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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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genommen. Endes oder Eudo der Hertzog von Aquitanienhatte mit beyhülff der Franzosen den lauff ihrer siegen bey Tou­ louse aufgehalten, und diese stadt und Usez in seiner macht be-halten. Da er aber eines theils vorsähe, daß diese leuthe vielleichtin denen folgenden zeiten neue einfülle versuchen konnten, undanders theils sich eine hülff wider die Franzosen , die ihm seineneue hcrrschafft streitig machen wollten, zu verschaffen trachte-te , machte er einen bund mit Munuza dem Saracenischen Gu-bernator von Cerdaigne, und gäbe ihmc noch seine tochtcr zurehe, um ihne zu einer rebellion wider den Calif zu bringen.Eudes machte sich also diese umstände zu nutz un, in Neu-strien einzufallen, da eben Abderama über das gebürge zöge,den Munuza bis naher Puicerda triebe, und ihne zwange auchvon bannen zu entfliehen. Munuza begäbe sich zu seinemschwieger-vatter Endes, der seiner seits durch Carolum Marlelauch etliche mal wäre geschlagen worden. Die Saracenen aberverfolgten den unseligen Munuza mit solcher schärffe, daß er,um incht in ihre Hände zu fallen , sich von einem hohen ortherunter zu stürtzen gezwungen sahe. Die gemahlin des Mu-nuza , welche von ungemeiner schönheit wäre, ward gefangengenommen, und von Abderama sehr höflich tractiret, und demCalif überfchickel. Hierauf zöge Abderama wider den Endes,fiele in Gasconien ein, bemeisterte sich von Bourdeaux, unddrang bis an den fluß Dordogne, über den er auch mit seinerarmee setzte, und mit dem Hertzog zu einem treffen zu kommensuchte. Dieser glaubte nun auch, er wäre starck genug, umes mit ihme zu wagen. Allein Endes ward geschlagen, weilener die Franzosen , mit welchen er frieden gemacht hatte, nichterwartet hatte. Jsidorus Pacensis sagt von dieser schlacht,GOtt allein seye es bekannt, welch ein grosse anzahl von Fran­ zosen auf diesen tag seyen gemetzelt worden. Eudes entschlössesich also, sich mit Carolo Mattel, welcher im anzug wäre umihm zu hülff zu kommen, zu vereinigen. Abderama, der denEudes immer verfolgte, verheerete alles auf eine grausame wei-se in Perigueur, Taintonge und Poirou. Viele städte wurdengeplündert, und eine grosse anzahl kirchen verbrannt; die gros-se St. Martins-kirche zu Tours würde ein gleiches schicksal er-fahren haben, wann Carolus Martel und Eudes dem Abde-rama nicht begegnet wären. Die beyden armeen blieben sie-ben tage lang gegen einander stehen, und giengen in solcherzeit mir kleine scharmützel vor. Am siedenden tag käme es zueiner Haupt-action, da dann die Saracenen, welche in demangriff nicht alle erforderliche klugheit gebraucht hatten, aufdas Haupt geschlagen wurden. Abderama verlohre selbst dasleben mit einer solchen menge der seinigen, daß einige scriben-ten die anzahl der erschlagenen Saracenen auf drey hundertund fünf und siebenzia tausend mann setzen. Es wird aberdiese erstaunliche anzahl billich als fabelhaft angesehen. Es istkeineswegs zu zweifeln, es habe der Hertzog von Aquitanien grossen theil an diesem sieg gehabt, weilen er die überaus rei-che beute mit denen Franzosen theilete, und von denselben inruhigem besitze seines landes gelassen ward. Diese schlacht ge-schahe an einem fgmstag des weinmonats im jähr Christi 732.und 114. der Hegira . Verwunderlich ist , daß die alten ge-schicht-schreiber uns nicht eine umständlichere beschreibung hin-terlassen haben, von einem sieg und treffen, welches dem Sara-cenischen glück ein ziel gesetzet, und den gründ zu ihrem Un-tergang in Europa geleget hat. Aus deme, was bisher um-ständlich erzehlet worden, erhellet unter andcrm auch, daß viel-leicht niemals keine ungerechtere anklage geschehen seye, als daman Eudoni dem Hertzog von Aquitanien hat zumessen wollen,ob wäre er der anlas und verleitcr zu diesem einfall der Sara-cene» in Franckreich gewesen. Dann er hat ja nicht nur seinetochtcr dem Gnbernator von Cerdaigne zur ehe gegeben, umihne zu einem einheimischen krieg wider den Calif seldsten zu ver-mögen , und also die Saracenen von dem zug über die gebürgeabzuhalten; sondern Munuza sein tochtermann käme ja in die-sem krieg elendiglich um das leben, und die tochter Eudonisward gefangen genommen, und dem Calif als eine gefangenezugesandt. Demnach siehet man keineswegs, daß Eudo denenSaracenen den geringsten gefallen in irgend etwas erwiesen ha-be. Er verhinderte sie vielmehr durch sein land zu ziehen, soviel ihme möglich wäre, und die Saracenen ihrer seits habensich in demselben so feindlich erzeiget, als es nur immer gesche-hen konnte, so daß der, welcher ein Verständnis bey solchen um-ständen riechen wollte, einen ausserordentlich schaxffen geruchhaben müsse. Dieses alles hat man als merckwürdig, deme sosich von Abderam schon in dem vorhergehenden artickul findet,beyzufügen thunlich erachtet. Roderic. Tötet, annal. Arab. c.io.JP/armol. IßUorm Pacexfis Episcop. annal. Mezeray. Cordemoi ,histoire de France. DHerbelot , bibl. Orient. EnglischerBay'e.

Mderas / soll ein favorit des Herculis gewesen seyn, wel-chem von etlichen die erbauung der stadt Abdcra zugeschriebenwird. Andre aber melden, daß er ein bedienter des Diomedisgewesen, und von dem Hercule nebst seinem Herrn umgebrachtworden. Es kan seyn, daß er es mit dem Hercule wider seinenHerrn gehalten, um diesen grausamen König von Thracicn zutodten, welcher seine pferde mit menschen-flcifch zu füttern pfleg-te. Man findet auch von demselbigcn noch andre erzehlungen,welche aber nicht wohl mit einander können verglichen werden.Tzeizet, Apollod. bibl. 2. Hygm. fab. 30. Salmaj. exerc. Plin.p. 160. Bayle.

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* Abdt, ein Levit aus den kindern Merari, der als einsänger zur lincken land im tempel stund, 1. Chron. VII. Manliefet auch, daß sein söhn Kusi in dem tempel, der durch schänd-liche abgöttercy verunreiniget worden , den wahren gvltesdienstwieder anrichten helffen. 2. Chron. XXIX.

* Abdia, ein berg in dem stammen Manasse jenseit desJordans, hat seinen nahmen von Abdias oder Odadias demHofmeister des Königs Achab , welcher in einer hole dieses der»

es hundert Propheten versteckte, um sie vor der gottlosen Jesa-el zu erretten. Es ist dieser berg voller hölen, in welche zu zei-ten Herodis des (Grossen die räuber sich zu verstecken pflegten.Herodes aber triebe sie mit gemalt daraus , und damit diese hö-len nicht mehr dienen möchten, liesse er sie mehrentheils zuwerf,fen. 1. Reg. 18. Joseph, antiqu. Jud.

* Abdiara , ein Königreich in Ost - Indien , aufderhalb-iiisul jenseit des Ganges. welches unter dem Königreich Pegustehet. Die Hauptstadt darinnen hat glerchen nahmen, undliegt am flusse Pegu.

Abdias, von Babylonien , soll allda Bischoff und ein Jün-ger Christi gewesen seyn. Das buch von der Apostel leben wirdihme in einem alten manulcripto, so Wolfgang Lazius in einemkloster in Kärndten gefunden, zugeschtteben ; ist aber gantz vollfabeln, und dahero alsobald von dem Papst Paulo IV. ver-worffen worden. Lazius hat es zuerst an. i;;i. zu Basel her-aus gegeben. Laurentius de la Barre hat es an. i;8;. zu Pa­ ris mit seiner Historia Patrum drucken lassen, und hernach istes auch der Bibliotheca: Patrum mit einverleibt worden. Sixt.Senenßs. Baron. Bellarm. Pojfevin. Voffnes. Hejselius. Molanut,Miraus. Rivetus. Bayle. Labbl, diflert. de script. eccl. tom. I.pag· b

Dieser als author historiae certaminis Apostolici , ist einervon den qrösten betrügern und legenden-schreibern gewesen. Errühmet sich selbst, daß er den Heyland im fleische gesehen habe,daß er einer von den 72. Jüngern gewesen, daß er vieler Apo-stel Handlungen und Märtyrer-tode beygewohnet habe, er seyendlich dem H. Simon und H. Juda in Persien gefolgt, undvon ihnen zum ersten Bischoff in Babylon bestätiget worden.Er beruft sich aber auf den Hegesippum, der ohngefthr 130.jähr nach Christi Himmelfahrt gelebet hat. Dem allen unge,achtet hat Wolfgang Lazius auf diese niährgen viel gehalten,zumal weil er das glück gehabt, das manuscript in einer hole zu-erst zu finden. Bayle. *

t Abdias, von Babylonien . Hier ist noch dieses beyzufü-gen. Lazius gienge in seiner Hochachtung gegen Abdias so weit,daß er zweifelte, ob der Evangelist Lucas seine Historie demAb-diä, oder dieser seine dem Evangelisten zu verdancken habe.Fabricius in Cod. Apocryph. N. T. erläutert dieses buch mitanmerckungen. Nicht allein Papst Paulus V. sondern auchviele andre gelehrte Catholijche, als Possevinus, Bellarmi,nus, Baronms, du Pin und andre haben biß buch als falschUnd Untergeschoben vcrwvrffen. Sagittar/i introd. in hist. eccl.cap. 2. Schmid. iupplem. ad eund. J. A. Fabricius , bibl.Lat. med. & inf. aitat. üb. I.

* Abdtelus , Bischoff zu Chaschar in Persien . Sein eige-ner Vetter stiftete an, daß er nebst noch andern 39. Christen zudem Könige geführet, wegen freymüthiger bekänntnis Christigemartert, ins gesängnis.geworffen, und endlich an. ;;o. nebstandern enthauptet wurde. Universal- Lexicon.

*Abdllchair, ein Tartarischer Feld-Herr, der mit den Tür,ckcn wider den Mahomet Hodabenda, König in Persien , zuselbe zog. Hemir Hamet aber dessen söhn, bekam ihn gefan.gen, und ließ ihn nach Caßmin in des Königs von Persien rcsi-bentz bringen. Hier wurde er nicht nur gut aufgenommen,sondern auch die Königin Beguma verliebte sich selbst in ihn,weil er ungemein schön war. Dieses bewog den König ihm sei.rze tochter zur gemahlin zu geben, und ihn wiedrum nach sei-nem vatterlande zurück zu schicken, in der meynnng, daß ernun die Tartarn desto eher zu frmnden haben würde, weil ersich so genau mit ihnen verbunden. Als aber der Adel dem wil-len des Königs nicht beystimmen wollte, und gleichwol dersel-bige solchen wollte vollzogen wissen, wurde Abdilchair in einemzimmer des Königlichen pallasts umgebracht. DHcrbelot , bibl.Orient.

Abdinczhofen, eine Benedictiner-Abtey in dem Stift Pa-derborn , nahe bey der stadt Paderborn , so an. 1015. von demBischoff Meinwcrco gestiftet worden. Scbattemi annal. Paderb.

Abdir / siehe Abadir.

* Abdtran, ein Saracenischer König, welcher nachdeme erCarolo M. mächtig widerstanden, über die Garonne setzte, unddie stadt Bourdeaux plünderte, und übrigens ein sehr lastcrhass,tes leben führte. Sabellic. Ennead.

Abdißi, Patriarch von Mosul in Assyrien , jenseit des Eu-phrats, begab sich an. 1362. nach Rom , und nachdem er Pio IV. gehorsam versprochen, bekam er von ihm das Palüum. Eswurde zu der zeit das Ooncilium zu Tridcnt gehalten , deswe-gen der Cardinal de la Mnla, als Protector der OrientalischenChriste» , dem Concilio schriftliche Nachricht davon ertheilte,auch berichtete, daß dieser Patriarch gemeldet, seine untcrgc,bene bckenneten sich zu dem Christlichen glauben, welchen sievonden Aposteln Thomas und Thaddäo, wie auch von einem ih-rer Jünger Marco bekommen; ihr glaube wäre in allem dem

Römischen