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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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Es war wohl gut, daß die Regierung auf solche Weise ihrenErnst bewies. Aber die zerfahrenen Verhältnisse, der französischeEinfluß machte sich nicht nur im politischen Leben geltend.Während auf dem Lande die Armuth anwuchs, gestaltete sich inder Stadt das Leben viel reicher und luxuriöser. Die französischenSitten und Moden rissen ein, reiche Gastmähler wurden gehalten;der Verschwendung gebot die Regierung vergeblich Einhalt durchErlaß vielerSittenmandate". Die Mängel des Staates, dieStandeskrankheiten", wie man sie nannte, waren nicht auszu-rotten.

In den Räthen tadelte man die Geschäftsüberhäufung Ein-zelner, die Weitläufigkeit der Berathungen, die Anstellung un-ordentlicher Beamter. Einen andern Fehler sah man nicht ein:die Beschränkung der Burgerannahmen. 1660 beschloß man,in den zehn folgenden Jahren keinen Bürger mehr aufzunehmen,1695 erneuerte man den Beschluß auf die Zeit von 20 Jahren.Auf den Wunsch der einheimischen Handwerker schloß man diefremden vom Bürgerrecht aus. Unter den Bürgern machteman den Unterschied der Vollburger (der Regimentsfähigen) undder Einsaßen, der ewigen Einwohner oder Habitanten.

In der zweiten Hälfte des 17 . Jahrhunderts machte sicheine bedeutende Verminderung der Zahl der Geschlechter, die indie Regierung gelangten, bemerkbar. Hatten im Jahre 1605152 Geschlechter 325 Großrathsmitglieder gestellt, so waren imJähre 1691 unter 299 Großräthen nur mehr 104 Geschlechtervertreten. Auch unter diesen gab es Abstufungen, die dann imfolgenden Jahrhundert zu kleinlichen Streitigkeiten führten. DieErlach, Mülinen, Diesbach, Wattenwhl, Bonstetten und Luternauführten im Rath nach den Vennern den Vorsitz. Bei der Bewerb-ung um die gesuchten Stellen der Räthe und Vögte schlichen sichMißbräuche ein, indem die Stellensuchenden durch reiche Gast-mähler und dergleichen Stimmen zu erlangen trachteten, was man