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Die Flüchtlinge baten die bernische Regierung um Schutz,der ihnen nicht versagt wurde. Sie ließen sich in Lausanne,dann in Divis nieder. Einmal besuchten sie Bern, um sich fürdie Aufnahme zu bedanken. Die Regierung empfing sie mit Hoch-achtung, ja mit Auszeichnung. Sie ließ nie in ihrer Gesinnungnach und schützte sie vor allen Nachstellungen, soweit sie konnte.So groß war die Theilnahme — nicht für die Königsmörder,sondern für die leidenden Glaubensgenossen. Als Wilhelm vonOranien König von England wurde, berief er Ludlow zurück.Aber dieser fühlte sich nicht sicher und so kehrte er wieder nachDivis, wo er 1693 starb. Noch ist sein Grabstein in der dortigenKirche von St. Martin.
Die Glaubensgemeinschaft führte Cromwell und die evange-lischen Eidgenossen noch an einem andern Orte zusammen.
Die im l 2. Jahrhundert gestiftete evangelische Verbindung derWaldenser hatte sich unter der Verfolgung der Katholiken zerstreut;ein Theil war in die Alpen und nach Piemont gezogen. Aberauch hier erfuhren sie von der savoyischen Herrschaft die empö-rendste Bedrückung, wiewohl ihnen die Ausübung ihrer Religion,zwar in beschränktem Maße, gestattet war. Im Jahr 1654 brachwieder eine fürchterliche Verfolgung los. Die vier evangelischenStädte ordneten eine Gesandtschaft ab, die den Herzog vermochte,seine Unterthanen billiger zu behandeln. Auch Cromwell Halfzu diesem Ergebnisse mit, indem er drohte, seine Flotte in's Mit-telmeer zu senden und die Besitzungen des Papstes zu bom-bardiren.
Die Sorge um politische und religiöse Flüchtlinge beschäftigtenun auf lange Jahre die Regierung. Im schönsten Licht zeigtesich dabei ihre christliche Liebesthätigkeit und ihr hingebenderOpfersinn.
In Frankreich deutete alles darauf hin, daß wie die Monarchiein absoluter Gestalt sich bildete, so auch nur eine Religion geduldetsein wollte.