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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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Klosterfrauen den Austritt aus dem Kloster gestatten. Damalszog man dort auch, um einer Verschleuderung zuvorzukommen,die Klosterkleinodien ein, die wie die ungarische Altartafel, jetztden Schmuck des bernischen Museums bilden.

Zürich und Schafshausen waren unter Zwinglis Einflußentschieden zur Reformation übergetreten. Bern erklärte, daßes das Evangelium frei predigen lassen wolle, sich überhaupt inseinem Gebiete freie Hand vorbehalte; es schloß sich aber doch imApril 1524 der Erklärung der zehn andern Orte an, beim altenGlauben bleiben zu wollen. Noch im Mai 1526 sprach sich diebeimische Landschaft entschieden für das Alte aus. Das Reli-gionsgespräch, das im gleichen Monat in Baden stattfand, warden Neuerern ungünstig, so daß die Katholiken von Bern ver-langten, es solle sich ihnen gegen Zürich anschließen. Soweitging Bern nicht, aber es forderte doch Berchtold Halter wiederauf, Messe zu lesen. Er legte lieber seine Chorherrnwürde nieder,als daß er Messe las. Auch der Propst Niklaus vou Wattenwyl,des Schultheißen Sohn, legte alle geistlichen Würden nieder undvermählte sich mit Clara May, die im Jnselkloster gewesenwar. In Bern gefiel es wenig, daß die katholischen Orte mitden reformirten keinen Bund mehr haben wollten und man nahmihnen die Aufwiegelungsversuche der bernischen Landesabgeord-neten gegen die Regierung sehr übel. Allmälig fand die Refor-mation doch Eingang. Der Umschwung war nicht ohne Zusammen-hang mit der fürchterlichen Niederlage von Pavia. Zugleichgelang es, auf Grund einer alten Verordnung, daß nur in derStadt Geborene in den Rath wählbar seien, das Haupt der Alt-gläubigen, den Ritter Caspar von Mülinen, aus dem Rathe zustoßen.

Die Regierung durfte keine plötzlichen Maßregeln anwenden,weil das Land noch immer am Alten hielt. Da beschloß sie, inBern ein Religionsgespräch abzuhalten, dessen Ergebniß maß-gebend sein sollte. Die Prediger Berchtold Halter und Franz

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