Buch 
Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
Entstehung
Seite
105
JPEG-Download
 

105

nicht zahlte. Eine schmachvolle Beleidigung von eidgenössischenBoten durch die Franzosen und deren unerträglicher Hochmuthmachten das Maß der Erbitterung voll. Die Schweizer ent-schlossen sich im April 1512, den König von Frankreich in Italienzu bekriegen.

24,000 Eidgenossen rückten in Italien ein. Den Oberbefehl> führte der Freiherr von Hohensax; die Berner befehligte Burk-! hard von Erlach. Noch vereinigten sich die Venetianer mit ihnen.! Unaufhaltsam rückten sie, vom Cardinal Schinner angefeuert,i gegen Mailand vor. Das französische Heer war größtentheilsI entlassen oder zerstreut. Hans Effinger rückte mit Schinner an

j der Spitze von 1000 Eidgenossen in Cremona ein. Pavia

ward erstürmt. In Mailand brach eine Empörung gegen dieFranzosen los. Hans Rudolf Nägeli konnte in der Stadt seinenEinzug halten. So war in kurzem das ganze Herzogthum inder Gewalt der Eidgenossen. Gleichzeitig besetzte man von derHeimath aus Neuenburg, das einem französischen Prinzen, Ludwigvon Orlouim-IiONKukviUs, gehörte. Nach dem glänzenden Zugekehrten die Eidgenossen, Nägeli mit einer Besatzung in Mailandzurücklassend, wieder in die Heimath. Reich hatte sie der Papstbelobt alsBeschirmer der Freiheit der heiligen Kirche", undmit kostbaren Pannern beschenkt. Das für d'ie Berner bestimmtehatte auf damastenem Grunde zwei gestickte Bilder, die Anbetungder heiligen drei Könige darstellend, die noch erhalten sind.Burkhard von Erlach trug es, als er mit den Truppen wiederin Bern einritt.

Am Ende des Jahres übergaben die Eidgenossen das Herzvg-thum dem Maximilian Sforza, Ludwigs Sohne, der ihnen einegroße Entschädigung zahlte und Lugano, Locarno und Domo-d'Ossola abtrat. Bei seinem feierlichen Einzug in Mailand ver-trat die Stadt Bern als Ehrengesandter ihr würdiger SchultheißJakob von Wattenwhl. Dem jungen Herzog war keine langeHerrschaft beschieden. Er verstand es nicht, sich Freunde zu machen,