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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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än. 1671. fu den vereinigten Niederlanden, viel Zeichen einessonderbaren murhs sehen , erlangte auch , nachdem sein valtcrden 19. fcbr. an. 1667. mit tode abgegangen, die würde einesGroß-Jägermeistcrs. Es wurde auch dabey angcmerckt, daß ernicht nur viel gunst bey Ludovico XIV. sondern auch eineziemliche gemalt über diesen Printzcn gehabt, so lang er umihn gewesen , dergestalt, daß der König den Rohan fast mehrgefürchtet, als geliebt, und doch sich nie gewußt von ihm los»zurelssen. Indessen führte der Chevalier Hiebey ein sehr wüstesund unordentliches leben, enthielt sich unter andern gantze 22.jabt des heiligen Abendmahls, trug kein bedeucken , jederman,der seinem eigensinne nicht anstund, zu beleidigen , und inson-derheit erwies er sich sehr unbescheiden gegen seine Frau multer,welcher er noch zum Überfluß wenig monäte vor seinem Unglück,eine ansehnliche summe an geschmeide und kleinodien entwende-te. Zu ansang des jahrs 1674. verunwilligte er sich mit demRitter von Lothringen , den er mit stockschlägen tractirt zu ha»den gch berühmte, und darauf incognito nach'München , allwoihm aber der Churfürst von Bayern , nach seinem verlangen,aufenthalt zu geben bebencken trug. Nach diesem ließ er durchseinen vertrauten freund und geführten, einen NormandischenEdelmann, nahmens laTreaumont, sich verleiten, den vor-schlügen deö Grafen von Monterey , Spanischen Gouverneursin Flandern , gehör zu geben, welcher ihn zu errcgung einesaufstanbeS in der Normandie , auch, wie etliche hinzu setzen,zu einer conspiration wider des Königs von Franckreich leben,zu bewegen suchte. Wiewol andere wollen, und es sich zuletztbeym völligen ausbruch der fache fast deutlich gezeiget hat, daßRohan nur gesuchet, durch die gemachten vorschlage den Spa-niern eine summe geldes abzuzwacken; Massen einmal niemandweniger zu einem solchen unternehmen, als er, tüchtig ober ge-rüstet war, da er wegen seiner debauschcn und lieberlichein le-ben in der provintz nichts gälte, nirgendwo keinen anhang hatte,auch über keinen fußbreit lands bisponiren konnte. Doch wiedem aflem , so ertheilte Monterey zu solchem ende einem kauf«mann zu Londen beseht, 100000. thalcr an diejenige, so vondem Ritter von Rohan ordre bringen würden, auszuzahlen.Da dieses vor den König von Engelland, Carolum II. gekom-men , ließ er davon , als von einer verdächtigen fache, seinemAUlirten , dem Könige von Franckreich, Nachricht geben ; dadeiin ohne Verzug der Ritter von Rohan zu St. Germain in ar-rest genommen ward. Ein gleiches widerfuhr unterschiedenenandern, so als nittschuldige verdächtig waren. La Treaumontaber widersetzte sich denen, so ihn zu Rouen in verhafft zu brin-gen vefthl harten,mit solcher Hartnäckigkeit,daß er darüber einenichuß empfieng, woran er nach wenig stunden ohne einigen an.dern menschen, als sich selbst, zu beschuldigen, sterben muste.Nachdem der Ritter von Rvhan etliche monate in der Bastiflezugebracht, erfolgte endlich das kodcs.urtheil wider ihn , inglei»chen wider die Marggrüfin von Villars, wider den Ritter duPreaux und wider einen Niederländer, nahmens Francifcmnvan Ende, der zu Rouen einen schulmeister abgegeben hatte,mit beyfügung folgender Ursachen, daß sie mit den feinden desStaats gefährliche lractaten gepflogen , und denselben zum be-sten rn der Normandie eine rebellion zuwege zu dringen, auchthuen einige vestuugen in die Hände zu liefern, gesucht. DerRitter von Rohan, welcher zu anfange seiner gefangenschafftsich so rasend und ungederbig angestellet, daß man ihn in kettenschlieffen, und durch zehrn soldaten in seinem zimmer bewachenlassen müjsen, ward endlich gantz anders, bereitete sich, mitbchsrand des Jesuiten , i'. Bourbaloue, überaus wohl zu sei-nem tode, und erlitte denselben mit bezengung einer svnderba»ren bujse undstandhafftigkeit, den 17. ( 27. i nov. an. 1674. inder St. Antonius-strasse zu Paris , nicht weit von der Bastille.Er soll dabey zum zeichen seiner unerschrockenheit dem k. Bour-daloue gesagt haben, er bedörfe keiner hülffe, um hertzhafft,oder, · wie er in Französisch sagte, en honnete komme zusterben; er der l\ sollte ihm nur helffen sterben, als ein Christ.Was ändere sagen, da eS zeit gewesen, nach der,nord-bühne zugeyen, habe Bourbaloue gar nichts bey ihm ausrichten können,,0 gar, daß er genöthigt worden, einige Officirer von der wacheum hülffe anzuruffen , da denn ein Inländer, nahmens Ma-galotti, es durch fluchen und Vorstellung der ohnanständigkeit,wenn einer, der in vielen kriegs. gefahren unerschrocken gewe-sen , sich vor dem tode förchten wolle, ihn wieder behertzt ge-macht , ist ohne gründ, und einer fabel ähnlicher, als derWahrheit. Stracks nach ihm und an eben demselben orte,wurden auch, gleichwie er, die Marggrüfin von Villars undder Ritter du Preaux geköpft, van Ende aber verlohr sein le-ben durch den sträng. Der cörper des Ritters von Rohanward, nach seinem begehren, in die Abley zu Jouarre gebracht,und daselbst beerdigt. Larrey & Limier , vie de Louis XIV.Theatr. Furop. tom. XI. fol. 729. Irnhof. genealog. Gall.dass. I. fol. 107. Minioirei de Beauvau, p. 407. Bayle, lettr.1;. p- 54 -

* )>c>han, (Anna von) die einzige tochter Peters vonRo-han, Fürsten von Guimene, von dessen ersten gcmahlin Mag-dalenen de Rieux-Chateauneuf, warb an. >617. an Hercmisvon Rohan, Hertzogs von Montbazon , Grafeus von Roche-fort-en.Zueline, ältesten söhn Luvewiqen VII. von Rohan, derdurch diese heurath den nahmen eines Fürsten von Gunnene er-hielt , nachmals aber unter dem nahmen des Hertzogs vonHistor. Lexieon V. Theil.

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Montbazon bekannt worden, vermählt. Ob nun gleich zur zeitihrer Vermählung ihr gemahl noch nicht Hertzog war, so erhieltsie doch, vermuchjich durch des Hertzogs von Luines vermitte-ung, au: Hofe eben dieselbe ehren-dezeügungen, die den würck«lichcn Hertzoginnen erwiesen worden, gab aber, da sie solchenachmals als einen dem hause Rohan gebührenden vorzug zu be-haupten suchte, damit zu vielen streitigkeiten anlas. Sie hatteüberhaupt an den verschiedenen geheimen Händeln des Hofes un-ter der Verwaltung des Cardinais Richelieu und Mazarii» gros-sen theil. Der erstgcdachte Cardinal war ihr, weil sie ihm inseiner liebe zu der Königin Anna hinderlich gewesen, sehr zuwi-der , und veranlaßte den damaligen Ober-Feld-Zeugmeister, dela Meilleraye, den sie durch Verachtung seiner liebe gleichfallserzürnet hatte, daß derselbe ihren mit dem enthaupteten Her-tzog von Monlmorency gepflogenen liebes - Handel allenthalbenkund machte; welches bey ihr solchen Verdruß erweckte, daß siesich eine geraume zeit von niemand sehen ließ, hernach auf ein-mal von ihren liebhabern abschied nahm, und sich zu den ??.Oratorii, unter die aufsieht des bekannten Arnolds von Andillybegab, den sie gleichfalls entzündet haben soll. Als ihr aber dieandacht vergangen war , fand sie sich wieder bey Hose ein, setz-te ihre bekanntschafft mit dem Coadjutor von Paris , nachinau-gem Cardinal von Retz , aufs neue fort, und begab sich zwar,als Paris von den Königlichen völckern belagert ward, nachAniou, kehrte aber gantz unversehens von dar wieder zurück,als sie von des Cvadiutors neuen liebe zu der Mademoiselle vanChevreuse Nachricht erhalten , und begegnete demselben darüberaufeinehöchst unanständige weise. Siestarban. iszz.dcn 1 ?.mcrtz aus dem schlösse zu Rochefort, in dem 81. jähre ihres al-ters. Sie war überaus schön, und gewann dadurch viele lieb-habcr, machte sich aber durch ihre allzugroffe bemühung gefäl-lig zu seyn, öfters ungemein lächerlich. Memoires de Ret2,liv. II. Ansehne , hist. gen. tom. IV. p. 62. & 64.

* Nohan, (FrancifcuS) Fürst von Soubife, Capitain-Lieute,nant der leichten reuterey der Königlichen wacht, KöniglicherGeneral -Lieutenant, Statthalter und General - Lieutenant inBerry, und nachmals in Chamvagne, war der andere söhn Her-culis von Rohan, Hertzogs von Montbazon . Er that seinen er-sten feldzug an. r66z. unter dem Grafen von Coltgny in Un­ garn , und erwarb sich nachmals, hauptsächlich aber ««.1672. daer mit seinen leichten rentern über den Rhein gegangen, solchenrühm, daß ihm der König wegen solcher Handlung ein gantz be-sonders lob beylegte. Er befand sich auch nachmals weiter beyvielen gelegenheiten, als m der schlachl bey Senef, in welcher erverwundet warb, u. a. m. Im jähr 1688. sollte er Ritter derKöniglichen orden werden, schlug aber solches aus , weil manihm seinen rang nicht unter den Printzen oderHertzogen, sondernblos unter den Edelleuthen anweisen wollte. Desgleichen gab eran. 169;. seine stelle als General-Lieutenant auf, weil er bey ei-ner um diese zeit geschehenen beförderung von Marschallen Über-gängen wurde, und starb an. 17^2. im 8«. jähre seines alters.

/Safttage, annal. tom. II. Memoires de la Fayette, p. 79.

* )voh<rn , ( Renata von ) war eine tochter Ludewigs V.Herrn von Guimcns, und erst an Francifcnm von Rohan, Herrnvon Gie, vermählet. Als sie nach dessen tode von Renato vonLava!, Herrn von Lone, zur ehe begehret ward, so suchte dernatürliche söhn des Grafen von Sancerre, du Bueil, solcheszu hintertreiben, indem er ungescheut vorgab, daß ihm dieseDame nicht allein schriftlich die ehe versprochen , sondern auchdie äusserste gunst geniessen lassen. Diesen schimpf rächte Lava!bald hernach , indem er an. iz6o. den du Bneil zu Orleans entleibte; worauf er sich zwar durch das haus Guise genöthigetsahe, sich heimlich davon zu machen, auch seine gükher ver-lohr, die Renütam aber dennoch nachmals heurathete. Die-selbe ward nach seinem absterben zum dritten mal an Johannvon Laval, Marquis von Neöle, vermählet. Tbuwus ,üb. XXV. Bayle.

* Kotydtt, (Tancredus) ward von der Wittwe Heinrichs II.Hertzogs von Rohan, Margarethen, aus dem hause Bethnne-Snlly, einige jähre nach ihres gemahls tode, vor dessen söhnausaegeben , den sie von dem gedachten Hertzoge zu Venedig empfangen, an. t6;o, den 18. deeember zu Paris , wohin ersie ausdrücklich gesendet gehabt, gebohrcn , und aufdes vattecSbefehl in geheim hätte müssen erziehen lassen, damit die Vermäh-lung seiner einzigen tochter Margarethen, mit dem Grafen vonSoissons , und nachmals mit dem Hertzoge Bernhard von Weimar nicht etwa zurück gehen möchte, wenn es sich besän,de, daß noch ein söhn von dem Hertzoge vorhanden wäre. Weilnun diese fache von der Hertzogin erst so lange nach des ge-mahls tode, und eben zu einer zeit offenbaret worden, da sie ih,rer tochter, so sich wider ihren willen verheurathet, allerley Ver-druß zu erwecken beflissen war, so ward ihr vorgeben von ei-nigen vor ungegründet gehalten ; andere aber sahen solches alSgantz wahrscheinlich an , zumal da man Nachricht hatte, daßsie um die angegebene zeit zu Venedig wurcklich schwanger ge-wesen , und über dieses der junge Tancredus nicht allein denHaar-zopf, welchen man an den meisten Personen von dem HauseRohan wahrgenommen , führte, sondern auch sonst von demverstorbenen Hertzoge viel ähnlichkeit hatte. Die fache wardder emscheidung des Parlemcnts übergeben, und man mevnte,daß sich dasselbe zu des Tancredi Vortheil erkläret haben würde,wenn er nicht vor völliger endigung des Processes an. 1649. in

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