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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Herrlichkeit, pracht und reichthum reden, scheinen sie biswei-len die fache fast allzugroß zu machen. Augustus fand, daß inRom eine Million, dreyhundert, ein tausend und sieben unddreißig Personen waren. Tiberius zehlte zu feiner zeit darin»sechzehen hundert taufend, zwey hundert und ein und neunzigPersonen, ohne zu gedencken von der ausrechnung, welche zuServil zelten, nach der Niederlage der Labiorum und im anfan-ge des Punischen kriegs geschahe. Ihre gewöhnliche armce zurzeit der Kayser bestünde, wie Äppianus und Plutarchus berich-ten , in zweymal hundert tausend mann zu fuß , vierzig tausendzu pferde, dreyhundert elephanten, und zwey taufend wägen;ihre see - macht aber in fünfzehen hundert galeeren, von 2. bisrüder-bäncken, und in zwey tausend schiffen. Sie hatten160. körn - Häuser, ein groß zeug - Haus, und zwey örter, wosie ihre schätze verwahret hielten. Das Römische Reich hattezu grentzen in Asien ^ gegen morgen den fluß Euphrates , gegenMitternacht das gedurge Taurus und Armenien ; sodann gegenmittag Arabien, wie auch Obcz-Egypten, und in Africa Aelhio-picn. In Europa war es gegen morgen der Rhein , gegen Mit-ternacht die Donau , und gegen abend die offenbare see. Diemacht dieses Reichs kan insonderheit daraus erkannt werden,wenn man erweget, was die scribenten von verschiedenen pri-vat . Personen erzehlen, daß nemltch mehr als 20000. Untertha-nen in diesem Reiche sich befunden, unter welchen eines jedeneinkünfte sich so hoch erstrecket, daß er vermögend gewesen, diearmee der Republickcin gantz jähr lang zu erhalten. Unter die.se zahl gehörte Lucullus, wie man denn nach dessen tobe in sei-nem Hause 5000. kleider, und in seinem fischhalter so viel fischeantraf, daß M. Cato der Vormund dessen söhnen aus denselbi,gen quadringenties scstertium , wo anders die zahl just ist, dasist, nach der heutigen müntze, eine gantze Million bajoirs oderfünf ortsthaler soll erlöset haben. Von den einkünften derprovintzen mag man daraus urtheilen, daß das einige Egyhtenfeinen letzten Königen weniger nicht als zwölftausend und fünf-hundert talcnte eingetragen, welches sieben und eine halbe mil.lion bajoirs unsers gelds austrägt, oder noch den vierten theilmehr , wo wir, wie es gläudlich scheinet, Egyptische talenterechnen; da dann ferner zu gedencken, daß die Römer unfehl.bar weit mehr, als die obgemeldte Könige, aus diesem lande ge-zogen , dessen grentzen sie auch gar nahmhafft erweitert harten.Von des Iulii Cäsaris zeit an nahm die Römische Rcpublickden nahmen des Römischen Reichs oder Kayserthums an, weilsich nemlich dero Regenten nunmehr Iniperatores oder Cxsareszu nennen pflegten. Ungeachtet Rom von Brenuo, dem Köni.ge der Gallier, A. R. 365. eingenommen, und bis mifd Capi.tolium gantz in die asche gelegt, von Hannibale sehr bestürmet,und durch die innerliche unruhe unter Mario und Sylla sehrzerrissen und verwirret wurde, so blieb sie dennoch so lange einefreye Republick, bis daß Julius Cäsar obgedachtcr Massen sichzum stetigen Dictatore und Imperators erklären ließ. Nach des-sen tode entstund zu zweyen malen ein innerlicher krieg, da erst-lich die bekannten Triumvin oblagen, und die ertdder CäfariSsamt andern, welche neben ihnen die alte freyheit und regiments-form hatten herstellen wollen, unterdrückten; den andern aberAugustus durch den bey Activ A. R. 721. erhaltenen sieg endigte,und also den erwünschten frieden wiederum zuwege brachte, wo-durch er aber zugleich der Römischen freyheit für immer ein en-de machte. Um diese zeit wurde nach der gemeinen rechnungChristus gebohren,nemlich A. 11 . 750. und A.M. 3947· Nachge-hends blieb Rom noch immer groß, bis daß Constantinus , nach,dem er Maxentium davor erleget, die Kayserliche residentz nachByzanz oder Constantinopel versetzte, und hiemil den gründ zumuntergange der stadt Rom legte. Hierauf erfolgte die theilungdes Reichs in das Morgen - und Abendländische Kayserthum,nebst vielen dem Römischen Reiche zustossenden unglucks - fäk,len. An. 410. eroberte und plünderte Alaricus die stadt Rom .Gensericus, der Vandaler König, that an. 4t t. dergleichen,wie auch Odoacer an. 465. Ricimer an. 472. und Totila an.547. so, daß Rom innerhalb 137. jähren fünf mal den Barbarnzum raube worden. Allein die Morgenländische Kayser repa,rirten diese stadt wiederum. Als Narses, des Kayscrs Justinia-vi General, in Italien an.Totilam geschlagen hatte, undjähr hernach die stadt Capua einbekam, machte er dem Go,thischen kriege ein glückliches ende. Die nächste unruhe wurdedurch die Päpste veranlasset, um sich an den Kaysern zu rächen,welche die Verehrung der bilder verboten. Als hernach die Päp-ste von den Longobarden sehr gedrückt wurden, deren machtbey ermeldter unruhe sich sehr vermehrt, suchten sie erstlich beyPipino, und hernach bey Carolo Magno hülsse, welcher letzte-re dem Königreiche der Longobarden ein ende machte, daSAbendländische Kayserthum erneuerte, und in einen sehr ansehn,lichen stand brachte, auch dem Apostolischen stuhle einige land-fchaffren einräumte, ihm selbst aber und seinen Nachfolgern dienpprobation der künftigen Päpste vorbehielt, welches von eineman. 77;. zu Rom gehaltenen Concilio bestätiget wurde. Die-ses brachte in den nachfolgenden zeiten zwischen den Päpstenund Abendländischen Kayser» eine so entsetzliche erbitterung zu-wege , als jemals die Morgenländische Kayser und die Longo-barden mit einander gehabt haben mochten. Der erste eingriffgeschahe von Stephano VI. um das jähr 817. unter Ludovico,von welchem man vorgiebt, daß er sich des rechts den Papst zuerwehlen begeben habe, so aber hernach von dem Kayser Lotha-rio wieder gefedert, und ihm auch abgetreten worden. Als

hernach daS Kayserthum von den Francken auf die Teutschen istder person Arnulphi, welcher Carolomanni natürlicher söhnwar , um das iahr 890. gebracht worden, und gleich »in diesezeit in der Römischen kirche eine grosse spaltung war, konntendie Päpste wenig ausrichten. Da hieraufBerengarius in Jta,lien mächtig worden war, nöthigte er die Päpste dazu, daß sieihre zuflucht zu dem Kayser, Otto dem grossen, nehmen mu,sten. Als dieser zu Rom a». 962. geeronet worden, erkannt?ihm das an. 964. daselbst gehaltene Lonsilium. eben dasselbigerecht zu, welches Carolus Magnus gehabt hatte. Gregorius VII. fieng deshalben einen streit an mil dem Kayser Henrico IV.warf Rudolphum zum Gegen - Kayser auf, und that Henri-cum in den bann; wodurch dieser Herr dermassen ausgebrachtwurde, daß er Rom an. 1084. einnahm, da denn dieser unru-hige Papst flüchtig werden muste, und bald hernach starb. Alsan. 1242. der Papst Gregorius IX. den Kayser Fribericum II.in den dann gethan hatte, schlug dieser die Päpstliche armer,bekam Ravcnna, Siena und Faenza , nebst unterschiedlichenCardinälen in seine gewalt. Jnnocentius IV. erneuerte denbann wider diesen Kayser an. 1242. worauf die bekannte» fa«ctionen der Guelphen, die es mit dem Papste hielten, und derGibellinen, so auf des Kaysers feite waren, entstunden, wel-che Italien einige ssesula hindurch sehr verwüsteten; innerhalbwelcher zeit, nemlich an. i;o$. der Papst Clemens V. denPäpstlichen stuhl nach Avignon in Franckreich versetzte, allwoerbis an 1)76. blieb, darin schisma zwischen den Päpsten zu.Rom und zu Avignov entstund, welches sich nicht ehe endigte fals zur zeit des Cvstnitzer Concilii, welches sich an. 14t 4. an»fieng. An. 1408. eroberte Ladislaus, König von Napvli, diestadt Rom , und schleifte ihre manren. An. 1494. nahm derKönig in Franckreich, Carolus VIII. die stadt Rom ein, undan. 1526. der Cardinal Pompejus Colvnna; an. 1527. aberwurde diese stadt von des Kaysers Caroli v. trouppen eingenom-men , und geplündert. Philippus II . König in Spanien , be-lagerte sie gleichfalls, und halte sie ohnfehlbar erobert, wofer-ne nicht der Papst an. i; ?7. sich mit ihm verglichen hätte. Un.geachtet aber aller dieser Veränderungen und Unglücks - fälle,begreift dennoch die stadt Rom noch bis auf den heutigen tag.bey i z. Italiänische meilen im umfange, ist ziemlich volckreich,.auch mit sehr prächtigen, sowol alten als neuen gebauten an,gefüller. Man zehlet darinn über dreymal hundert tausend see-len, ausser 8000. Jüden, welche eine besondere gegend von derstadt inne haben, und alle sonnabend eine predigt bey den Chri-sten zu hören verbunden sind. Man hat darinn schon vormals22000. Häuser und palläste, 92. kirch - spiele, 41. national -kir-chen, 64. manns - und mehr als 40. Nonnen - klöster, 30, Ho-spitäler , 106. Gesellschafften büssender Personen , und unter-schiedliche Lollegia gezehlet. Desgleichen, wie schon oben ge-dacht, 18. thore, z60. thücme auf ihren stadt-mauren, und6. brücken über die Tiber . Die St. Peters - kirche , worinnder heiligen Apostel Petri und Pauli halbe leichname, nebst un,zehlichen andern verwahret seyn sollen, ist inwendig und aus-wendig von marmorsteinen erbauet, in der figur eines crcutzes.Sie ist ohngefehr 40°. schuh lang, und 396. breit, und hat ei-ne Cqpola, welche schuh hoch ist, so von Paulo V. auf-gerichtet worden. Sie ist so reich, und mit so vielen künstli-chen gemätzlden, säulen, siatuen, allaren und aalerien sezie-ret , daß ihre schönheit und pracht fast alle gebancken, die mansich davon machen kan, weit übertrift. Von der prächtigengalerie über dem bedeckten gange ertheilet der Papst alle grünedonners - und Ostertage dem volcke, so auf dem grossen platzedavor kniet, den fegen. Der grosse altar unter der Cupola istüber das grab des heiligen Petri gcoauet, und vortreflich sezie-ret. Sonst hat sie z. grosse thüren, unter welchen die eine diegüldene ober heilige genennet, und nur in dem Jubilar vondem Papste eröfnel wird. Der platz vor der kirche ist mit einergrossen galerie umgeben, welche demselben die oval - form ei-nes theatri giebt, so ?co. schritte lang, und 220. weit ist: 324.Pfeiler tragen diese galerie, so mit einem schönen geaitter ver-sehen , und mit herrlichen kupfer- bildern der zwölf Apostel,und 88. anderer Heiligen, wie auch mit des Pavsts Äleran-dri VII. wapen gezieret ist. In der mitte dieses Platzes sind 2.schöne brunnen , und zwischen ihren beyderseits künstlichen Was-ser - behältnissen, eine von den prächtigsten Pyramiden in derweit,so gantz von einem stücke unvvlirten marmor,und 8°. schuh hoch ist, ausser dem gründe und fuß - gestclle, so noch abson-derlich 28. schuh austrägt. Einige scribenten melden, daß dasgesäß, so Iulii Cäsaris asche in sich gehalten, vor zeiten obenaus der spitze dieser Pyramide gestanden habe, allwo anjetzo dascreutz stehet. Nebst gedachter St. Peters - kirche sind auch dieübrigen Haupt-kirchen , nemlich die kirche St. Pauli, darinnnebst andern reliquien die beyden halben leider St. Petri undPauli zu finden, weil die andere helfte von beyden in der St.Peters - kirche soll verwahret werden ; desgleichen die kircheSt. Johannis im Lateran , als die mutier aller übrigen, undein behältnis von ungemeinen schätzen; wie auch die kirche zumheiligen Creutz, die kirche von St. Maria Alaggiore , allwo derheiligen Jungfrau von dem Evangelisten Luca gemahltes bild-nis gewiesen wird ; die kirche St. Sebastiani und St. Lauren-tii vor allen andern zu mercken. In der kirche St. Cäcilia wer-den die leider von mehr als 900. Märtyrern aufbehalten. Diekirche St. Stephani bat ihr jetziges aufnehmen dem Lollegiader Teutschen zu dancken. Man findet darinn 22. faulen, wel-che