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er aber entfloh und machte den Betrug bekannt. Da ward dergeistliche Prozeß gegen die Fehlbaren eingeleitet: vier Mönche,auf dem Richtplatz an der Kreuzgasse ihrer Priesterwürdeentsetzt, fanden im Schwellenmätteli auf dem Scheiterhaufen denTod (1502).
Niklaus Manuel malte denn auch an der Mauer desDominicanerklosters 1516 seinen berühmten Todtentanz, in demwie in seinen Fasnachtfpielen die Geistlichkeit übel wegkam. ImTodtentanz läßt Manuel den Tod zu den Mönchen sagen:
Ihr München mästend üch gar wol,
Ihr steckend aller fünden voll,
Sind reißend wölf in eim Schafskleid,
Ihr müßet tanze, wär's üch leid.
Nun machte sich noch der Einfluß vieler gebildeter Theo-logen, ernster Männer geltend, des Bielers Thomas Wyttenbach,Berchtold Halters aus Aldingen bei Rothwald im Schwarzwald,Sebastian Meyers aus dem rheinischen Neuenbnrg, die im Vor-gehen des großen Zürcher Reformators Zwingli Ermuthigungfanden.
Die bernische Regierung wagte nicht, eine schnelle Ent-scheidung zu treffen. Die Bürgerschaft der Stadt nämlich neigteder Reformation zu; die edlen Geschlechter aber — mit Aus-nahme der Familie des Schultheißen von Wattenwyl — beharrtenam Alten; sie fürchteten revolutionäre Bewegungen und warntenvor der Entzweiung mit den andern Orten. Noch besaßen siedie Macht: Von den Führern und Anhängern der Reformationmußte Niklaus Manuel als Vogt nach Erlach gehen, der Stadt-schreiber Valerius Anshelm ward verwiesen und Berchtold Hallervor Gericht gezogen, als er den Dominicanerinnen vom Hei-rathen sprach. Verurtheilt wurde er nicht; ja die Regierungmußte au einem andern Orte, in Königsfelden, den emancipirten