Buch 
Noth- und Hülfs-Büchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim : Für Junge und Alte beschrieben
JPEG-Download
 

keine Milch, Butter und Käse, die Schweine keinFleisch, Speck und Wurst liefern, und womit wollteman steh kleiden, wenn die Schasse keine Wolle ga-ben? Es ist daher billig, daß man das Vieh wohlabwarte, und daß man es nicht ohne Noth plage undmartere. Gott hat es geschaffen, daß es ihm wohlgehe, im Essen, Trinken und Ruhe, und uns Men-schen hat er Vernunft gegeben, daß wir es brauchenund ihm für feinen Nutzen wohl thun sollen, so langees lebet. Wer also seinen Ochsen ohne Ursach schlägt,ist unvernünftiger, als der Ochs, und könnte derOchs reden, so würde er sich umdrehen und sprechen: du undankbarer Schlingel! Ich ernähre dich, unddu schlägst mich. Wart ich will dir deinen Lohn ge-ben " und würde pen Undankbaren' mit seinenHörnern anspießen. Keine Obrigkeit könnte den Och-sen darum strafen, daß er sich seiner Haut wehret.Das Vieh trägt aber unsre Grausamkeit mit Geduld:weil wir es von Jugend auf zahm machen, und es seuf-zet im Stillen, wenn du es quäkst. Allein Gott imHimmel hört sein Seufzen, er zählt die Striemen,die du ihm schlägst und straft die Ungerechtigkeit, diedu ihm beweisest. Es ist auch gewiß: je lieber einersein Vieh hat, und je sorgfältiger er es abwartet, de-sto besser gedeihet es und desto mehr Nutze» bringt esihm. Sey daher so klug und beobachte folgende Regeln,die von einem verständigen Landwirthe aufgesetzt sind.

Der Stall muß gut gepflastert und ein wenig abhän-gig für Pferde nnd Rindvieh seyn, daß sie mit den Vorder-süßen etwas höher stehen. Es ist gut, wenn man die Deckeso einrichtet, daß man sie im Sommer wegnehmen, undden Stall erhöhn, im Winter aber mit Stroh oder Heubelegen kann, daß er niedriger und wärmer wird. Pfcrde-und SchaaNällc müssen ordentliche Fenster haben; denn indunkeln Ställen werden die Pferde scheu. und die Schaaftgedeihen nicht so gut.

Rein