neu-Brandenburg im Meck-lenburgischen einzunehmen, bey dem er sich auch selbiges jährin der belagerung der stadt Magdeburg befunden, und hernachwurde er wider den Landgrafen von Hessen-Cassel Wilhelmummit einigen völckern gebraucht. An. 161,2. war er in Bayern ,und wollte dem Könige in Schweden die Passage des Lechsverwehren, muste aber solches dennoch endlich geschehen las-sen; und als damals der General Tilly tödtlich verwundetwurde, recommendirte er auf seinem tod-bethe zu Ingolstadt diesen Johann Philipp vor allen andern. Nach des Königsvon Schweden rückmarsche aus Bayern occupirte er wieder diestadt Weiffenburg, nachdem er vorhero Landsberg in Bayern mit gemalt weggenommen, dergleichen er auch bey Friede-berg that, aber an Pfaffenhofen vergeblich versuchte. Ob ernun also gleich bisher» dem Kayser und der Catholischen Ligagute dienste gethan , so kam er doch nachmals auf andere

i edancken, sonderlich , weil er sich mit dem General Wallen-ein nicht vertragen konnte, indem er vor seiner erhöhungschimpflich von ihm geredet, oder wegen einiger liebes-handelmit ihm Verdruß gehabt, wie denn auch Wallenstein ihn beyseiner armee nicht leiden, auch einsmals seiner relation nichtglauben wollte, sondern einen pagen , sich besser zu erkundi-gen 1 abschickte. Ja es ließ der Wallenstein dem Churfürstenm Bayern wissen, daß, wenn er auf des Generals Tilly ge-schehene recommendation, dem Cratzen seine armee anver-trauen würde, er von ihm, dem Wallenstein , wenig aßistentzm hoffen hätte. Also gab ihm der Churfürst von Bayern das Gouvernement zu Ingolstadt , welche stadt er auch an.;2. wider den König von Schweden tapfer defendirte. Imfolgendess jähr aber, weil ihm der General Aitringer in demcommando vorgezogen ward., ließ er sich mit den Schweden in einige tractaten ein , und wollte diese stadt dem HertzogeBernhard von Sachsen-Weimar überliefern. Er konnte abersolches nicht bewerckstelligen, und weil er glaubte, daß seinvornehmen nicht mehr verborgen wäre, begab er sich, unterdem vorwande nach seinen güthern zu reisen , von Ingolstadt weg, und gieng an. 16; j. über Regenspurg durch Böhmen undSchlesien zu gedachtem Hertzoge, der ihn zum General-Feld-Marschall über seine armee machte, und an. 1634. da der Her-tzog die stadt Regenspurg entsetzen wollte, ihm die continua-tion der belagerung der Bambergischen vestung Fvrchheim an-vertrauete. Er muste aber diese belagerung auf beseht desHertzogs aufheben, und sich mit ihm conjungiren, worauf ernvch selbiges jähr der schlacht bey Nördlingen beywohnete; daer dann des vorigen taqes einen grossen rühm wider die fein-de erhalten, auch den Ritter und Priorn Oclavium Aldobran-dinum selbst erschossen haben soll; des andern tages aber, alsdas Haupt-treffen geschahe, und die Schwedische armee denkürtzern zog , föchte er zwar mit grosser tapferkeit bis aufs letz-te, allein endlich wurde er von einem Ungarischen OdristenFtana gefangen, dem er vergeblich ;oooo. rthlr. versprach,wann er ihn würde loslassen. Als ihn nun dieser in das Kay-serliche lager bringen wollte, wurde er auch von etlichen Lo-thringischen reutern angegriffen, die ihn dem Hertzoge Carlvon Lothringen lieferten, worüber ein streit entstund, indemihn der König Ferdinand zu seinem gefangenen haben wollte.Nachdem sich auch dieser Graf von Scharffenstein erkläret,daß ihn der Obriste Ftana gefangen, wurde er Ferdinandsabgefolget. Nun wollte ihn der Hertzog Bernhard wieder aus-löst» , und den von den Schweden gefangenen Bischoff von Re-genspurg mit ihm vertauschen, er konnte aber solches nichterhalten, und der Graf Henricus schlick brachte es dahin,daß er nach Wien geschickt wurde. Daselbst entkam er deni*. wart. an. 16;;. ausseinem gefängnisse, und gelangte in

Monchsckleidern blS an die Schlesifchearentze, allein des Gra-fen Palfi Husaren holten ihn ein , und brachten ihn den 2?.mart. wieder nach Wien ; da er dann durch das kriegs-recht»um tobe verurtheilet, und den -6. jun. des besagten iahrs,ohnerachtet der Kvnig vonPolen vor ihn intercediret, aufdemRath-hause zu Wien enthauptet worden. Der Kayser Fer-diuandus II. hat ihn in den Grafen -stand erhoben, von wel-chem er auch einige guther in Böhmen besaß. Seine erste qe-mahlin war Maria, Jvh. Dietrichs von Metternich tochter,mit welcher er gezeuget Lotharium Hugonem , der an. isro.als Dom-Herr zu Mayntz, Trier und tzpeyer, zu Bononienin Italien gestorben ; Iohannem Antovium, einen vatter Hu-gonrs Ernesti Cratzens von Scharffenstein; Carolum Fride-ricum, so als denominirter Dom-Herr zu Trier , Mayntz undWürtzburg jung gestorben, und etliche töchter. Seine an-dere gemahlin Eleonora, eine tochter Friedrichs Colonna, Frey-herr» von Felß, hat ihm gebohren Eleonoram BarbaramMariam, so an. 16;;. an Johann August, Grafen von Svlmsin Rödelsheim, vermählet worden. Humbracht, zierde desTeutschen Adels. Theatr. Europ.

Crau , eine kleine landschafft in Provence , an dem östli-chen arm der Rhone , 7. bis 8. meilen groß. Sie ist vollerkieselsteine, daß man das erdreich nicht davor sehen kan ; je-doch wächset an einigen orten getreyde, und sehr nahrhafftesgras vor die schaafe. Als die Alten nach der Ursache forsch-ten , warum diese gegend mit so vielen steinen angefüllet wä-re , kamen einige und unter denselbigen Aristoteles auf die qe-dancken, daß ein erdbeben solches verurfachet hätte. Poßi-donius hielte dafür, baß dieser vrt vor zeiten ein see gewe-stn ; Aeschylus aber fabulirte, daß als Hercules mit den Li-guriern gestritten , und Jupiter wahrgenommen, in was vorgefahr er wäre, derselbige sodann diese steine auf seine feinderegnen lassen, und sie damit alle gelobtet hätte. Span, voya-ge dItal. Maty.

Craven , ein rauhes und bergichtes land in der westlichengegend von Aorckshire in Engelland, allwo Shipton liegt.

Craven , (Lords ) in Engelland. Die familie, welche die-sen nahmen führet, hat vor alters ihren sitz zu Appletreewickin Jorckshire gehabt, und von bannen in unterschiedliche an-sehnliche zweige sich ausgebreitet. Johann Craven von Ap-pletreewick lebte zu ansang des XVI. soculi und hinterließ ;.söhne: Henricum, Antonium und Wilhelmum. Dieser letz-te war ein vatter des Ritters Wilhelmi Craven , welcher an.1611. Lord Mayor zu Londen ward. Desselben ältester söhn,Wilhelm , erwehlte bey zeiten die profeßion der Waffen, undführte dieselbe theils unter dem Könige von Schweden , Gu-stavs Adolphs, in Teutschland, theils aber unter dem Printzenvon Oranien, Friderico Henrico, in den Niederlanden , mitsolchem rühm , daß Carolus l. bewogen wardf ihn an. 1626.zum Pair von Engelland zu machen, und zwar mit dem ti-tul eines Lords Craven von Hampsteed Marschall in Bercks-hire. Weil er auch nachgehends sowol Carolo I. als Caro-lo II. viel nachdrückliche proben einer unverfälschten treue gab,so erhub ihn der letztere an. 1664. zum Vice-Grafen Cravenvon Uffington, und zum Grafen Craven in Jorckshire. Derandere bruder dieses Wilhelmi, Johannes, war in solchemansehen bey Carolo I. daß derselbe ihn an. 1642. gleichfallsunter die Pairs von Engelland aufnahm, mit beylcgung destituls eines LordS Craven von Ryton in Shropshire. Erheurathete zwar Elisabetham, eine tochter Wilhelm Spencers,starb aber ohne leibs - erben, welches auch mit seinem jüng-sten bruder Thoma, ingleichen mit dem obgedachten älte-sten bruder, dem Grafen Wilhelme, geschahe. Hierauf kamdie würde eines Lords Craven von Hampsteed Marschall, ver-möge einer Königl. verwilligung von an. l66z. auf Wilhcl-mum Grafen von Comb, einen söhn des Ritters Wilhelm Gra-fen von Comb (welcher ihn mit Margaretha, einer tochterdes Ritters Christophori Clabam von Bemcrsley, gezeugt) ei-nen enckel des Ritters Thoma Craven, und einen descendentenvon Henrico, dem ältesten söhn des eingangs erwehnten Io-hanms Craven von Appletreewick. Mit seiner gemahlin Eli-sabeth , einer tochter des Ritters Fulwar Skivwlth , hat letzt«gemeldter Lord Wilhelm Craven, ;. söhne, Wilhelmum, Fuk-WarN UNd RvbertUM, bekommen. PtHrage of England, II. p.ioi.

Eravetta, (Ageno) von Saviliano, Johannis Cravetta,eines Savoyischen Juristen söhn, begriff die Jura unter Jo-hann Anton. Rubeo, und Johann Francisco Curtio mit sol-cher fertigkeit, daß man ihm vor der zeit eine Profeflion zuTurin auftrug. Im 2,. jähre seines alters promovirte er, undward anfangs Richter zu Cuneo, nach dem aber ein renommirtcrAdvocat zu Turin . Als hiernächst die schweren kriege zwischenFrancisco I. und Carolo V. einfielen, rctirirte er sich nach Gre-noble, wo er 7. jähr geblieben, und viele Rdponsa verfertigethat. Man berief ihn darauf nach Avignon an Aemil. Ferrcttrstelle, als er aber dieses wohlverdienten mannes meynungenheftig herunter machte, muste er wieder fort, und kam nachFcrrara, von da ihn aber theils die pest , theils sein geancr Lwdov. Carius bald vertrieb. Darauf verlangte man »hn nachPavia , und nach verlauf $. jähre nach Mondovi, und end-lich nach Turin , wo er an. i;6<>. seines alters 6;. ,ahr ver-storben. Er hat VI. tomos Consiliorum zusammen geschrieben.Fancirol. de dar. leg. interpr. üb. II. c. 180· * CraU «