Buch 
Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
Entstehung
Seite
131
JPEG-Download
 

131

auf die Kreuzmatte >884 behalten hat. Dem obern Spital ver-leibte man das Vermögen des Heiligen-Geist-Klosters ein undals noch größere Anforderungen an das Spital gestellt wurden,schenkte ihm die Regierung die St. Petersinsel im Bielersee, dieihm noch gehört. Das niedere Spital, das zuerst am Staldengestanden, brachte man im Predigerkloster unter und das Bar-süßerkloster wurde zu Schulzwecken verwandt; es ist späterals Hochschule dieser Bestimmung bis auf den heutigen Tagtreu geblieben.

Das Münster wurde leider nicht ausgebaut. Die Anstellungunerfahrener Baumeister und Geldmangel hinderten die Voll-endung des Werkes. Aber doch kam das hohe gefällige Chor-gewölbe unter Niklaus Manuels Leitung zu Stande, große Glas-gemälde zierten die Fenster und die mittlere Vorhalle wurde mitschönen Fresken geschmückt. Freilich gieng durch die auch vonReformirten getadelte Bilderstürmerei vieles vom alten Schmuckder Kirche verloren.

Sonst wurde in der Stadt viel gebaut; leider erinnertnur weniges mehr daran: der Erker an der Keßlergasse und jenerzuoberst an der Kramgasse. Auch von den Fayadenmalereienjener Zeit ist keine mehr vorhanden. Eine Zierde, die heute nochEinheimische und Fremde anzieht, das kunstvolle Uhrwerk amZeitglocken, wurde 1530 vom Schlosser Caspar Brunner verfertigt.Ebenfalls stammen unsere kostbar gemeißelten und bemaltenBrunnen aus dem 16. Jahrhundert. Vor dem Käfichthurmendlich befand sich der Zwinger für die in Italien erbeutetenBären und ihre zahlreiche Nachkommenschaft.

Das geistige Leben nahm durch die Reformation einen be-deutenden Aufschwung. Die Gegnerschaft der größten katholischenTheologen forderte von den evangelischen Männern, einem Berch-told Haller, Sebastian Meyer, Franz Kolb, nicht weniger Bildung.Sebastian Hofmeister, Johannes Müller (Rhellican), Caspar Groß-mann (Megander), dann Wolfgang Müsli, mußten in Bern die