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aber auch starb, war das Schicksal des lieblichen Ländchcns amJura erst recht fraglich. Denn nun meldeten sich auf Grund vonAbstammung oder Verwandtschaft mit den frühern Herrscherndie mannigfachsten Erbansprecher, der Prinz von Conti, die Her-zogin von Lesdiguiores, der Graf von Matignon, der Prinzvon Carignan, der Herzog von Nassau, der Herzog von Würt-temberg-Mümpelgard und der König von Preußen.
Die Entscheidung lag bei dem Gerichtshof der drei StändeNeuenlmrgs, das mit dem verburgrechteten Bern im besten Ver-hältniß lebte. Bern erklärte zwar, sich in die Sache nicht ein-mischen zu wollen, aber sein Einfluß war ohnehin stark genug,um Frankreich befürchten zu lassen, es möchte ihm nicht günstigsein. In der That war Neuenburg im Besitz eines der franzö-sischen Erbansprecher so gut als ganz französisch. So war manin Bern am meisten dem fernen König von Preußen geneigt.Für diesen entschied sich denn auch der neuenburgische Gerichtshof.
Bern ermangelte nicht, den König zu beglückwünschen. Amwenigsten zufrieden war Frankreich, das sofort eine Handelssperreanordnete. Da von ihm noch andere Maßregeln zu erwartenwaren, sandte man einige Mannschaft nach Neuenburg, die in-folge bedrohlicher Nachrichten aus 4000 Mann gebracht wurde.Den ganzen Winter über standen beiderseits Truppen an denGrenzen, bis im Frühling 1708 das ohnehin gedrängte Frankreichdie Neutralität Neuenburgs anerkannte. Der lltrechter Friedevon 1713 bestätigte Preußen im Besitze Neuenburgs.
Diese Ereignisse bekräftigten das gute Verhältniß Berns zuPreußen, das vor wenig Jahren durch die Errichtung der Gardeangebahnt worden war. Vermuthlich steht auch die kaiserlicheStandeserhöhung des geschäftskundigen Schultheißen JohannRudolf Sinner ( 1706 ) mit der Neuenburger-Frage im Zusammen-hang, sowie die preußische des Schultheißen Christoph Steiger.1707 bat König Friedrich Wilhelm die Eidgenossenschaft, seinemSohne, dem Kronprinzen, Pathin zu sein. Die evangelischen