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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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jungen evangelischen Theologen heranbilden, wie es WilhelmFarel, Peter Mret, Conrad Geßner und Theodor äo LsM inLausanne thaten. Zu den anerkanntesten, hervorragendsten Theo-logen Berns gehörte der Dekan Johann Halter, aus einemGeschlechte aus Wyl im Kanton St. Gallen, der Stammvaterder bernischen Halter. An einer der Stadtschulen wirkte auchder gelehrte Bendicht Marti von Bätterkinden (LsnkäiokusErstürm), Naturforscher und Botaniker, der zuerst unsere Alpen-Welt erforschte.

Ueberhaupt mußte bei den mannigfachen Beziehungen zumAuslande, bei dem allgemeinen Aufschwung der Kunst, das Lebensich reger gestalten. Urkräftig spiegelte es sich in den Fasnachts-spielen eines Niklaus Manuel, seines Sohnes Hans Rudolf,eines Hans von Rütti. Die Zeit der Renaissance hat so viel-seitige Männer hervorgebracht wie Niklaus Manuel, der Maler,Dichter, Architekt, Krieger und Staatsmann war. Nicht zu ver-gessen ist der Arzt Valerius Rüd, genannt Anshelm, aus Rott-weil, den der Rath 1520 beauftragte, der Stadt Chroniken fort-zusetzen und der ein unschätzbares Werk hinterlassen hat. ThomasSchöps gab (1577) eine Karte des bernischen Gebietes heraus,deren Genauigkeit für jene Zeit Wohl verwundern darf.

Freilich, und daran war besonders das Reislaufen schuld,der sittliche Zustand hatte nicht gewonnen; wie sehr sich dieSitten verändert, lehrt der Spruch Manuels vom alten und vomneuen Eidgenossen:

Allter Eydtgnoß, nun sag mir an,

Wohar du din glück habest gehan?

Man vorcht din schatten wies (mehr) dan mich.

Deß gib mir bescheid, das bitten ich!

Ich mag nüt wissen, in welichen DingenDas uns nit auch so wol will gelingen,

Dieweil wir doch die listiger sindDan ir, als ich das gschriben find.